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Hej, folgende fünf Beiträge haben wir für euren Streaming-Start ins Wochenende mitgebracht:
- Staffellauf-Kolumne über Film-Promo, die zuuu viel verrät
- Unser stacheliger Lieblingsstream: „Sorry, Baby“
- Fünf handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
- Mehr als Streaming im Zeitgenossen-Podcast
- Überraschung der Woche: Die besten Streams im Mai
Los geht's mit dem kompletten Magazin!

Spoilert mich ruhig (ihr werdet schon sehen)
David Reiter
Es ist Ende Juni und ich meide Youtube wie eine Baustelle mit Umleitung. In einem Monat kommt nämlich „Spider-Man: Brand New Day“ ins Kino, der vierte Teil mit Tom Holland. Ich bin – kein Geheimnis – großer Fan vom Spinnenmann. Genau deshalb will ich vorher so wenig wie möglich sehen. Der erste Teaser hatte mich schon am Haken: Die Stimmung vom Neuanfang nach dem Gedächtnisverlust aller Vertrauter rund um Peter Parker sowie die Verletzlichkeit durch dessen neue Einsamkeit, um seine Liebsten zu schützen, haben mich gecatcht. Mehr brauchte es nicht für wochenlange Vorfreude.
Und dann rutschte mir der zweite Trailer durch. Reflexhaft geklickt und sofort bereut: zweieinhalb Minuten Plot-Details, die ich nicht wissen wollte. Wie das alles zusammenhängt, soll mir bitte der Film erzählen. Nicht seine Promo.
Leicht angefressen kam mir der Gedanke: Wer entscheidet hier eigentlich, wie viel ich über einen Film weiß, bevor ich ihn anmache? In dem Moment war das definitiv nicht ich.
🎁 Jetzt den kompletten Staffellauf von David lesen. Frei für alle. Mit einem Recherche-Guide für unsere Mitglieder.
Entdeckt das Staffellauf-Archiv mit +40 reflektierenden Streaming-Kolumnen.

Lieblingsstream: Sorry, Baby (2025)
Ilka Bröskamp
In mittelgroßen Städten mit überschaubarer Programmkino-Landschaft sind die Spielzeiten von Filmen in Originalversion rar. Gerade Indie-Produktionen verschwinden oft buchstäblich schneller aus dem Programm als ich gucken kann. Will ich einen Film auf gar keinen Fall verpassen, nehme ich aber gern einen Ausflug in die benachbarten Niederlande (keine Synchronisierung!) oder ins Ruhrgebiet (Grüße an das Capitol in Bochum) in Kauf. Für „Sorry, Baby“ hat sich der Trip Anfang des Jahres auf jeden Fall gelohnt. Ganz ohne langen Anfahrtsweg kann man den Film jetzt bei Mubi streamen und ich freue mich schon auf einen Rewatch gemütlich vom Sofa.
Die junge Literatur-Doktorandin Agnes (Eva Victor) ist schlagfertig, witzig und ambitioniert. Mit ihrer besten Freundin Lydie (Naomi Ackie) wohnt sie in einem abgeschiedenen Häuschen in Neuengland und genießt das unbeschwerte Studentinnenleben. Zumindest, bis „das Jahr mit der schlimmen Sache“ passiert und Agnes einen sexuellen Übergriff ihres Professors erleben muss. Drei Jahre später ist sie zwar Literaturprofessorin an der Universität, sieht sich aber noch immer mit den Auswirkungen des traumatischen Vorfalls konfrontiert.
Ruhig und behutsam erzählt die Tragikomödie Agnes’ Geschichte. In fünf zeitlich nicht linearen Kapiteln steht dabei aber nicht der Vorfall selbst im Mittelpunkt, sondern die in Agnes’ Leben nun überall spürbaren Nachwirkungen des Traumas, dessen Heilung ebenfalls fragmentarisch passiert. So sehen wir als Zuschauende den Übergriff nicht, harren stattdessen aus, während die Kamera eine gefühlte – nur schwer auszuhaltende – Ewigkeit die Fassade des Hauses filmt, in dem die Tat geschieht, aber folgen anschließend Agnes’ präzisen, berührend nüchternen Schilderungen, als sie Lydie von dem Vorfall berichtet.
„Sorry, Baby“ ist Eva Victors Spielfilmdebüt und basiert auf persönlichen Erlebnissen. Victor übernahm nicht nur die Hauptrolle, sondern lieferte auch das Drehbuch und führte Regie. Entstanden ist ein feinfühliger, authentischer Blick auf das Leben nach dem Missbrauch und auf die noch immer selten vollkommen vorurteilsfrei beleuchteten Perspektiven Betroffener.
Während es erschütternd ist mit anzusehen, wie sehr die Erlebnisse Agnes von ihrem Umfeld isolieren, wie selten sie echtes Mitgefühl erfährt und wie herausfordernd es ist, Halt und Orientierung zurückzugewinnen, gelingt es Victor immer wieder auch leichtere Töne anzuschlagen: die bedingungslose Freundschaft zwischen Lydie und Agens, die vorsichtige Nähe zum verlässlichen Nachbarn Gavin (Lucas Hedges) und die kleinen Momente, die immer mal wieder Freude und Unbeschwertheit in Agnes’ Leben zurückbringen und dem Film trotz aller Schwere eine tröstliche, hoffnungsvolle Note verleihen.
Ihr könnt „Sorry, Baby“ aktuell bei Mubi streamen. Überprüft die dauerhafte Verfügbarkeit via werstreamt.es.
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Hier geht's zum Archiv mit +25 Einordnungen unserer Lieblingsstreams.

Handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
André Pitz & Leya Lourenco
Wir haben diese Woche hunderte neue Filme, Serien und Dokus gesichtet. Hier sind die fünf Highlights, die wir euch ans Herz legen:
The Apprentice – The Trump Story (2024)
Läuft bis 19.07.26 beim ZDF, FSK 12, Dauer: 119 Min., zum Trailer
➜ Drama über den Aufstieg Trumps als junger New Yorker Immobilienunternehmer
➜ Ali Abbasis kontroverser Cannes-Wettbewerbsfilm mit den hervorragenden Performances von Sebastian Stan und Jeremy Strong
➜ in Porträt über den Missbrauch von Macht und gleichzeitig auch über Menschlichkeit und wie sie nach und nach verkommt
Wie wilde Tiere (2022)
Läuft bis 02.07.26 bei Arte, FSK 12, Dauer: 131 Min., zum Trailer
➽ Zivilisationsdrama mit einem Hauch Backwoods-Horror
➽ Vielfach preisgekrönter Film von Rodrigo Sorogoyen mit vielchichtigen Darbietungen von Marina Foïs und Denis Ménochet
➽ Eine Beobachtung von Kränkung und Würde mit nahezu hypnotischer Ruhe
Aftersun (2022)
Läuft bis 20.07.26 bei 3sat, FSK 12, Dauer: 97 Min., zum Trailer
➩ Coming-of-Age-Drama über einen gemeinsamen Urlaub zwischen Vater und Tochter
➩ Charlotte Wells' gefeiertes Spielfilmdebüt mit Paul Mescal und der jungen Frankie Corio
➩ Ganz subtil zeigt uns Wells den beiläufigen Ausbruch tief sitzender Gefühle
Rodeo (2022)
Läuft bis 18.07.26 in der ARD-Mediathek, FSK 16, Dauer: 102 Min., zum Trailer
➤ Coming of Age als Banlieukino
➤ Preis der Jury für Macherin Lola Quivoron in der Cannes-Sektion Un Certain Regard
➤ Die Freiheit des Motorradfahrens als Scharnier für eine viel umfassendere Freiheit
The Salvation (2014)
Läuft bis 21.07.26 bei Tele 5, FSK 16, Dauer: 89 Min., zum Trailer
➺ Rachewestern mit europäischer Perspektive
➺ Drehbuch von Anders Thomas Jensen („Adams Äpfel“, „Helden der Wahrscheinlichkeit“)
➺ Kompromissloses Spiel mit den Konventionen des Westerns, um die falschen Versprechen der Frontier im Westen zu entlarven
💡 Nach diesen Kriterien wählen wir unsere Tipps aus.

Ein südafrikanischer Roman, der ein ganzes Land prägte. Eine Mystery-Horror-Comedy-Insel, von der niemand mehr lebend runterkommt. Und die ehrliche Frage, was eigentlich in eurer Notfall-Tasche steckt. Die neue Folge von „Die Zeitgenossen“ liefert wieder genau das, was Algorithmen nicht können.
Christoph Raethke beginnt mit Alan Patons „Cry, the Beloved Country“ – jenem Buch von 1948, das in Südafrika in allen Schulen gelesen wird. Er erzählt von einem schwarzen Priester, der seinen Sohn in Johannesburg sucht und dort der Apartheid in all ihren menschlichen Verwerfungen begegnet. Und warum jede Reise in das Land ohne dieses Buch nur eine halbe ist.
Stefanie Palomino bringt im Gegenzug eine Serie mit, die sie nach eigener Aussage eigentlich gar nicht hätte sehen dürfen, weil sie Horror nicht verträgt: „The Woodfields“ auf Apple TV. Eine kleine Insel, von der niemand wegkommt, ohne zu sterben. Ein verfluchter Pakt aus der Gründungszeit. Und ein Bürgermeister, gespielt von Matthew Rhys, der seine eigene Familie nicht mehr schützen kann. Stefanie erklärt, warum die Serie zwischen Horror, Comedy und Tiefenpsychologie balanciert wie kaum etwas anderes — und warum eine bestimmte Pilz-Episode sie an David Lynch erinnert hat.
Dazu ein offenes Gespräch über Prepping und ein Reisebericht aus Kerala in Südindien, wo Stefanie seit über zehn Jahren regelmäßig in einen Ashram fährt, der ihr Leben tief verändert hat.
Wir empfehlen euch die neue Folge vom „Die Zeitgenossen“-Podcast, weil ihre Haltung zu unserer passt: Einordnung statt Aufzählung.
„Die Zeitgenossen“ läuft bei YouTube, Spotify und wo ihr eure Podcasts hört.

Die besten Streams im Juni
Ilka Bröskamp

Der Sommer ist da. Während wir draußen ganz schön ins Schwitzen kommen, gönnen wir uns drinnen eine Pause von Sonne und Hitze. Dazu liefern die Streamingplattformen und kostenlos zugänglichen Mediatheken auch in diesem Monat das passende Unterhaltungsprogramm. Wir haben für euch zusammengestellt, welche Neustarts sich bei Arte, Netflix, Prime Video, Mubi, HBO Max, Apple TV, MagentaTV, Disney+ sowie beim ZDF im Juni besonders gelohnt haben.
➽ Welche Titel bleiben für euch nach dem Juni hängen? Schreibt uns als Antwort auf diese Mail.
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Bis nächste Woche Freitag!
Happy Streaming,
Team Shelfd



