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Hej, folgende Beiträge haben wir für euren Streaming-Start ins Wochenende mitgebracht:
- Staffellauf-Kolumne über Empehlungen und wie sie uns beeinflussen
- Fünf handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
- Überraschung der Woche: Unser stacheliger Liebling „Robot Dreams“
Los geht's mit dem kompletten Magazin! (Schneidet dein E-Mail-Programm die Ausgabe mittendrin ab? Hier online lesen.)

Warum bleiben wir sitzen oder schalten nicht ab, wenn ein Film nicht zündet – aus Respekt, aus Hoffnung oder weil ein Abbruch wie ein Urteil über uns selbst wirkt?
Darf ich hier eigentlich raus?
Leya Lourenco
Vergangenes Jahr saß ich beim Film Festival Cologne in einem Film, aus dem nach und nach das halbe Kino verschwand. „Primitive Diversity“ von Alexander Kluge, ein experimenteller Essayfilm. Keine wirkliche Geschichte, kein roter Faden zum Festhalten, sondern ein freier Strom aus Bildern und Gedanken, vieles davon mit KI erzeugt. Ich muss ehrlich sein: Ich kam da nicht rein. Je länger ich versuchte, einen Zugang zu finden, desto mehr rauschten die Bilder an mir vorbei.
Um mich herum standen immer wieder Leute auf und gingen, nach und nach wurde es immer leerer im Kino. Und irgendwann, als nur noch eine Handvoll Menschen im Saal saß, dachte ich zum ersten Mal: Darf ich hier eigentlich auch raus?
Warum eigentlich durchhalten?
Denn eigentlich ist Abbrechen im Kino die schwierigste Variante überhaupt. Ich bin ja extra hingegangen, habe ein Ticket gekauft, mir den Abend freigeräumt. Ich sitze mittendrin in einer Reihe und müsste mich viel zu störend an fremden Knien vorbeiquetschen. Die soziale Blöße. Und trotzdem haben es an diesem Abend viele getan, während ich ganz gehorsam sitzen blieb.
Was hat mich gehalten? Zum Teil das „Man geht doch nicht einfach“ und auch der Respekt gegenüber dem Künstler oder der Künstlerin. Zum Teil die Hoffnung, dass es gleich noch klick macht. Aber ehrlicherweise war da noch was anderes: das Gefühl, dass Rausgehen ein Urteil wäre. Über den Film oder, schlimmer noch, über mich. Als würde ich damit zugeben, dass ich ihn nicht verstanden habe.
Ein Film-only Problem?
Bei Büchern fällt mir das nicht so schwer. Wenn ich nach fünfzig Seiten merke, dass ich nicht reinkomme, dann klappe ich das Buch zu. „Vielleicht lese ich ja noch mal rein“, lüge ich mich selbst an und lege es auf den endlosen Stapel der To-Read-Bücher.
Beim Film wiederum denke ich mir viel zu schnell: Ach, die anderthalb Stunden sitze ich jetzt auch noch ab. Oder: Gut, ich habe jetzt auch schon 40 Minuten investiert. Die Kosten zum Erledigen sind nicht so hoch wie beim Buch.
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💬 Teilt eure Perspektive:
Fühlt sich das Abbrechen eines Streams für euch eher nach Befreiung an oder nach einer kleinen Niederlage?
Wir veröffentlichen eine kleine Auswahl eurer Stimmen im nächsten Magazin. Schreibt uns einfach eine E-Mail mit euren Gedanken dazu an redaktion@shelfd.com.
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Kein Eintrag, kein Dopamin
Und dann ist da noch Letterboxd. Die Filmbewertungsplattform, bei der man seine geschauten Filme eintragen kann. Demnach ist ein Film, den ich abbreche, ein Film, den ich nicht eintragen kann. Kein Eintrag, kein Belohnungseffekt. Als hätte ich die Zeit im Kino oder beim Streaming nie verbracht. Ein abgebrochener Film existiert in meinem kleinen (eigentlich total unwichtigen) Protokoll nicht. Und da muss ich mich schon fragen: Schaue ich den Film eigentlich noch, oder sammle ich ihn?
Manchmal lohnt es sich ja doch
Jetzt könnte man natürlich sagen: immer sofort ausmachen, sobald es hakt. Aber so einfach ist es eben auch nicht. Manche Filme zünden spät. Manche brauchen vierzig Minuten, bis sie einen packen. Und gerade bei sperrigen, experimentellen Sachen gehört das Durchbeißen vielleicht sogar dazu.
Wo also die Grenze liegt zwischen „Gib ihm noch eine Chance“ und „Das ist einfach nicht meins“, kann ich nicht beantworten. Aber ein abgebrochener Film ist kein Versagen – weder meins noch seins. Er heißt nur: heute nicht. Und dann ist es auch okay, mal aufzustehen. Am Ende sollte Filmeschauen doch einfach Spaß machen. Aber ob ich das wirklich mal schaffe? Ihr werdet es erfahren.
Happy Streaming
Leya

Handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
André Pitz & Leya Lourenco
Wir haben diese Woche hunderte neue Filme, Serien und Dokus gesichtet. Hier sind die fünf Highlights, die wir euch ans Herz legen:
La Chrimera (2023)
Läuft bis 03.12.26 bei Arte, FSK 12, Dauer: 124 Min., zum Trailer

➜ Magisch-realistisches Gaunermärchen
➜ Alice Rohrwacher schickt Josh O'Connor auf die Suche nach sich selbst und den Schätzen der Vergangenheit
➜ Ein Film, der durch die Auflösung der Regeln unserer Welt zum Schwelgen, Weinen, Hoffen und Träumen verführt
Dark Water (2002)
Läuft bis 27.02.27 bei Arte, FSK 16, Dauer: 96 Min., zum Trailer

➽ Japanischer Horror trifft auf Mutter-Tochter-Drama
➽ Von Hideo Nakata, dem Regisseur des später in Hollywood neu verfilmten Klassikers „Ring – Das Original“ (1998)
➽ Ein relativ leiser Gruselfilm, der seine Angst nicht aus Schockmomenten zieht
Soldaten des Lichts (Doku, 2025)
Läuft bis 26.12.26 beim ZDF, FSK 16, Dauer: 108 Min., zum Trailer

➩ Influencer-Porträt trifft auf Entlarvung eines esoterisch-extremistischen Milieus
➩ Dokugeheimtipp und Filmfestivalsdarling von Julian Vogel und Johannes Büttner
➩ Erschreckender Blick auf ein Milieu, das Menschen schamlos finanziell wie körperlich und psychisch ausbeutet – und sich dabei auch noch bereitwillig filmen lässt!
Radio Rock Revolution (2009)
Läuft bis 23.11.26 in der ARD-Mediathek, FSK 12, Dauer: 127 Min., zum Trailer

➤ Musikalische Ensemblekomödie über die wilden 1960er
➤ Philip Seymour Hoffman, Tom Sturridge, Bill Nighy, Rhys Ifans, Nick Frost, Kenneth Branagh, Emma Thompson, Chris O’Dowd, Gemma Arterton, Rhys Darby, January Jones, Jack Davenport, Talulah Riley und mehr. Noch Fragen? 😉
➤ Jede Menge gute Musik, die direkt ins Tanzbein geht, und ein fantastischer Cast, der um Freiheit und Gemeinschaft kämpft
Gott des Gemetzels (2011)
Läuft bis 26.11.26 beim ZDF, FSK 12, Dauer: 77 Min., zum Trailer

➩ Bissige Kammerspiel-Komödie über zwei Elternpaare, deren höfliches Schlichtungsgespräch nach einer Rauferei ihrer Söhne immer weiter eskaliert
➩ Roman Polanskis Verfilmung von Yasmina Rezas gefeiertem Theaterstück, mit Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly
➩ Ein lustiges Dialog-Feuerwerk über das, was unter der höflichen Oberfläche unseres Miteinanders steckt
💡 Nach diesen Kriterien wählen wir unsere Tipps aus.
Hat dir jemand diesen Text geschickt? Gute Leute hast du. Für die nächste Ausgabe kannst du selbst auf der Liste stehen. Jeden Freitag drei Beiträge übers Streaming, kostenlos und ausdrücklich zum Weiterschicken.
Letzte Chance für:
• Anatomie eines Falls (2023) bis 09.11.
• Amerikanische Fiktion (2023) bis 09.11.
• Silver Linings (2012) bis 14.11.
uvm.
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Robot Dreams (2023)
Leya Lourenco
Manche Filme porträtieren einen Ort, den man kennt und man sitzt ganz aufgeregt da, weil man Dinge wiedererkennt und sich so freut, diesen Ort durch andere Augen gezeigt zu bekommen. Das hat für mich „Robot Dreams“ (2023) mit New York City geschafft, den ich passenderweise auf dem Rückflug von New York nach Deutschland geschaut habe.
Ein einsamer Hund baut sich aus einem Bausatz einen Roboter zusammen und hat plötzlich einen besten Freund. Die beiden sind unzertrennlich, streifen gemeinsam durch die Stadt und genießen den Sommer. Doch ein Ausflug ans Meer trennt die beiden unerwartet.
„Robot Dreams“ ist der erste Animationsfilm des spanischen Regisseurs Pablo Berger, der auch das Drehbuch, nach der Graphic Novel von Sara Varon, schrieb. 2024 war er für den Oscar als Bester Animationsfilm nominiert. Es geht ums Erwachsenwerden, Loslassen, um Freundschaft, und darum, wie Menschen (oder eben Hunde und Roboter) in unser Leben treten und es auch wieder verlassen.
„Robot Dreams“ ist ein so erfrischender Film und schafft es, über 100 Minuten hinweg unzählige Emotionen allein durch seine Bilder zu wecken. Kein einziges gesprochenes Wort und er ist trotzdem, oder gerade deswegen, voller Gefühl, Tragik und Witz.
Die Animation unterstreicht den rührenden und authentischen Charakter des Films. Ganz detailreich mit klarer, gleichmäßiger Linienführung und warmen Farben. Sie fängt New York mit seinen Geräuschen, Farben und Details ein, sodass die Stadt selbst zum eigenen Protagonisten wird. Berger selbst nennt den Film seine Liebeserklärung an die Stadt der 80er Jahre.
Dazu kommt die Musik, allen voran „September“ von Earth, Wind & Fire. Der Song wird so oft gespielt, dass er den Punkt von „zu oft“ fast überschreitet und dann wieder genau richtig ist und mir sofort in den Kopf steigt, wann immer ich an den Film zurückdenke.
Ihr könnt „Robot Dreams“ aktuell bei HBO Max und Prime Video streamen. Überprüft die dauerhafte Verfügbarkeit via werstreamt.es.
Links zum Weiterbeschäftigen
🔍 Wollt ihr tiefer eintauchen? Wir haben euch die spannendsten Analysen, Interviews und Hintergründe zusammengestellt. Das ist der Unterschied zwischen Wissen, dass sich der Film lohnt und verstehen, warum er zählt:
Tiefergehende Gedanken
- 💬 Essay über „Robot Dreams“ als Geschichte über Freundschaft, Verlust und das New York von einst (Films Fatale)
- 🎦 Video-Review: Warum der Film trotz schlichter Optik so emotional trifft – und was er übers Erwachsenwerden erzählt (Daddy-Daughter Movie Night/Youtube | 11 Minuten)
- 💬 Essay über den Film als Geschichte über Einsamkeit und die Kraft der Freundschaft (Keeping It Reel)
Interviews & Insides
- 🎦 Interview mit Regisseur Pablo Berger über die Entstehung des Films (Cherry the Geek TV/Youtube | 14 Minuten)
- 💬 Pablo Berger im deutschsprachigen Interview über seine Inspirationen und den Entstehungsprozess (epd Film)
- 💬 „Wie wir unsere animierte Liebeserklärung an das New York der 80er gemacht haben“ (BFI)
Bis nächste Woche Freitag!
Eure Shelfd Redaktion



