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Hej, folgende Beiträge haben wir für euren Streaming-Start ins Wochenende mitgebracht:
- Staffellauf-Kolumne über die Hassliebe zu Horror-Streams + Community-Frage
- Fünf handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
- Unser stacheliger Lieblingsstream: „Marty Supreme“ (2025)
Los geht's mit dem kompletten Magazin!

Schlafprobleme und Herzkasper sprechen dagegen – und doch: Horror ist eine Hassliebe, die Julia nach dem Abspann verflucht und trotzdem nicht von ihr ablassen kann.
Der Horror und ich – eine innige Hassliebe
Julia Mähl
BÄM, letzte Szene, Film zu Ende, der Abspann läuft. Und läuft. Und läuft. Und ich? Ich sitze immer noch auf dem Sofa, wie versteinert, kann mich nicht bewegen. Die Decke habe ich mir bis unters Kinn gezogen. Da muss sie sein, nur wenige Zentimeter von meinen Augen entfernt und stets griffbereit, sie kurz hochzuziehen, wenn ich eine Szene nicht aushalten kann.
Was ich hier beschreibe, ist mein klassisches „Post-Horror-Ich“, eine Version meiner Selbst, die nur dann auftaucht, wenn ich mal wieder einen wirklich guten Horrorfilm gesehen habe.
Wer das liest, fragt sich vielleicht – zu Recht – warum ich mir das Mal für Mal antue, wenn ich doch offensichtlich gar nicht gut damit umgehen kann. Ja, warum eigentlich? Warum versetze ich mich absichtlich in die Gänsehaut, in eine Mischung aus halbem Herzstillstand und -klopfen bis zum Hals, kralle dabei wahlweise die Nägel in ein Kissen, meinen Nebensitzer oder meine Nebensitzerin und liege im Anschluss mit weit aufgerissenen Augen im Bett, aus Angst unfähig zu schlafen. Denn wer oder was könnte nachts an meinem Bett stehen?
Was ist das mit dem Horror und mir?
Die Antwort auf diese Frage ist selbst für mich nicht einfach zu beantworten. Ja, die Schlafprobleme und der Herzkasper sind eindeutig Gründe, es zukünftig sein zu lassen. Doch – und das mag jetzt Sinn machen oder nicht – das kann ich nicht. Denn ich sage es euch, wie es ist: So sehr ich das alles auch hasse und mich während des Films und nach der letzten Szene verfluche, so sehr liebe ich es auch. Das Erschrecken, das Gruseln, das Miträtseln und -fiebern – alles! Ich liebe es, während des Films Theorien aufzustellen, mich mit den Protagonist*innen zu fürchten und gemeinsam zu hoffen, dass sie dieses Was-auch-immer-da-passiert überleben.
Damit bin ich nicht alleine: Erst kürzlich lief „Obsession“ im Kino, ein Low-Budget-Film aus den USA. Darin ist Bear (Michael Johnston) in Nikki (Inde Navarrette) verknallt. Weil er glaubt, keine Chance bei ihr zu haben, wünscht er es sich beim dubiosen Unternehmen „One Wish Willow“ – und muss kurz darauf feststellen, dass das gar keine gute Idee war.
„Obsession“ kostete in der Produktion weniger als eine Million US-Dollar. Weil er aber so gut ankam beim Publikum, weil Clips und Auszüge auf TikTok und Co. viral gingen und die Kritiker*innen ihn in den Himmel lobten, rannten die Leute den Kinos dafür die Bude ein. Insgesamt spielte der Film bisher etwa 500 Millionen US-Dollar ein – und ist damit der bisher erfolgreichste Low-Budget-Film überhaupt.
Aktuell läuft außerdem der neue Zombiefilm „Resident Evil“ von Regisseur Zach Cregger im Kino. Auch Nicht-Horror-Fans sollten schon mal von der Reihe gehört haben, immerhin zählt „Resident Evil“ zu den bekanntesten Computer-Games weltweit, die ersten Filme mit Milla Jovovich in der Hauptrolle waren so erfolgreich, dass gleich sechs davon gemacht wurden. Der jetzige, mit Austin Abrams als Kurierfahrer Bryan im Fokus, räumt aktuell nicht nur die besten Kritiken, sondern auch das meiste Geld ab: mehr als 100 Millionen Dollar allein am ersten Wochenende. Reicht das aus, um zu verdeutlichen, dass ich mit meinem Faible für Horror nicht alleine bin?
Es gibt Grenzen
Ob es bei jedem jetzt auch so eine Hassliebe ist wie bei mir, weiß ich natürlich nicht. Ich möchte an der Stelle auch noch mal betonen, dass man mir jetzt auch nicht alles vorsetzen kann. Splatter, Slasher und Co. sind nicht meins, rohe Gewalt, Blutfontänen und Ekelhorror kann ich mir sparen. Aber wenn man es so macht wie Zach Cregger, dann bitte, bitte gebt mir mehr davon! Der ist nämlich nicht nur für „Resident Evil“ verantwortlich, sondern hat unter anderem auch „Weapons“ gedreht, den ich mir kürzlich bei HBO Max angesehen habe.
Und DAS, liebe Leserinnen und Leser, ist wirklich Horror, wie er sein soll: unheimlich und perfekt zum Unter-der-Decke-verstecken, ausgetüftelt, mit Plot-Twist, vielschichtigen Figuren und einer fantastischen Kameraführung. Während ich hier mit Gänsehaut und Anspannung verfolgt habe, wie erst 17 Schulkinder aus dem Nichts im Nirgendwo verschwinden, dann eine Hexenjagd auf die Lehrerin stattfindet und schließlich alles absurd, erschreckend und abgedreht wird, konnte ich nicht umhin, Zach Cregger für Drehbuch und Regie zu danken.
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💬 Teilt eure Perspektive:
Woran merkt ihr, dass euch ein Film „gut“ erschreckt/gegruselt hat und nicht nur billig?
Wir veröffentlichen eine kleine Auswahl eurer Stimmen in der nächsten Woche. Einfach auf diese E-Mail antworten.
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Und eine letzte Empfehlung habe ich noch für alle, die sich jetzt immer noch denken, Horror ist immer gleich Schund: Schaut mal bei Mubi rein. Dort läuft ganz frisch Jane Schoenbruns queerer Horrorfilm „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“. Der hatte seine Premiere nämlich nirgendwo Geringeres als auf den Filmfestspielen in Cannes, wurde dort von Kritiker*innen gefeiert und sogar mit der Queer Palm ausgezeichnet. Ich habe ihn auch auf meiner Watchlist – und bin nach dem Schreiben dieses Staffellaufs vermutlich sogar noch gehypter als zuvor.
Vielleicht muss ich ihn mir also das nächste Mal durchlesen, wenn ich wieder im Bett liege, der Abspann längst ausgelaufen, das Blut getrocknet, die Leiche verscharrt und die Tür zum Geisterschloss verriegelt ist. Und mich daran erinnern, dass ich mich in dem Moment zwar dafür verfluchen, aber es doch nicht sein lassen kann.
Happy Streaming
Julia

Handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
André Pitz & Leya Lourenco
Wir haben diese Woche hunderte neue Filme, Serien und Dokus gesichtet. Hier sind die fünf Highlights, die wir euch ans Herz legen:
Babystar (2025)
Läuft bis 24.09.27 beim ZDF, FSK 6, Dauer: 96 Min., zum Trailer

➜ Satirisches Drama über die Beziehung einer Tochter zu ihren Influencer-Eltern
➜ Joscha Bongards vielbeachtetes Spielfilmdebüt mit Maja Bons in der Hauptrolle
➜ Ein Film, der erstmal absurd daherkommt, dann aber doch viel Wahres erzählt
Million Dollar Baby (2004)
Läuft bis 05.10.26 beim ZDF, FSK 12, Dauer: 128 Min., zum Trailer

➽ Underdog-Boxerin-Geschichte trifft auf emotionales Drama
➽ Clint Eastwoods vierfach oscarprämierter Film mit einer oscarprämierten Hilary Swank und Morgan Freeman
➽ Ein absoluter Klassiker, der über den Boxring hinausgeht
Die Magnetischen (2021)
Läuft bis 19.10.26 in der ARD-Mediathek, FSK 16, Dauer: 95 Min., zum Trailer

➩ Coming-of-Age zwischen Piratenradio und Kaltem Krieg
➩ Feinsinniges und vielbeachtetes Spielfilmdebüt von Vincent Maël Cardona
➩ Kluger Balanceakt zwischen Melancholie und überschäumender Lebensenergie
Das Experiment (2001)
Läuft bis 27.10.26 bei Arte, FSK 16, Dauer: 113 Min., zum Trailer

➤ Machtstudie als Kammerspiel
➤ Oliver Hirschbiegels Spielfilmdebüt auf Basis des Stanford-Prison-Experiments
➤ Atmosphärisch wie psychologisch dichter Thriller, der mit wenigen Mitteln viel in Bewegung setzt
Der Ghostwriter (2010)
Läuft bis 24.10.26 in der ARD-Mediathek, FSK 12, Dauer: 121 Min., zum Trailer

➺ Politthriller meets Paranoia à la Hitchcock
➺ Silberner Bär für die beste Regiearbeit der Berlinale 2010
➺ Ästhetisch verführerisch konstruierte Geschichte über die sich auflösende Grenze zwischen Jäger und Gejagtem
💡 Nach diesen Kriterien wählen wir unsere Tipps aus.
Hat dir jemand diesen Text geschickt? Gute Leute hast du. Für die nächste Ausgabe kannst du selbst auf der Liste stehen. Jeden Freitag drei Beiträge übers Streaming, kostenlos und ausdrücklich zum Weiterschicken.
Letzte Chance für:
• An einem schönen Morgen (2022) bis 12.10.
• Berlin Alexanderplatz (2020) bis 15.10.
• Alle reden übers Wetter (2022) bis 17.10.
uvm.

Lieblingsstream: Marty Supreme (2025)
Leya Lourenco
„Marty Supreme“ (2026) war eines meiner Kinohighlights des bisherigen Jahres. Ich weiß noch genau, wie ich mich gefühlt habe, als ich aus dem Saal kam: Ich war inspiriert, voll angesteckt vom Tatendrang des Films und der Soundtrack wanderte direkt auf meine Playlist. Als ich gesehen habe, dass HBO Max ihn ins Programm genommen hat, wollte ich euch mit genau diesem Gefühl anstecken.
New York, 1950er Jahre. Marty Mauser (Timothée Chalamet) ist ein junger, talentierter Tischtennisspieler mit einem grenzenlosen Ehrgeiz und dem festen Glauben, für Größeres bestimmt zu sein. Getrieben von diesem Willen setzt er alles auf eine Karte, um sich in der Welt des Tischtennis einen Namen zu machen.
„Marty Supreme“ ist der erste Solofilm von Regisseur Josh Safdie, der sonst gemeinsam mit seinem Bruder Benny inszeniert („Uncut Gems“, „Good Time“). Das Drehbuch schrieb er zusammen mit seinem langjährigen Co-Autor Ronald Bronstein. Es geht um Drive, ums Träumen und seine Kosten, darum, was man alles für seine Leidenschaft gibt und welche enorme Energie daraus entsteht. Das erzählt der Film nicht nur inhaltlich, er strahlt es auch aus, etwa durch das Schauspiel und durch seine Erzählweise.
Denn erwähnen muss man unbedingt die Taktung des Films. Unglaublich dynamisch und energiegeladen, so typisch für Safdie. Man ist permanent am Schauen, ständig entwickelt sich etwas Neues, und man fiebert wirklich mit. Genau das bringt einen so dicht an die Geschichte heran. Und auch durch Timothée Chalamets Leistung, der seiner Rolle eine echte Körperlichkeit verleiht. Sein Spiel liegt nicht nur in den Dialogen, sondern auch darin, wie er sich bewegt, beispielsweise wie er läuft, oder vielmehr schreitet. So transportiert er die Energie des Films mit seinem ganzen Körper.
Obwohl der Film in den 1950ern spielt, setzt Safdie fast durchgehend auf 80er-Synthpop: Alphavilles „Forever Young“, dazu kommen Needledrops von Tears for Fears oder (mein Favorit) The Korgis' „Everybody's Got to Learn Sometime“. Dieser bewusste Anachronismus reibt sich wunderbar mit den Bildern und unterstreicht einmal mehr die Dynamik des Films.
Ihr könnt „Marty Supreme“ aktuell bei HBO Max streamen. Überprüft die dauerhafte Verfügbarkeit via werstreamt.es.
Links zum Weiterbeschäftigen
🔍 Wollt ihr tiefer eintauchen? Wir haben euch die spannendsten Analysen, Interviews und Hintergründe zusammengestellt. Das ist der Unterschied zwischen Wissen, dass sich der Film lohnt und verstehen, warum er zählt:
Tiefergehende Gedanken
- 💬 Essay über Ehrgeiz und Selbstmythologisierung in „Marty Supreme“ (Medium)
- 🎦 Ausführliche Filmanalyse: „Marty Supreme“ als glasklare Gesellschaftsanalyse und Porträt des radikalen Individualismus (Die Filmanalyse/YouTube | 27 Minuten)
- 🎦 Videoessay: Die Hustle-Szene in „Marty Supreme“ im Vergleich zu „The Hustler“ (1961) (YouTube/Soder Cinema | 18 Minuten)
Interviews & Insides
Bis nächste Woche Freitag!
Eure Shelfd Redaktion


