🎁 Meldet euch kostenlos für unseren Newsletter an, um mit der nächsten Ausgabe vom Shelfd Streaming-Magazin ins Wochenende zu starten. Klickt auf den Button oben rechts oder auf den Schwebebutton unten rechts.

Hej, folgende vier Beiträge haben wir für euren Streaming-Start ins Wochenende mitgebracht:
- Staffellauf-Kolumne über den Wert von gemeinsamem Streaming
- Unser stacheliger Lieblingsstream: „Once“ (2007)
- Fünf handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
- Mehr als Streaming im Zeitgenossen-Podcast
Los geht's mit dem kompletten Magazin!

Bring back the Watchparty!
Althea Pappas
Der Umzug in eine neue Stadt bringt die Herausforderung – und das Vergnügen – mit sich, neue Routinen zu kuratieren. Eine dieser Routinen ergab sich, als ich mich im Frühling mit zwei Freundinnen über die bevorstehende dritte Staffel von „Euphoria“ (2019-2026) unterhalten habe. Keine von uns hat sich so richtig darauf gefreut. Der Hype um die zweite Staffel lag immerhin schon vier Jahre zurück. Ich hatte aber gerade meine neue Wohnung fertig eingerichtet und schlug vor, am Tag der Premiere einfach einen Abend draus zu machen: zusammen kochen, essen und danach die erste Folge schauen.
Und so wurde daraus unser wöchentliches Ritual. Aber nicht unbedingt, weil wir „Euphoria“ so gut fanden. Eher im Gegenteil. Von Woche zu Woche regten wir uns mehr über die Staffel auf, sträubten uns nach dem gemeinsamen Dinner schon fast davor, den Fernseher anzumachen. Trotzdem konnte ich diesen einen Abend in der Woche kaum erwarten. Es ging nämlich inzwischen längst nicht mehr nur darum, was auf dem Bildschirm passierte.
🎁 Jetzt den kompletten Staffellauf von Althea lesen. Frei für alle.
Entdeckt das Staffellauf-Archiv mit +50 reflektierenden Streaming-Kolumnen.

Lieblingsstream: Once (2007)
Althea Pappas
Es gibt Filme, die mich mein Leben lang begleiten, über die ich mal mehrere Jahre nicht nachdenke, die aber trotzdem nie ganz mein Herz verlassen. Als vor einigen Wochen der irische Musiker Glen Hansard unerwartet und plötzlich verstorben ist, ist einer dieser besonderen Filme in mein Leben zurückgekehrt. Die Rede ist von „Once“ (2007).
Wenn Künstler*innen sterben, habe ich die Angewohnheit, ihre Filme zu sehen, ihre Musik zu hören, um ihnen noch einmal in Ruhe zu begegnen. In Gedanken an Glen Hansard habe ich deshalb „Once“ wieder hervorgeholt. Hansard spielt darin einen namenlosen Straßenmusiker, der tagsüber im Geschäft seines Vaters Staubsauger repariert und nachts auf den Straßen Dublins seine eigenen Lieder spielt. Eines Tages lernt er eine junge tschechische Frau kennen – auch namenlos, auch Musikerin, gespielt von Markéta Irglová. Zwischen den beiden entsteht eine Freundschaft, aus der langsam etwas Größeres wird. Doch was die beiden vor allem verbindet, ist die Musik. Sie wissen wenig voneinander, erzählen sich nicht viel. Aber wenn sie zusammen musizieren, scheint plötzlich alles gesagt. Sie schreiben Songs, spielen füreinander und miteinander. Mehr müssen sie nicht tun, um sich zu verstehen und sich näherzukommen.
Dass „Once“ so unmittelbar und echt wirkt, liegt auch an seiner Entstehung. Regisseur John Carney, selbst ehemaliger Bassist von Hansards Band „The Frames“, drehte den Film mit einem winzigen Budget in gerade mal 17 Tagen in Dublin. Gedreht wurde an Originalschauplätzen, teilweise ohne Drehgenehmigungen, mit natürlichem Licht und Handkamera. Dadurch fühlt sich der Film weniger wie ein Spielfilm an als wie ein zufällig eingefangener Ausschnitt aus dem Leben zweier Menschen. Der Film ist nicht groß. Er braucht keine spektakulären Kulissen, komplizierte Plot Twists, nicht mal Namen für seine Hauptfiguren.
Und dann ist da natürlich der Soundtrack, allen voran „Falling Slowly“, komponiert von Hansard und Irglová. Eines der schönsten Lieder, die ich kenne – und eines der ersten Lieder, das mich mit ungefähr acht oder neun Jahren zum Weinen gebracht hat. Ich glaube, ich habe damals noch gar nicht verstanden, warum mich dieses Lied so berührt. Das Gefühl, das dieses Lied in mir auslöst, ist heute nach wie vor dasselbe. Als ich vor ungefähr zehn Jahren „Once“ als Musical in Toronto gesehen habe, saß ich in einem Theater voller Menschen, die ihre eigenen Gitarren mitgebracht hatten, um gemeinsam mit dem gesamten Saal „Falling Slowly“ zu singen. Es war gleichzeitig komplett kitschig und wunderschön – eine ganz besondere Erinnerung an ein Lied und einen Film, der mich schon so lange begleitet hat.
Ein kleiner Teil von mir schaut „Once“ also heute noch immer durch die Augen meines achtjährigen Ichs. Er ist für mich längst mehr als ein Film über zwei Straßenmusiker*innen in Dublin. Er ist ein Stück Erinnerung geworden. Und jetzt, nach Glen Hansards Tod, fühlt es sich besonders schön an, ihn wieder hervorzuholen: als Erinnerung daran, dass Kunst einen Menschen ein Leben lang begleiten kann.
Ihr könnt „Once“ aktuell bei Lionsgate+ streamen. Überprüft die dauerhafte Verfügbarkeit auf werstreamt.es.
Links zum Weiterbeschäftigen
🔍 Wollt ihr tiefer eintauchen? Wir haben euch die spannendsten Analysen, Interviews und Hintergründe zusammengestellt:
🔒 Alle Links & Analysen in der Mitgliedschaft. Das ist der Unterschied zwischen wissen, dass sich der Film lohnt und verstehen, warum er zählt. Jetzt alle Auseinandersetzungen freischalten.
Hier geht's zum Archiv mit +30 Einordnungen unserer Lieblingsstreams.

Handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
André Pitz & Leya Lourenco
Wir haben diese Woche hunderte neue Filme, Serien und Dokus gesichtet. Hier sind die fünf Highlights, die wir euch ans Herz legen:
Licorice Pizza (2021)
Läuft bis 17.09.26 beim ZDF, FSK 12, Dauer: 133 Min., zum Trailer
➜ Coming-of-Age-Komödie im Kalifornien der Siebziger
➜ Paul Thomas Andersons Film mit den Kinodebütanten Cooper Hoffman und Alana Haim, dazu Bradley Cooper und Sean Penn
➜ Mit viel Herz, Witz und großartigem Soundtrack erzählt der Film über die Graustufen und Uneindeutigkeit der Liebe
Sisi & ich (2023)
Läuft bis 19.09.26 in der ARD-Mediathek, FSK 12, Dauer: 121 Min., zum Trailer
➽ Feministische Dekonstruktion eines Mythos
➽ Frauke Finsterwalder inszeniert Sandra Hüller an der Seite von Susanne Wolff
➽ Mit fast schon kindlichem Spieltrieb umgesetzte Betrachtung von Geschlechter- und Rollenbildern
Challengers – Rivalen (2024)
Läuft bis 14.09.26 beim ZDF, FSK 12, Dauer: 131 Min., zum Trailer
➩ Sportdrama trifft auf Dreiecksbeziehung
➩ Luca Guadagninos Hit mit Zendaya, Mike Faist und Josh O'Connor
➩ Guadagnino schraubt Tempo und Spannung immer höher, gleichzeitig stylisch inszeniert und durchaus witzig
Irgendwann werden wir uns alles erzählen (2023)
Läuft bis 27.08.26 in der ARD-Mediathek, FSK 16, Dauer: 124 Min., zum Trailer
➤ Wendedrama trifft auf Amur fou
➤ Basiert auf dem gleichnamigen Entwicklungsroman von Daniela Krien, die zusammen mit Regisseurin Emily Atef auch am Drehbuch geschrieben hat
➤ Radikale Umwälzungen, Machtgefälle und Obsessionen brechen sich mit dem Fall der innerdeutschen Grenze Bahn
Ewige Jugend (2015)
Läuft bis 01.09.26 bei Arte, FSK 6, Dauer: 115 Min., zum Trailer
➺ Drama über die Reflexion des Alters
➺ Palo Sorrentino inszeniert einen tollen Cast mit Michael Caine, Harvey Keitel, Rachel Weisz und Paul Dano
➺ Melancholischer Blick aufs Altern und Freundschaft
💡 Nach diesen Kriterien wählen wir unsere Tipps aus.
Sucht ihr mehr Filme, Serien und Dokus, die mit Liebe gemacht sind? Hier sammeln wir alle Empfehlungen aus den kostenlosen Mediatheken, die ihr noch immer streamen könnt. 🔒 Exklusiv für unsere Newsletter Abonnent*innen.

Die neue Podcast-Folge von „Die Zeitgenossen“ liefert wieder genau das, was Algorithmen nicht können:
Christoph Raethke plädiert diesmal nicht für ein Buch, sondern für einen ganzen Autor: Philip K. Dick. Er hat rund achtzig Prozent des Gesamtwerks gelesen und erzählt, warum die Romane oft erstaunlich wenig mit ihren berühmten Verfilmungen zu tun haben – „Do Androids Dream of Electric Sheep“ etwa spielt gar nicht in einer verregneten Stadt, sondern in einer Wüste, und die Androidenjagd ist dort nur ein Handlungsstrang unter vielen. Er erklärt, warum Dicks Kunst darin liegt, ganze Welten zu erschaffen, die einen sofort absorbieren.
Stefanie Palomino nimmt uns mit in die Sterneküche: „The Bear“ als tiefes Psychogramm über Stress, Familie und die eine Frage, ob Exzellenz und Erfüllung dasselbe sind. Sie erzählt, warum sich die Dynamiken einer Großküche wie ein Innovationsprozess lesen lassen, warum Carmy trotz aller Brillanz ein ziemlich schlechter Chef ist und warum die vierte Staffel mit einer Entscheidung endet, die dem kapitalistischen Erfolgsprinzip so gründlich widerspricht, dass man sie erstmal sacken lassen muss. Christoph widerspricht ihr an einer Stelle deutlich: Für ihn war das langsame Herauszoomen von der Hauptfigur der eigentliche Fehler der Serie.
Dazu eine hitzige Debatte über AI-Slop – ausgelöst von einem Radiospot mit KI-Disclaimer und der Frage, ob Künstliche Intelligenz mehr Menschen eine Stimme gibt oder uns eigentlich nur im Internet blamiert.
Wir empfehlen euch die neue Folge vom „Die Zeitgenossen“-Podcast, weil ihre Haltung zu unserer passt: Einordnung statt Aufzählung.
„Die Zeitgenossen“ läuft bei YouTube, Spotify und wo ihr eure Podcasts hört.
🎁 Letzte Worte von der Shelfd Redaktion
War ein Inhalt dabei, der euch gefallen hat oder den ihr selbst mochtet? Empfehlt ihn unbedingt an einen Freund oder eine Freundin weiter, die diesen noch nicht kennen. Gemeinsam macht das Entdecken, Schauen und Besprechen doppelt so viel Spaß.
Teilt diese Ausgabe auch super gerne – leitet dafür einfach unsere Mail weiter. Jeder neue Abonnent und jede neue Abonnentin hilft, dass wir mehr Menschen aus dem Algorithmus-Wahn befreit bekommen.
Habt ihr Fragen, Anregungen oder Feedback zum Magazin? Antwortet uns einfach auf diese Mail oder bringt euch in der Community ein.
Bis nächste Woche Freitag!
Happy Streaming,
Team Shelfd



