Das hört sich vielleicht absurd an. Ich merke aber, dass inzwischen erstaunlich viel in meinem Kopf passiert, bis ich mich für einen Film entschieden habe...
„So, Althea, lange keine Doku mehr geguckt, vielleicht sollte ich das heute machen. Oder vielleicht doch diese Romcom, die mir auf Instagram vorgeschlagen wurde? Der 30-Sekunden-Clip sah zwar schon ziemlich furchtbar aus, aber irgendwie auch lustig. Andererseits habe ich nur zwei Stunden und könnte die auch für einen Film nutzen, der mich intellektuell herausfordert. Wann habe ich eigentlich zuletzt etwas wirklich Gutes geschaut, einen Oscargewinner oder einen Klassiker, den man unbedingt gesehen haben muss?“
Bevor ich mich für irgendeinen Film entschieden habe, habe ich schon das Gefühl, meine Freizeit möglichst sinnvoll nutzen zu müssen.
Dabei hatte ich zuletzt erstaunlich viel Spaß mit Filmen, bei denen ich vorher schon wusste: Das ist wahrscheinlich nicht besonders gut. Einer davon war „The Love Hypothesis“ (2026). Eine ziemlich vorhersehbare Romcom, bei der ich ungefähr von Anfang an wusste, wie sie ausgehen wird. Und trotzdem hatte ich einen unterhaltsamen Abend damit.
Freizeit als Qualitätsmanagement
Wir haben heute unzählige Möglichkeiten herauszufinden, ob ein Film unsere Zeit wert ist. Letterboxd, Rotten Tomatoes, Tiktok, Podcasts, Empfehlungen von Freund*innen, und natürlich bei Shelfd – bevor wir überhaupt auf Play drücken, wissen wir meistens schon ziemlich genau, was andere von einem Film halten. Was natürlich sehr praktisch ist – niemand möchte zwei Stunden mit einem Film verbringen, den man danach bereut. Gleichzeitig habe ich manchmal das Gefühl, dass wir Unterhaltung wie eine Investition behandeln. Wenn ich nur einen freien Abend habe, sollte sich dieser Abend auch lohnen. Warum einen Film mit drei Sternen schauen, wenn ich auch einen mit viereinhalb schauen könnte? Das ist doch eigentlich ein ziemlich seltsamer Anspruch an Freizeit…
Manchmal möchte ich nämlich gar keinen besonders guten Film sehen. Ich möchte eine vorhersehbare Liebesgeschichte, dumme Dialoge und eine Handlung, bei der ich mich frage, wie das jemals den Writer’s Room verlassen konnte. Ich möchte zwei Stunden lang unterhalten werden und danach keinen Gedanken daran verschwenden, ob der Film etwas über unsere Gesellschaft, den Kapitalismus oder die menschliche Existenz zu sagen hat.
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Was heißt „gut“ für euch an einem ganz normalen Abend: handwerklich gut oder gut für eure Stimmung?
Wir veröffentlichen eine kleine Auswahl eurer Stimmen im nächsten Magazin. Schreibt uns einfach eine E-Mail mit euren Gedanken dazu an redaktion@shelfd.com.
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Nicht alles muss sich lohnen
Schlechte Filme machen nämlich nicht automatisch schlechte Filmabende. Im Gegenteil: Manchmal sind sie sogar viel lustiger als die Filme, von denen man sich vorher eingeredet hat, dass man sie unbedingt gesehen haben muss. Das heißt natürlich nicht, dass ich jetzt nur noch schlechte Filme schauen möchte. Ich werde weiterhin Filme auf meine Watchlist setzen, die mich interessieren, die gut bewertet sind oder über die ich danach unbedingt mit jemandem reden möchte. Aber zwischen all diesen wichtigen, klugen und sehenswerten Filmen darf auch mal einer dabei sein, der einfach nur Spaß macht.
Denn wir versuchen inzwischen wirklich alles zu optimieren: unsere Arbeit, unseren Schlaf, unsere Ernährung, unsere Zeit. Da muss ausgerechnet unser Filmabend nicht auch noch produktiv sein.
Happy Streaming
Althea
