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Hej, folgende Beiträge haben wir für euren Streaming-Start ins Wochenende mitgebracht:
- Zwischenauswertung: Haben wir 50 neue Mitglieder gefunden?
- Staffellauf-Kolumne mit einem Plädoyer für das Gefühl als Kern jeder Kritik
- Fünf handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
- Mehr als Streaming im Zeitgenossen-Podcast
Los geht's mit dem kompletten Magazin!

Fast da
David Reiter
Hej zusammen, wir haben Shelfd letzte Woche geöffnet – und zeitgleich um neue Mitglieder geworben. Richtig, richtig viele von euch sind diesem Aufruf gefolgt! Freiwillig. Für ein Magazin, das ihr auch ohne Mitgliedschaft komplett lesen könnt.
Wir freuen uns riesig über 33 neue Supporter und Möglichmacherinnen
Viele von euch haben mir dazu auch geschrieben, warum. Angela hat es in einem einzigen Satz gesagt: „Das muss einfach drin sein.“ Besser krieg ich's auch nicht hin.
106 Menschen tragen dieses Magazin jetzt. 🎉 Ende letzter Woche waren es noch 73. Wow!
Was das heißt, lässt sich ziemlich genau ausrechnen. Eine Ausgabe kostet uns rund fünf Jahresmitgliedschaften. Fünf Menschen tragen also einen ganzen Freitag.
Mit den 73 Mitgliedern vom Start der Kampagne waren das rechnerisch 14 Freitage im Jahr. Die letzte getragene Ausgabe war die vom 3. April. Jede Ausgabe danach ging auf meine Rechnung.
In einer einzigen Woche habt ihr sieben Freitage dazugeholt. Die Bilanz reicht jetzt bis zum 22. Mai. Genial.

Fünf von euch sind ein Freitag.
Jede neue Mitgliedschaft schiebt den Tag, ab dem ich selbst zahle, ein Stück weiter in den Sommer. 42, 54 oder 66 Euro im Jahr, in zwei Klicks kündbar.
📅 Den Tag nach hinten schieben
50 waren das Ziel, 17 fehlen noch. Ein ganzes Stück, aber kein unmögliches. Kommen die heute noch zusammen, ist fast das ganze erste Halbjahr gegenfinanziert. Das übrige halbe Jahr trage ich. Again: Ich habe mir das ausgesucht und beschwere mich nicht.
Und wenn ihr die letzte Woche gelesen, genickt und gedacht habt: Gute Sache, mach ich noch. Kenn ich von mir selbst. Das hier ist die nette Erinnerung, auf die ihr gewartet habt.
Als Mitglied müsst ihr nicht alles lesen. Die meisten von euch haben eine Lieblingsrubrik in unserem Magazin.
Für manche sind das die Mediathekentipps, für andere die Kolumne, und der Rest wird überflogen. Das ist völlig in Ordnung. Euer Beitrag sorgt dafür, dass genau die eine Rubrik nächste Woche wieder da ist. Und die Woche darauf.
Heute Abend endet diese kleine Kampagne. Dann zähle ich zusammen, und ab nächster Woche kümmern wir uns wieder ganz um gute Couchabende. Wer heute noch dazukommt, macht die 50 voll. Und am 15. Oktober sehen wir uns beim ersten Shelfd Abend.
Danke fürs Anfeuern,
David

Warum lassen wir bei Shelfd und unseren Lieblingen eigentlich so viel Raum für die Gefühle der Autor*innen? André glaubt, dass sich gar nicht anders über Kunst und damit Filme und Serien im Stream schreiben lässt.
Ein Hoch auf den Affekt!
André Pitz
In der vergangenen Ausgabe hat David ausführlich darüber geschrieben, was Shelfd gerade ist, was es sein kann und wie eure Unterstützung dabei ins Spiel kommt. Auch ich liebe es, wenn wir Shelfd als Projekt nicht im luftleeren oder zumindest redaktionsinternen Raum gestalten, sondern dabei auch immer wieder auf euer Feedback eingehen können.
Und genau so ein Feedback ist es, worum es mir diese Woche gehen soll. David zitierte vergangene Woche ein paar Gedanken von Christoph Räthke, den ihr vielleicht durch den bei uns regelmäßig gefeaturten „Die Zeitgenossen“-Podcast kennt, den er zusammen mit Stefanie Palomino macht:
„Das Problem, das ich als Zuschauer habe, ist das Überangebot, das ich nicht mit frustrierendem Trial and Error lösen will. […] Bei diesen konkreten Fragen helfen mir Feuilletonbeiträge darüber, wie eine Redakteurin sich beim Gucken einer bestimmten Serie fühlt, nicht so sehr.“
Einspruch, Euer Ehren!
Ich möchte dem vehement widersprechen. Selbstverständlich nicht, um Christoph hiermit auf den textlichen Scheiterhaufen zu stellen. Ich kann diese Perspektive nämlich selbst gut verstehen und gestehe sie allen von euch selbstredend zu. Aber ich möchte hier die Gelegenheit dennoch nutzen und aufzeigen, warum „Feuilletonbeiträge darüber, wie eine Redakteurin sich beim Gucken einer bestimmten Serie fühlt“ ebenfalls eine wichtige Hilfe angesichts des Streaming-Überangebots sein können.
Mein Anspruch ist es stets, nicht einfach nur die Filme und Serien mit den besten IMDb-Bewertungen oder irgendwelchen tollen Metascores aufzutischen – und zwar aus zwei Gründen. Der offensichtliche ist, dass ihr auch einfach selbst irgendwelche Listen auf Letterboxd und Co. nach Bewertung sortieren könnt. Dafür braucht es keine Shelfd Redaktion.
Objektivität ist eine Illusion
Der streitbare ist, dass ich verneine, dass sich Kunst nach objektiven Kriterien bewerten lässt. Dafür möchte ich euch eine Anekdote erzählen: Es begab sich also zu einer Zeit (2023), als das renommierte britische Filmkunstmagazin „Sight and Sound“ eine neue Liste mit den besten Filmen „aller Zeiten“ veröffentlichte. Das machen die Kolleg:innen einmal pro Jahrzehnt und setzen dabei auf Umfragen unter den verschiedensten Filmgewerken. Der damals überraschende Platz 1: Chantal Akermans Meisterwerk „Jeanne Dielman“ (1975).
Bei wem das unter anderem gar nicht gut ankam, war „Taxi Driver“-Drehbuchautor und „The Card Counter“-Regisseur Paul Schrader. Dessen Einlassungen auf seiner Facebook-Seite sorgen immer wieder für – wohlwollend formuliert – heftigstes Stirnrunzeln. Jüngst etwa berichtete er davon, wie seine KI-Freundin mit ihm Schluss gemacht hat. Oder dass es einfach keine Schwarzen Schauspieler:innen geben würde, die Rollen in seinem nächsten Film übernehmen wollen, und er deshalb jetzt einfach alles mit KI generieren würde. Eben dieser Verstand ist es, der 2023 kein gutes Wort über die „Sight and Sound“-Liste verlieren konnte. Die veränderte Wähler*innenschaft habe für eine politisch korrekte Neugewichtung gesorgt, die nichts mit historischen Kontinuitäten zu tun hätte. Er forderte „Sight and Sound“ auf, künftig wieder „objektive Qualität“ vor – im Sinne eines wie auch immer gearteten Zeitgeistes – Zugänglichkeit zu stellen.

Doch was genau sollen diese objektiven Kriterien eigentlich sein? Schrader kann darauf bis heute keine stichhaltige Antwort liefern. Das liegt daran, dass es – jedenfalls aus meiner Sicht – eben kein einziges objektives Kriterium gibt, nach dem sich Kunst bewerten lässt. Es ist völlig unerheblich, ob eine Geschichte nun einer bestimmten Drehbuchstruktur folgt oder ob es eine klare Figurenentwicklung gibt. Sogar, ob die Schärfe überhaupt „richtig“ gezogen ist, ist für die Qualität eines Films gänzlich unerheblich.
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💬 Teilt eure Perspektive:
Hat sich verändert, worauf ihr bei Empfehlungen achtet, etwa früher Sterne und heute Stimmen? Oder umgekehrt?
Wir veröffentlichen eine kleine Auswahl eurer Stimmen in der nächsten Woche. Einfach auf diese E-Mail antworten.
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Once More, with Feeling
Was zählt, ist am Ende nur das Gefühl. Das Gefühl steht im Zentrum einer jeden Filmkritik und Serienbesprechung. Kunstkritik ist ein fluides Genre. Doch was sie niemals sein sollte, ist wie ein Autoquartett. Kritik ist im allerersten Schritt immer ein Reflektieren der eigenen Affekte und im zweiten Schritt eine Analyse, wodurch sie zustande gekommen sind.
Das reine Benennen eines Gefühls ist ein Geschmacks- und noch kein Qualitätsurteil. Erst die Begründung des Gefühls durch einzelne Elemente des Kunstwerks samt einer argumentativ entsprechenden Herbeiführung legitimieren ein Urteil.
Dazu gehört natürlich auch, in gesundem Maße als Autor*in eines Textes – Althea und Leya tun das etwa bei unserem Liebling regelmäßig und auch ganz großartig – die eigene Position offenzulegen und klarzumachen, von welchem Startblock aus man losrennt und durch welche Linse man draufschaut. Denn auch das hat natürlich Einfluss auf Gewichtung und Interpretation des Urteils durch euch.
Deshalb gibt es bei uns den Liebling als längeres Format, in dem Leya und Althea gerne auch sehr persönlich werden können. Wer es hingegeben knackiger (damit aber nicht automatisch flacher in der Auseinandersetzung) braucht, wird immer bei unseren Mediathekentipps fündig.

Happy Streaming,
André
P.S.: Lieber Christoph, ich weiß, dein Feedback galt explizit Shelfd und sollte vermutlich keine allgemeine Aussage zu Schreiben und Sprechen über Kunst sein. Aber da es in dieser Form seinen Weg in Davids Staffellauf gefunden hat, habe ich einfach von dort aus weitergedacht. Ich hoffe, wir können trotz allem eine metaphorische Friedenspfeife rauchen. ✌️😉
👀 André sagt: Ein Gefühl allein ist noch kein Urteil. Es braucht eine Begründung.
Falls ihr bei Shelfd schon mal „gut, dass es euch gibt“ gedacht habt: 42 Euro im Jahr wären eine ziemlich gute Begründung.

Handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
André Pitz & Leya Lourenco
Wir haben diese Woche hunderte neue Filme, Serien und Dokus gesichtet. Hier sind die fünf Highlights, die wir euch ans Herz legen:
Kneecap (2024)
Läuft bis 17.10.26 beim ZDF, FSK 16, Dauer: 102 Min., zum Trailer

➜ Anarchische Musik-Biopic-Komödie über ein Belfaster Hip-Hop-Trio
➜ Rich Peppiatts vielfach preisgekrönter Film, in dem die echte Band Kneecap sich selbst spielt
➜ Laut, frech und mitreißend, aber mit ernstem Kern, dass der Kampf um eine Sprache ein Kampf um die eigene Kultur ist
Was Marielle weiß (2025)
Läuft bis 16.12.26 beim ZDF, FSK 12, Dauer: 81 Min., zum Trailer

➽ Familiendrama unter fantastische angehauchter Lupe
➽ Preis der deutschen Filmkritik für das beste Drehbuch
➽ Wie viel (Un-)Ehrlichkeit braucht und verträgt eine Beziehung?
Tatami (2023)
Läuft bis 10.11.26 beim ZDF, FSK 12, Dauer: 100 Min., zum Trailer

➩ Sportdrama trifft auf Politthriller
➩ Regiedebüt von „Holy Spider“-Darstellerin Zar Amir Ebrahimi
➩ Nach wahren Begebenheiten räumt der Film die Mär vom „unpolitischen“ Sport ab und liefert exzellten Spannungskino von internationaler Sprengkraft
An einem schönen Morgen (2022)
Läuft bis 12.10.26 in der ARD-Mediathek, FSK 12, Dauer: 106 Min., zum Trailer

➤ Alltagsrealistisches Familiendrama
➤ Von Mia Hansen-Løve mit großartiger Bestzung – unter anderem Léa Seydoux, Pascal Greggory und Melvil Poupaud
➤ Es ist ein Film über Enden und Anfänge, über (verblassende) Erinnerungen, Begehren, Liebe, Trauer und die absurde Gleichzeitigkeit von alldem
Wilder Diamant (2024)
Läuft bis 14.10.26 in der ARD-Mediathek, FSK 12, Dauer: 100 Min., zum Trailer

➺ Coming-of-Age-Drama über eine mittellose 19-Jährige aus Südfrankreich, die unbedingt Influencerin sein möchte
➺ Agathe Riedingers gefeiertes Regiedebüt lief als einziger Erstlingsfilm im Wettbewerb um die Goldene Palme in Cannes 2024, mit einer herausragenden Malou Khebizi in ihrer ersten Rolle
➺ in ehrlicher Blick auf den Preis von Sichtbarkeit
💡 Nach diesen Kriterien wählen wir unsere Tipps aus.
Hat dir jemand diesen Text geschickt? Gute Leute hast du. Für die nächste Ausgabe kannst du selbst auf der Liste stehen. Jeden Freitag drei Beiträge übers Streaming, kostenlos und ausdrücklich zum Weiterschicken.
Letzte Chance für:
• Promising Young Woman (2020) bis 27.09.
• Saltburn (2023) bis 30.09.
• Last Exit Reno (1996) bis 30.09.
uvm.
Die neue Folge von „Die Zeitgenossen“ liefert wieder genau das, was Algorithmen nicht können:
Christoph Raethke bereitet seine große Sizilien-Reise vor und hat dafür endlich „Der Leopard“ von Giuseppe Tomasi di Lampedusa gelesen, in Italien so kanonisch wie bei uns der Faust. Er erzählt von einem Patriarchen im Umbruchsjahr 1860, der begreift, dass seine Welt untergeht, und der seinem Neffen deshalb Geld und Türen öffnet, statt sich ihm in den Weg zu stellen. Christoph erklärt, warum ihn der berühmte Visconti-Film vor zwanzig Jahren abgeschreckt hat, warum die neue Netflix-Miniserie ihn jetzt überzeugt hat und wie aus einem Buch ein komplettes Reiseprogramm wird, samt Restaurants, Wanderungen und Dialogen mit Einheimischen.
Stefanie Palomino stellt zum ersten Mal eine Empfehlung vor, die von Christoph kam: „A Knight of the Seven Kingdoms“, die zweite Game-of-Thrones-Vorgeschichte bei HBO Max. Sechs kurze Folgen, kleines Budget, kaum CGI, dafür Handkameras im Nebel und ein Heckenritter ohne Land und ohne Herrn. Sie erzählt, warum diese Serie so erdig und echt wirkt, warum die Kampfszene in Folge fünf gerade wegen der begrenzten Mittel brutaler wirkt als jedes Spektakel, und warum die beiden sich einig sind, dass hier eine Sehnsucht nach wahren Helden bedient wird.
Dazu eine Debatte über die Frage, wozu es heute noch Reiseführer braucht, wenn KI die besseren Antworten gibt, aber man die richtigen Fragen erst nach dem ersten Besuch kennt.
Gerne empfehlen wir euch die neue Folge vom „Die Zeitgenossen“-Podcast, weil ihre Haltung zu unserer passt: Einordnung statt Aufzählung.
Der Abspann läuft. Wer bleibt noch sitzen?
Heute Abend endet unsere Werbewoche, ab nächstem Freitag geht's hier wieder um Filme und Serien. 42, 54 oder 66 Euro im Jahr, in zwei Klicks kündbar.
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Eure Shelfd Redaktion




