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Hej, folgende Beiträge haben wir für euren Streaming-Start ins Wochenende mitgebracht:
- Staffellauf-Kolumne über die True-Crime-Faszination
- Der Verdacht wohnt nebenan: drei Krimis aus 100 Jahren Kino (Anzeige)
- Fünf handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
Los geht's mit dem kompletten Magazin! (Schneidet dein E-Mail-Programm die Ausgabe mittendrin ab? Hier online lesen.)

Warum schauen wir – und vermeintlich vor allem Frauen – eigentlich so viel True Crime? Julia legt ihre Hand aufs Herz und geht auf Spurensuche.
Schuldig im Sinne der Anklage
Julia Mähl
„Glauben Sie, Thriller-Autor*innen sind verrückt?“, habe ich letztens die Schauspielerin Helen Mirren gefragt, als ich das Glück hatte, sie am Red Carpet des Hamburger Filmfests abzufangen. Sie – in all ihrer Perfektion, anders kann ich es nicht nennen – stand da, hat überlegt und dann geantwortet, das glaube sie nicht. Sie könne sich nicht vorstellen, dass Menschen wie Agatha Christie beispielsweise verrückt seien. „Aber“, sagte sie dann „was ich faszinierend finde, ist die Tatsache, dass Frauen komplett besessen von Kriminalität sind. Es sind Frauen, die Krimis lesen, Frauen, die True Crime schauen. […] Das Publikum ist weiblich.“
Diese Aussage ist mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Nicht auf dem Nachhauseweg, als ich mir meinen Lieblingspodcast „Mord auf Ex“ angemacht habe. Nicht zu Hause auf dem Sofa, als die neue Staffel „Monsters“ zum Fall von Lizzie Borden auf Netflix lief. Und nicht am nächsten Tag, als ich mir die aktuelle Ausgabe von „Stern Crime“ am Kiosk gekauft habe. Denn ja, ich bin auch eine dieser Frauen, die komplett besessen davon ist – in a good way, hoffe ich. Ich konsumiere seit Jahren nahezu täglich True Crime, habe früher jeden Sonntag mit meiner Mama oder später auch in meiner WG „Tatort“ geschaut, und das Buch, das gerade auf meinem Nachttisch liegt, zeigt einen blutverschmierten Rührbesen und trägt die Überschrift „Tradwife – Sie hat nur auf dich gewartet“. Ihr könnt euch denken, dass das kein Kochbuch ist.
Der Stand der Forschung
Doch Helen Mirren hat mich mit ihrer Aussage ins Stocken gebracht. Ich habe mich gefragt: Konsumieren wir als Frauen wirklich so viel häufiger True Crime – und wenn ja, wieso?
Tatsächlich heißt es in Forschungsergebnissen der Uni Graz aus dem Jahr 2025: Während Männer in der Woche im Schnitt etwa vier Stunden mit True-Crime-Formaten jeglicher Art verbringen, sind es bei Frauen schon sieben Stunden. Auch 81 Prozent der Stern-Crime-Abonnent*innen sind weiblich. Und eine Studie aus dem Jahr 2022 von Seven.One Audio zeigt sogar auf, dass 93 Prozent aller True-Crime-Hörer*innen weiblich sind. „True Crime ist ein weibliches Phänomen“ schließen sie daraus.
Aber warum?
Da gehen die Meinungen auseinander. Manche sprechen davon, dass Frauen sich stärker auf die Gefahren im echten Leben vorbereiten wollen. Woanders heißt es, man könne sich dadurch besser mit den eigenen Ängsten auseinandersetzen. Außerdem seien Frauen generell empathischer als Männer, könnten sich besser in fremde Lebenswelten hineinversetzen und seien deshalb deutlich interessierter an den Geschichten.
Klingt für mich alles in allem recht plausibel. Denn auch wenn ich seit Jahren begeistert von dem Thema bin, muss ich zu meiner Schande zugeben, dass ich mich selten gefragt habe, wieso. Dabei ist das doch eigentlich das, was wir als Autor*innen bei Shelfd die ganze Zeit machen. Wir konsumieren, streamen, inhalieren Inhalte und machen uns dann dazu Gedanken. Interessant also, dass ich das an dieser Stelle bisher immer versäumt habe.
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💬 Teilt eure Perspektive:
Was ist es, das euch bei True Crime dranbleiben lässt – oder warum lässt euch das Genre kalt?
Wir veröffentlichen eine kleine Auswahl eurer Stimmen in der nächsten Woche. Einfach auf diese E-Mail antworten.
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Im Bann der Plattformen
Wenn ich zurückdenke an die True-Crime-Formate, die mich nachhaltig beeindruckt haben, dann ist da ganz sicher „Making a Murderer“ auf Netflix dabei. Die Serie erzählt über zwei Staffeln vom Fall des Verurteilten Amerikaners Steven Avery. Über 13 Jahre wurde das Ganze von einem Filmteam begleitet, und die ganze Zeit steht die Frage im Raum: Hat er den Mord, für den er verurteilt wurde, begangen oder nicht?
Auch die Netflix-Doku und Miniserie „The Staircase“ über das Ehepaar Michael und Kathleen mich komplett eingenommen. Dabei ließ sich Michael von einem Filmteam beim Prozess begleiten, nachdem der Verdacht des Mordes an Kathleen auf ihn fällt.
Eingenommen ist hierbei auch das richtige Wort: Denn egal, ob nun auf Netflix, in der ARD- oder ZDF-Mediathek, bei Prime Video oder Disney+ – True Crime ist ein wahnsinnig einnehmendes Genre. Die Fälle, die Figuren, die Taten ziehen in einen extremen Bann, dem ich mich nur schwer entziehen kann. Ich bin wirklich niemand, der zu regelmäßigem Bingewatching neigt. Sprechen wir aber über True-Crime-Dokus, steigt mein Suchtfaktor ins Unermessliche. Eventuell hat das tatsächlich mit Empathie zu tun. Denn ja, ich liebe es, mich in fremde Lebenswelten hineinzuversetzen.
Mit Rüstzeug in den Stream
Übrigens: Ganz vorne auf meiner Watchlist ist aktuell noch die vom Fall selbst inspirierte Dramaserie „The Twisted Tale of Amanda Knox“ auf Disney+. Ich weiß, dass es daran einiges an Kritik gab, weil die Serie eindeutig aus der Sicht und auf der Seite von Amanda Knox steht. Die wurde, wer es nicht weiß, beschuldigt, im Auslandssemester in Italien ihre Mitbewohnerin Meredith Kercher getötet zu haben.
Meiner Meinung nach bin ich dafür aber gut gerüstet – denn kann man mich wirklich noch so leicht um den Finger wickeln, nachdem ich bereits fünfzehn Artikel gelesen und drei Podcasts zu dem Fall gehört habe? Ich glaube nicht.
Happy Streaming
Julia

Drei Krimi-Fundstücke aus 100 Jahren europäischem Kino, zum Streamen mit dem Bibliotheksausweis.
Der Verdacht wohnt nebenan
David Reiter
Wenn Julia recht hat und True Crime uns packt, weil wir uns so gern in fremde Leben hineinversetzen, dann beherrscht das Kino diesen Trick seit einem Jahrhundert. Nachschauen lässt sich das gerade bei filmfriend, dem Streamingdienst der Bibliotheken.
Zum UNESCO-Welttag des audiovisuellen Erbes am 27. Oktober haben sie die Reihe „Ein Jahrhundert in 100 Filmen“ zusammengestellt: 100 europäische Filme vom frühen Stummfilm bis zur Jahrtausendwende. Das Beste: Mit eurem Bibliotheksausweis laufen sie ohne weitere Kosten und ohne Werbung. Ob eure Bibliothek dabei ist, seht ihr unter weristdabei.filmfriend.de.
Wir haben uns durch die Kollektion gestöbert und elf Highlights herausgezogen, bei denen spürbar ist, dass sie jemand mit Liebe gemacht hat. Drei davon holen wir für diese Ausgabe nach vorn, weil es in allen dreien um ein Verbrechen geht. Im Mittelpunkt steht jeweils der Mensch, der dem Verdächtigen am nächsten ist: ein Maler, der sich in seinen Einbrecher verliebt, eine Schulleiterin, die sich mit dem Dorfmetzger anfreundet, und eine Wirtin, die ihrem neuen Untermieter nicht über den Weg traut. Hinter Hitchcock's „Der Mieter“ steckt sogar ein echter Fall, denn die Romanvorlage geht auf die Morde von Jack the Ripper zurück.
Love Is the Devil (1998)
Läuft bei filmfriend, englisches Original mit deutschen Untertiteln, FSK 16, Dauer: 91 Min.

➜ Ein Künstlerdrama aus dem London der Sechziger: Ein kleiner Ganove steigt nachts bei Francis Bacon ein, um zu klauen, und landet im Bett des Malers. Daraus wird eine Beziehung, die ihn langsam zerreibt.
➜ John Maybury durfte kein einziges Bacon-Gemälde zeigen, also bauen er und sein Kameramann die Bilder nach, indem sie Gesichter durch Linsen, Biergläser und Spiegel verzerren. Derek Jacobi spielt Bacon, Daniel Craig seinen Geliebten, acht Jahre vor Bond.
➜ So betörend wie abstoßend: Seine verzerrten Gesichter brennen sich so ein, dass jeder echte Bacon im Museum danach vertraut wirkt.
Der Schlachter (1970)
Läuft bei filmfriend, deutsche Synchronfassung, FSK 12, Dauer: 89 Min.

➤ Ein Dorfthriller im Périgord über die kühle Schulleiterin Hélène und den schüchternen Metzger Popaul, die sich auf einer Hochzeit anfreunden, während in der Gegend junge Frauen ermordet werden.
➤ Claude Chabrol drehte im echten Dorf, Popauls Laden ist die echte Metzgerei. Und er findet Bilder, die sich einbrennen: Jean Yanne überreicht Stéphane Audran eine Lammkeule, eingewickelt wie einen Blumenstrauß.
➤ Kein einziger Mord ist im Bild, die Spannung steckt ganz in Blicken und Pausen. Und Jean Yanne spielt den Metzger so zärtlich, dass er die liebenswerteste Figur im ganzen Dorf ist.
Der Mieter (1927)
Läuft bei filmfriend, Stummfilm mit englischen Zwischentiteln und deutschen Untertiteln, FSK 12, Dauer: 86 Min., zum Trailer

➜ Ein Stummfilm-Thriller im Londoner Nebel: Ein Mörder hat es auf blonde Frauen abgesehen, und ausgerechnet jetzt zieht bei Familie Bunting, deren Tochter blond ist, ein schweigsamer Untermieter ein.
➜ Alfred Hitchcock nannte ihn seinen ersten echten „Hitchcock“. Damit die Schritte des Mieters durch die Zimmerdecke sichtbar werden, ließ er eine Decke aus dickem Glas einbauen und filmte von unten.
➜ Man horcht mit der Wirtin nach oben, zählt die Schritte und traut dem Mann über einem sofort alles zu. Wer noch nie einen Stummfilm geschaut hat, ist hier bestens aufgehoben.
Die übrigen acht Fundstücke, von der jiddischen Doku bis zur spanischen Oscar-Komödie, findet ihr in unserer ganzen Strecke:

Dieser Beitrag entstand in bezahlter Partnerschaft mit filmfriend. Ausgewählt und geschrieben haben wir.

Handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
André Pitz & Leya Lourenco
Wir haben diese Woche hunderte neue Filme, Serien und Dokus gesichtet. Hier sind die fünf Highlights, die wir euch ans Herz legen:
Sonne und Beton (2023)
Läuft bis 30.10.26 in der ARD-Mediathek, FSK 12, Dauer: 109 Min., zum Trailer

➜ Coming-of-Age-Drama über vier Jungs und ihren Sommer in der Berliner Gropiusstadt
➜ David Wnendts Verfilmung von Felix Lobrechts Bestseller, teilweise mit Laiendarstellern aus dem Kiez und voller Nullerjahre-Deutschrap
➜ Ein Film, der seine Zeit und seine Figuren mit viel Gespür einfängt
Misericordia (2024)
Läuft bis 12.11.26 bei Arte, FSK 16, Dauer: 98 Min., zum Trailer

➽ Provinzposse wächst sich zu tödlichem Machtspiel aus
➽ Bester Film des Jahres 2024, gekührt vom legendären wie renommierten französischen Filmmagazin Cahiers du Cinéma
➽ Immer enger werdende Welt, die im Spiegel der Gesellschaft schließlich zu Gefängnis wird
Cold War (2018)
Läuft bis 15.11.26 in der ARD-Mediathek, FSK 12, Dauer: 81 Min., zum Trailer

➩ Musikalische Romanze vor und hinter dem Eisernen Vorhang
➩ In Cannes ausgezeichnet für die beste Regie von Paweł Pawlikowski; dreifach oscarnominiert
➩ Musik als Faden der Erinnerung und Destillat der Liebe
Eismayer (2022)
Läuft bis 08.11.26 beim ZDF, FSK 12, Dauer: 80 Min., zum Trailer

➤ Queeres Soldatendrama
➤ Publikumspreis beim Filmfestival Max Ophüls Preis 2023
➤ Hinterfragt jenseits des Coming-outs militärische Machtstrukturen und die Entwertung des Individuums
Silver Linings (2012)
Läuft bis 14.11.26 in der ARD-Mediathek, FSK 12, Dauer: 114 Min., zum Trailer

➺ Romantische Dramödie über zwei Menschen, die bei einem gemeinsamen Tanzwettbewerb zueinanderfinden
➺ David O. Russells achtfach oscarnominierter Film mit Bradley Cooper, Robert De Niro und einer Oscar-prämierten Jennifer Lawrence
➺ Ein warmherziger Film, der zeigt, dass die größten Macken manchmal genau die richtige Person anziehen
💡 Nach diesen Kriterien wählen wir unsere Tipps aus.
Hat dir jemand diesen Text geschickt? Gute Leute hast du. Für die nächste Ausgabe kannst du selbst auf der Liste stehen. Jeden Freitag drei Beiträge übers Streaming, kostenlos und ausdrücklich zum Weiterschicken.
Letzte Chance für:
• Die Magnetischen (2021) bis 19.10.
• Im Prinzip Familie (2024) bis 22.10.
• Der Ghostwriter (2010) bis 24.10.
uvm.
Bis nächste Woche Freitag!
Eure Shelfd Redaktion





