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Hej, folgende Beiträge haben wir für euren Streaming-Start ins Wochenende mitgebracht:
- Staffellauf-Kolumne darüber, wie nah wir unseren Geschichten kommen wollen
- Fünf handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
- Pure Trailer-Vorfreude: Drei Titel, die wir kaum noch abwarten können
- Mehr als Streaming im Zeitgenossen-Podcast
Los geht's mit dem kompletten Magazin!

Sehen wir uns zum ersten Shelfd Abend?
Wir laden alle Mitglieder am DO, den 15.10. um 20 Uhr zum Video-Call mit der Redaktion ein. Schalte dich dazu.
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Laptop im Bett, Tablet in der Küche, Kopfhörer auf: Streaming wird immer individueller. Doch der klassische Fernseher im Wohnzimmer hat noch längst nicht ausgedient. Deutsche Haushalte empfangen ihr TV-Programm noch am häufigsten per Satellitenschüssel.
Eine Couch im Cyberspace
Klaas Tigchelaar
Wahrscheinlich ist der gute alte Fernseher ein Auslaufmodell, genau wie die Fernsehantenne, Kabelfernsehen oder die Satellitenschüssel. Obwohl riesige Flachbildschirme noch in sehr vielen Haushalten das Wohnzimmer um sich herum gruppieren, schauen zunehmend mehr Leute ihre Serien auf dem Laptop oder Tablet. Ist einfach flexibler, beim Kochen in der Küche, oder abends im Bett, wo jeder mit Bluetooth-Kopfhörern seinen Content gucken kann, ohne die Partner*in nebenan zu stören.
Bei uns hängt ein (relativ neuer) LED-Smart-TV im Wohnbereich, ganz klassisch, und ich möchte davon auch ungern abrücken. Aber zwischen Tablet, VR-Brille und deutlich abstrakteren Ideen, um die Streaming-Erlebnisse in das menschliche Gehirn zu kriegen, döst ein riesiger Markt vor sich hin, der mit KI wohl noch mal einen gehörigen Schub bekommen könnte.
Die Großeltern lieben ihre Schüssel
Die aktuelle Gemengelage stellt sich vorerst noch anders dar, als man meinen würde. Laut einer Studie der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) vom Januar 2026 liegt die (rückläufige) Zahl der Nutzer*innen des Kabelfernsehens immer noch bei 36,2 Prozent (2025: 40 Prozent), während „17,7 Prozent der TV-Haushalte mit internetbasiertem Empfang“ Fernsehen und Serien gucken (2025: 11,3 Prozent).
Hauptquelle für den Fernsehkonsum bleibt die Satellitenschüssel mit 43,4 Prozent (2025: 45,2 Prozent), obwohl im Herbst 2025 schon in 70,3 Prozent der Haushalte ein „internetangebundenes Fernsehgerät festgestellt“ wurde. Ja, die Sprache der AGF ist ein bisschen eingerostet, und ich könnte mir keinesfalls vorstellen, mich in die Steinzeit des linearen Fernsehens über Schüssel oder DVB-T-Antenne zurück zu beamen.
Internet als zentraler Knotenpunkt
Das Internet, oder eine zukünftige Weiterentwicklung davon, wird sich als Hauptquelle für Bildunterhaltung langfristig durchsetzen. 1969 gilt als die Geburtsstunde des Netzes, als über das sogenannte Arpanet die erste erfolgreiche Nachricht zwischen zwei US-Universitäten versendet wurde. 1982 hat der Science-Fiction-Autor William Gibson in seiner Kurzgeschichte „Burning Chrome“ das erste Mal das Wort „Cyberspace“ verwendet.
In der Geschichte geht es um sogenannte Konsolen-Cowboys, also Hacker, die für Geld im digitalen Raum, dem Cyberspace, Daten klauen. Über eine neuronale Schnittstelle verbinden sie ihr Gehirn direkt mit einem Neuro-Deck, das Bewusstsein taucht in die digitale Datenmatrix ein, während der physische Körper in der realen Welt zurückbleibt. Das klingt auch mehr als 40 Jahre später noch ein bisschen wie Zukunftsmusik, wenn man sich den Gamer mit Kopfhörer und VR-Brille in seiner messy Zockerhöhle im Keller vorstellt.
Was schon real ist
Wie sich die Streaming-Industrie und das Nutzerverhalten aktuell und in naher Zukunft entwickeln, hat Jannis Schakarian sehr lesenswert und ausführlich für die Bundeszentrale für Politische Bildung ausgeführt:
Die Entwicklung des Streaming-Marktes zeigt Ähnlichkeiten zur Entwicklungsgeschichte des Fernsehens. Auf das Goldene Zeitalter folgt eine Effizienzsteigerung in den Produktionen, es geht nun darum, die Verweildauer der Zuschauenden zu steigern, um höhere Werbeerlöse zu erzielen. Dadurch bleibt der Streaming-Markt in Bewegung: Neue Allianzen, Plattformmodelle und Nutzungsweisen entstehen.
Abseits von 8K-Auflösung, Glasfaser, AR- und VR-Brillen ist auch die Situation der Anbieter ein relevanter Faktor. Die große Management- und Strategieberatungsfirma Deloitte hat im Jahr 2023 hier verschiedene Zukunftsszenarien für die TV- und Videobranche analysiert. Über die Ablösung der nationalen Rundfunkanstalten durch „globale digitale Plattformunternehmen“ wird dabei genauso spekuliert wie über eine erfolgreiche „digitale Transformation“ der Rundfunkanstalten oder eine völlig Aufsplittung des TV- und Videomarkts „zu einem vielfältigen Ökosystem […], in dem es keine dominanten Akteure gibt und die Marktteilnehmer ständig wechseln“.
Solange bei mir in der Gegend aber noch die roten und magentafarbenen Kabelenden vor den Hauseingängen der Nachbarn herumbaumeln und keiner genau weiß, wann denn nun endlich der Glasfaseranschluss fertiggestellt und betriebsbereit ist, freue ich mich einfach auf die Neuauflage von William Gibsons „Neuromancer“-Trilogie, die mit Callum Turner, Mark Strong und Peter Sarsgaard als Serie ab 22. Januar 2027 bei Apple TV startet. Ganz entspannt in 4K-Auflösung über unseren Kabel-Internetanschluss, der nach wie vor mehr als genug Bandbreite bietet.
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Welcher Bildschirm ist bei euch für welche Art von Stream da – und warum?
Wir veröffentlichen eine kleine Auswahl eurer Stimmen in der nächsten Woche. Einfach auf diese E-Mail antworten.
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Happy Streaming
Klaas

Handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
André Pitz & Leya Lourenco
Wir haben diese Woche hunderte neue Filme, Serien und Dokus gesichtet. Hier sind die fünf Highlights, die wir euch ans Herz legen:
Ich verstehe ihren Unmut (2026)
Läuft bis 01.10.27 beim ZDF, FSK 12, Dauer: 89 Min., zum Trailer

➜ Sozialdrama mit quasi-dokumentarischem Ansatz in der Reinigungsbranche
➜ Beeindruckendes Spielfilmdebüt des bisherigen Dokumentarfilmers Kilian Armando Friedrich und seiner von Sabine Thalau gespielten Protagonistin, die tatsächliche Objektleiterin bei einem Reinigungsunternehmen ist
➜ Dem Film gelingt die Gratwanderung zwischen hartem Sozialrealismus und hoffnungsvollem Träumen
La La Land (2016)
Läuft bis 31.10.26 in der ARD-Mediathek, FSK 0, Dauer: 118 Min., zum Trailer

➽ Modernes Filmmusical trifft auf bittersüße Liebesgeschichte
➽ Damien Chazelles sechsfach oscarprämierter Welterfolg (u. a. Beste Regie und Beste Hauptdarstellerin) mit Emma Stone und Ryan Gosling
➽ Voller Farben, Musik und Choreo schafft Chazelle eine Liebeserklärung ans alte Hollywood und fragt nach dem Preis, seinen Träumen zu folgen
Nebraska (2013)
Läuft bis 05.11.26 bei Arte, FSK 6, Dauer: 108 Min., zum Trailer

➩ Tragikomisches Roadmovie vor der bröselnden Kulisse des American Dreams
➩ Sechs Oscarnminierungen für den Film von Alexander Payne und Auszeichnung für Bruce Dern als bester Darsteller in Cannes 2023
➩ Ein Film über das Alter, Verlust, Versöhnung und geplatzte sowie neue Träume
Absolute Giganten (1999)
Läuft bis 02.11.26 beim ZDF, FSK 12, Dauer: 76 Min., zum Trailer

➤ Coming-of-Age-Drama über drei beste Freunde und ihre letzte gemeinsame Nacht
➤ Sebastian Schippers gefeiertes Regiedebüt (Deutscher Filmpreis) mit Frank Giering, Florian Lukas und Antoine Monot Jr. – produziert von Tom Tykwer, mit Musik von The Notwist
➤ Eine melancholische Großstadtballade über Freundschaft und Erwachsenwerden
8 Mile (2002)
Läuft bis 03.11.26 bei 3sat, FSK 12, Dauer: 106 Min., zum Trailer

➺ Musikdrama trifft auf Aufsteigergeschichte
➺ Oscar für Eminems „Lose Yourself“
➺ Inspirierende Geschichte über Klasse, Kunst und Selbstermächtigung
💡 Nach diesen Kriterien wählen wir unsere Tipps aus.
Hat dir jemand diesen Text geschickt? Gute Leute hast du. Für die nächste Ausgabe kannst du selbst auf der Liste stehen. Jeden Freitag drei Beiträge übers Streaming, kostenlos und ausdrücklich zum Weiterschicken.
Letzte Chance für:
• Wilder Diamant (2024) bis 14.10.
• Under a Blue Sun (Doku, 2024) bis 16.10.
• Kneecap (2024) bis 17.10.
uvm.

Auf diese Neustarts freuen wir uns
Ilka Bröskamp
① Nobody Wants This (Staffel 3)
Kaum eine RomCom hat mich in den vergangenen Jahren so begeistert wie die sicher etwas kitschige, aber erfrischend modern erzählte Liebesgeschichte von Sexpodcasterin Joanne und Rabbi Noah mit Kristen Bell und Millenialschwarm Adam Brody in den Hauptrollen. Auch wenn die Kritiken der zweiten Staffel durchwachsen waren und der Hype um die Serie längst abgeebbt ist, freue ich mich sehr auf die Rückkehr von „Nobody Wants This“. Joanne und Noah navigieren inzwischen den Alltag in den gemeinsamen vier Wänden, während auch lieb gewonnene Nebenfiguren wie Morgan (Justine Lupe) und Sasha (Timothy Simons) mit eigenen Geschichten hoffentlich wieder für gute Unterhaltung sorgen.
Läuft ab 22.10. bei Netflix.
② Being Heumann
Nach dem oscarprämierten Drama „Coda“ (2021), in dem eine junge Frau als einzig hörendes Mitglied ihrer ansonsten gehörlosen Familie ihr Gesangstalent entfaltet, widmet sich Regisseurin und Drehbuchautorin Siân Heder mit „Being Heumann“ erneut den Themen Selbstbestimmung und Teilhabe. Beruhend auf wahren Begebenheiten erzählt das Drama von der US-amerikanischen Aktivistin Judy Heumann, die für die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderung kämpfte und 1977 mit mehr als 100 weiteren Aktivist*innen ein Bundesgebäude besetzte. Der bisher veröffentlichte Teaser gibt noch nicht allzu viel Einblick in den Film, lässt mich aber hoffen, dass er ähnlich bewegend wird wie „Coda“.
Startet am 13.11. bei Apple TV.
③ Tenzing
Eigentlich begeistere ich mich weniger für Extrembergsport oder biografische Abenteuerfilme. Dennoch hat der Trailer zu „Tenzing“ Vorfreude in mir geweckt. Die Dokumentarfilmerin Jennifer Peedom erzählt in ihrem Spielfilmdebüt die Geschichte von Tenzing Norgay (dargestellt von Genden Phuntsok), der 1953 gemeinsam mit Edmund Hillary (dargestellt von Tom Hiddleston) als einer der ersten Menschen den Mount Everest bezwang. Während Hillary jede Menge Ruhm erntete, blieb der himalayaerfahrene Sherpa Norgay eher im Hintergrund. Mit einem spannenden Perspektivwechsel will Peedom das nun also ändern und rückt damit auch Tenzings Herkunft und seine besondere Verbundenheit zum Berg ins Blickfeld.
Ab 16.10. bei Apple TV abrufbar.
Die neue Folge von „Die Zeitgenossen“ liefert wieder genau das, was Algorithmen nicht können:
Stefanie Palomino stellt Haruki Murakamis „Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt” vor, jenes Buch, mit dem der ehemalige Jazzbar-Betreiber in Japan seinen Durchbruch feierte. Sie erzählt von zwei Erzählsträngen, die sich erst spät verzahnen, von einer Welt, in der man am Eingang seinen Schatten abgibt und damit einen Teil seiner Gefühle, und davon, warum Murakami für sie lange Japan selbst war, bevor sie je dort gewesen ist. Christoph hält dagegen: Ihn hat damals gerade das Unjapanische fasziniert, die radikale Modernität, der Jazz, die Großstädte, das völlige Fehlen einer kulturellen Barriere.
Christoph Raethke bringt im Gegenzug eine Serie mit, die bei den meisten komplett durchgerutscht ist: „The Shield”, sieben Staffeln zwischen 2002 und 2009 über eine Spezialeinheit in Los Angeles, die so korrupt und gewalttätig ist wie die Verbrecher, die sie jagt. Er erzählt, warum er die Serie nur durch ein Weihnachtsgeschenk seines Bruders entdeckt hat, und warum ihm bei den Casting-Aufnahmen im Bonusmaterial klar wurde, worin das Geheimnis der großen amerikanischen Fernseherzählung liegt: Schauspieler, die in Straßenklamotten an einem Schreibtisch sitzen und ihre Zeilen mit einer Intensität vortragen, als wäre es echt.
Dazu Christophs Plädoyer für ein anderes Prag, zwei Blocks neben dem Touristenpfad, wo die Cafés leer sind und die Einheimischen im Hochsommer ohnehin am Meer. Stefanies Subscription-Optimierungsplan mit Jahreskalender, und das Geständnis, dass sie bei Serien oft erst das Ende schaut, weil sie Spannung im Leben schon genug hat.
Gerne empfehlen wir euch die neue Folge vom „Die Zeitgenossen“-Podcast, weil ihre Haltung zu unserer passt: Einordnung statt Aufzählung.
Bis nächste Woche Freitag!
Eure Shelfd Redaktion



