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Hej, folgende Beiträge haben wir für euren Streaming-Start ins Wochenende mitgebracht:
- Staffellauf-Kolumne über den Wert, sich für das „Schlechte“ zu entscheiden
- Eine Antwort aus der Community zum letzten Staffellauf
- Fünf handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
- Unser stacheliger Lieblingsstream: „Billy Joel: And So It Goes“ (Doku-Zweiteiler, 2025)
Los geht's mit dem kompletten Magazin!

Warum behandeln wir unseren Filmabend wie eine Investition, die sich lohnen muss? Althea sehnt sich nach vorhersehbaren Romcoms und quatschigen Dialogen.
Ich möchte wieder schlechte Filme schauen
Althea Pappas
Das hört sich vielleicht absurd an. Ich merke aber, dass inzwischen erstaunlich viel in meinem Kopf passiert, bis ich mich für einen Film entschieden habe...
„So, Althea, lange keine Doku mehr geguckt, vielleicht sollte ich das heute machen. Oder vielleicht doch diese Romcom, die mir auf Instagram vorgeschlagen wurde? Der 30-Sekunden-Clip sah zwar schon ziemlich furchtbar aus, aber irgendwie auch lustig. Andererseits habe ich nur zwei Stunden und könnte die auch für einen Film nutzen, der mich intellektuell herausfordert. Wann habe ich eigentlich zuletzt etwas wirklich Gutes geschaut, einen Oscargewinner oder einen Klassiker, den man unbedingt gesehen haben muss?“
Bevor ich mich für irgendeinen Film entschieden habe, habe ich schon das Gefühl, meine Freizeit möglichst sinnvoll nutzen zu müssen.
Dabei hatte ich zuletzt erstaunlich viel Spaß mit Filmen, bei denen ich vorher schon wusste: Das ist wahrscheinlich nicht besonders gut. Einer davon war „The Love Hypothesis“ (2026). Eine ziemlich vorhersehbare Romcom, bei der ich ungefähr von Anfang an wusste, wie sie ausgehen wird. Und trotzdem hatte ich einen unterhaltsamen Abend damit.
Freizeit als Qualitätsmanagement
Wir haben heute unzählige Möglichkeiten herauszufinden, ob ein Film unsere Zeit wert ist. Letterboxd, Rotten Tomatoes, Tiktok, Podcasts, Empfehlungen von Freund*innen, und natürlich bei Shelfd – bevor wir überhaupt auf Play drücken, wissen wir meistens schon ziemlich genau, was andere von einem Film halten. Was natürlich sehr praktisch ist – niemand möchte zwei Stunden mit einem Film verbringen, den man danach bereut. Gleichzeitig habe ich manchmal das Gefühl, dass wir Unterhaltung wie eine Investition behandeln. Wenn ich nur einen freien Abend habe, sollte sich dieser Abend auch lohnen. Warum einen Film mit drei Sternen schauen, wenn ich auch einen mit viereinhalb schauen könnte? Das ist doch eigentlich ein ziemlich seltsamer Anspruch an Freizeit…
Manchmal möchte ich nämlich gar keinen besonders guten Film sehen. Ich möchte eine vorhersehbare Liebesgeschichte, dumme Dialoge und eine Handlung, bei der ich mich frage, wie das jemals den Writer’s Room verlassen konnte. Ich möchte zwei Stunden lang unterhalten werden und danach keinen Gedanken daran verschwenden, ob der Film etwas über unsere Gesellschaft, den Kapitalismus oder die menschliche Existenz zu sagen hat.
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💬 Teilt eure Perspektive:
Was heißt „gut“ für euch an einem ganz normalen Abend: handwerklich gut oder gut für eure Stimmung?
Wir veröffentlichen eine kleine Auswahl eurer Stimmen in der nächsten Woche. Einfach auf diese E-Mail antworten.
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Nicht alles muss sich lohnen
Schlechte Filme machen nämlich nicht automatisch schlechte Filmabende. Im Gegenteil: Manchmal sind sie sogar viel lustiger als die Filme, von denen man sich vorher eingeredet hat, dass man sie unbedingt gesehen haben muss. Das heißt natürlich nicht, dass ich jetzt nur noch schlechte Filme schauen möchte. Ich werde weiterhin Filme auf meine Watchlist setzen, die mich interessieren, die gut bewertet sind oder über die ich danach unbedingt mit jemandem reden möchte. Aber zwischen all diesen wichtigen, klugen und sehenswerten Filmen darf auch mal einer dabei sein, der einfach nur Spaß macht.
Denn wir versuchen inzwischen wirklich alles zu optimieren: unsere Arbeit, unseren Schlaf, unsere Ernährung, unsere Zeit. Da muss ausgerechnet unser Filmabend nicht auch noch produktiv sein.
Happy Streaming
Althea

Letzte Woche haben wir euch gefragt, welcher Bildschirm bei euch für welche Art von Stream da ist – und warum. Ausschlaggebend war Klaas' Recherche im Staffellauf „Eine Couch im Cyberspace“. Geantwortet hat uns Raimund mit seiner TV-Nutzung:
Interessant sind die Daten zur Nutzung der verschiedenen Quellen zur Berieselung schon. Um euch ein ausgeglichenes Bild der Medienwelt zu vermitteln hier unsre Daten: wir schauen zu ca. 40% über DVBT nicht nur aus Energie und Nachhaltigkeitsgründen, sondern weil die öffentlich-rechtlichen einfach reichen. Außerdem gibt es da nicht diesen Kreisel: „Lade noch. Bitte warten.“ Daher freuen wir uns über eure Recherchen in Arte etc. Weiter so!
Passend dazu gibt's hier gleich die nächsten Mediathekentipps (inklusive Arte).
Die Community-Post in der nächsten Woche kann von einem von euch kommen. Antwortet zum Beispiel auf die neueste Frage oben in Althea's Staffellauf. Hervorgehoben mit dem 💬-Symbol. Wir freuen uns von euch zu lesen.

Handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
André Pitz & Leya Lourenco
Wir haben diese Woche hunderte neue Filme, Serien und Dokus gesichtet. Hier sind die fünf Highlights, die wir euch ans Herz legen:
Amerikanische Fiktion (2023)
Läuft bis 09.11.26 in der ARD-Mediathek, FSK 16, Dauer: 112 Min., zum Trailer

➜ Satire über einen Schwarzen Schriftsteller, der aus Frust einen Roman voller Klischees schreibt
➜ Cord Jeffersons Regiedebüt, ausgezeichnet mit dem Oscar fürs beste adaptierte Drehbuch, mit einem herausragenden Jeffrey Wright
➜ Verhandelt Rollenbilder, deren gesellschaftliche Konstruktion und an sie geknüpfte Erwartungen
Undine (2020)
Läuft bis 07.11.26 bei Arte, FSK 12, Dauer: 86 Min., zum Trailer

➽ Zarte Romanze trifft auf Wassergeistergeschichte
➽ Preisgekröntes Drama von Christian Petzold mit Franz Rogowski und Paula Beer, die auf der Berlinale den Silbernen Bären für die beste Darstellerin gewann
➽ Über die ambivalente Form der Liebe zwischen Zerbrechlichkeit und gnadenloser Härte
Arthur & Diana (2023)
Läuft bis 28.10.26 in der ARD-Mediathek, FSK 6, Dauer: 105 Min., zum Trailer

➩ Familiendrama als autofiktionales Roadmovie
➩ Festivalliebling von Sara Summa
➩ Intensives Drama über die Haut, aus der diese Figuren und auch wir einfach nicht herauskönnen
Anatomie eines Falls (2023)
Läuft bis 09.11.26 in der ARD-Mediathek, Dauer: 142 Min., FSK 12, zum Trailer

➤ Gerichtsdrama trifft auf Ehe-Seziertisch
➤ Justine Triets Cannes-Siegerin (Goldene Palme) mit einer überragenden Sandra Hüller, später auch mit dem Oscar fürs beste Originaldrehbuch ausgezeichnet
➤ Stellt (auch mal unbequeme) Fragen nach Recht, Gerechtigkeit, Schuld und Vergebung
All eure Gesichter (2023)
Läuft bis 21.10.26 in der ARD-Mediathek, FSK 12, Dauer: 113 Min., zum Trailer

➺ Kammerspiel über die Macht der Aussprache
➺ Starker Cast mit vier für den französischen Filmpreis César nominierten Darstellerinnen: Adèle Exarchopoulos, Élodie Bouchez, Leïla Bekhti und Miou-Miou
➺ Ein filmisches Kleinod inmitten des immer rauer werndende gesellschaftlichen Meeres
💡 Nach diesen Kriterien wählen wir unsere Tipps aus.
Hat dir jemand diesen Text geschickt? Gute Leute hast du. Für die nächste Ausgabe kannst du selbst auf der Liste stehen. Jeden Freitag drei Beiträge übers Streaming, kostenlos und ausdrücklich zum Weiterschicken.
Letzte Chance für:
• Die Magnetischen (2021) bis 19.10.
• Im Prinzip Familie (2024) bis 22.10.
• Der Ghostwriter (2010) bis 24.10.
uvm.

Lieblingsstream: Billy Joel: And So It Goes (Doku-Zweiteiler, 2025)
Althea Pappas
Billy Joel begleitet mich eigentlich schon, seit ich denken kann. Seine Musik lief in meiner Kindheit und ist für mich deshalb weniger mit einem bestimmten Lebensabschnitt als mit ganz vielen kleinen Erinnerungen verbunden. Umso gespannter war ich auf „Billy Joel: And So It Goes“ – eine knapp fünfstündige, zweiteilige Dokumentation von Susan Lacy und Jessica Levin, die sich nicht nur durch seine größten Hits arbeitet, sondern durch sein ganzes Leben: seine Kindheit auf Long Island, die ersten Jahre als Musiker, seine komplizierten Familienverhältnisse, Beziehungen, Alkoholprobleme und die Höhen und Tiefen seiner Karriere.
Besonders schön fand ich, dass die Doku immer wieder bei den Geschichten hinter den Songs landet. „Vienna“ zum Beispiel bekommt plötzlich eine viel tiefere Bedeutung, als Billy Joel von seinem Vater erzählt: Ein klassisch ausgebildeter Pianist, der seine Familie verließ, nach Wien zog und erst Jahre später, in den frühen 1970er-Jahren, wieder Kontakt zu seinem Sohn fand. Jahrzehnte später spielten sie sogar gemeinsam auf der Bühne Klavier. Dass ausgerechnet dieser Besuch in Wien später zu einem seiner bekanntesten Songs führte, hat mich wirklich berührt. Überhaupt sind es diese Verbindungen zwischen Biografie und Musik, die den Film für mich so interessant machen: Hinter Liedern, die man seit Jahren kennt, tauchen plötzlich Menschen und Situationen auf, die ihnen eine neue Farbe geben.
Dabei versucht „And So It Goes“ gar nicht, Billy Joel zum makellosen Genie zu verklären. Seine Suizidversuche, seine Alkoholabhängigkeit, gescheiterte Beziehungen und die schwierigen Phasen seiner Karriere werden durchaus angesprochen. Gleichzeitig bleibt Joel selbst erstaunlich zurückhaltend – gerade deshalb wirken manche seiner persönlichen Geschichten umso stärker. Dazu kommen jede Menge Archivmaterial, alte Familienaufnahmen und Interviews mit Menschen, die ihn über Jahrzehnte begleitet haben. Am Ende hatte ich wirklich das Gefühl, den Menschen hinter der Ikone zu kennen, was bei Star-Dokus inzwischen selten ist.
Fast fünf Stunden sind natürlich eine Ansage. Aber für jemanden wie mich, dessen Zugang zu Billy Joel nicht erst mit dieser Doku entstanden ist, sondern über Jahre und Generationen gewachsen ist, hat sich die lange Reise gelohnt. Und auch wer mit Billy Joel nicht ganz so viel anfangen kann, wird daran erinnert, dass seine Lieder, die wir mittlerweile wie selbstverständlich mit uns rumtragen, oft eine viel kompliziertere Geschichte haben, als man ihnen anhört.
Ihr könnt „Billy Joel: And So It Goes“ aktuell bei Wow & Sky streamen. Überprüft die dauerhafte Verfügbarkeit auf werstreamt.es.
Links zum Weiterbeschäftigen
🔍 Wollt ihr tiefer eintauchen? Wir haben euch die spannendsten Analysen, Interviews und Hintergründe zusammengestellt. Das ist der Unterschied zwischen Wissen, dass sich die Doku lohnt und verstehen, warum sie zählt:
Deep Dive: Links zur weiteren Auseinandersetzung
- 💬 Billy Joels deutsch-jüdische Familiengeschichte und seine Beziehung zu Deutschland (Bayerischer Rundfunk)
- 🎙️ Joels erste Ehefrau und frühe Managerin Elizabeth Weber über ihre Beziehung und Rolle in seiner Karriere (Awards Radar | 19 Min.)
- 🎦 Billy Joel im Interview mit Rick Beato über sein Songwriting, klassische Musik und seine Karriere (Rick Beato | 61 Min.)
- 💬 Ranking der besten 50 Billy-Joel-Songs mit Hintergrundinfos (Rolling Stone)
Interviews und Einblicke von Cast und Crew
- 🎦 Filmemacherinnen Jessica Levin und Susan Lacy über die Entstehung des Films und den Rechercheprozess (Glass Houses: A Billy Joel Podcast | 38 Min.)
- 🎦 Billy Joels Creative Director und Produzent Steve Cohen über ihre langjährige Zusammenarbeit (Documentary First | 44 Min.)
Bis nächste Woche Freitag!
Eure Shelfd Redaktion





