Regie: Ryan Coogler
Blood & Sinners
💡 Hinweis zum Inhalt
Hier geht es um Trigger für Gewalt und Diskriminierungserfahrungen, insbesondere historischen Rassismus uns rassistische Sprache. Bei manchen Menschen können diese Themen negative Reaktionen auslosen. Bitte sei achtsam, wenn das bei Dir der Fall ist.
🍿 Darum geht es
Mississippi, 1930er-Jahre: Die Zwillingsbrüder Smoke und Stack (beide gespielt von Michael B. Jordan) kehren nach Jahren im Norden in ihre Heimat zurück. Mit Geld, mit Vergangenheit, und vor allem mit Schulden – moralischen sowie sehr realen. Ihr Plan: eine alte Sägemühle in eine Juke Joint zu verwandeln, einen Ort für Musik, Alkohol und Gemeinschaft. Für zumindest einen Abend soll es einen Raum geben, in dem Schwarzes Leben nicht nur überlebt, sondern pulsiert. Parallel dazu begleiten wir Sammie (Miles Caton), den Sohn eines Predigers, der lieber Bluesg-Gitarre spielt, als sich an die Regeln seines Vaters zu halten – und damit, so die Warnung, das Böse anzieht.
Was „Blood & Sinners” (2025) zunächst ist: ein unglaublich dichtes, sinnliches Porträt einer Community. Ryan Coogler nimmt sich Zeit für Gesichter, für Gespräche, für Blicke, für Musik. Man spürt förmlich die Hitze, den Staub, die Vorfreude auf den Abend in der Juke Joint. Genauso sehr spürt man, dass etwas beklemmendes in der Luft liegt. Denn irgendwann kippt der Film – und zwar radikal. Aus Realismus wird Horror, aus Musik Ekstase, aus Gemeinschaft ein Schlachtfeld. Und es fließt sehr viel Blut.
💯 Shelfd Einordnung von Althea Pappas
„Blood & Sinners” ist Historienfilm, Musikfilm, Gangsterstory und Vampir-Horror zugleich. Doch neben Action und Gewalt verhandelt der Film auch große Fragen: Wem gehört Kunst? Wer darf sie nutzen, wer wird dafür ausgenutzt? Was passiert, wenn Kultur zur Ware wird – oder zur Waffe? „Blood & Sinners” erzählt von Aneignung, Rassismus, Allianzen und Opportunismus. Und davon, wie schnell Solidarität zerbricht, wenn Angst ins Spiel kommt.
Michael B. Jordan ist dabei auf unzähligen Ebenen eine absolute Wucht. Dass ich nach kurzer Zeit vergessen habe, dass Smoke und Stack vom selben Schauspieler gespielt werden, ist schon fast unheimlich. Die beiden fühlen sich unterschiedlich an, tragen unterschiedliche Energien und Wunden in sich. Für mich lag das emotionale Zentrum aber woanders: bei Sammie, gespielt von Miles Caton. Seine Musik – und was sie auslöst – ist der Herzschlag des Films. In einer Szene, die fast ins Magische kippt, zeigt Coogler, wie Musik Raum und Zeit überwindet, Generationen verbindet und heilt. Diese Szene lässt mich heute noch nicht los. Das ist in großen Teilen auch dem Soundtrack von Ludwig Göransson zu verdanken, in dem Blues, Orchester und Horror ineinanderfließen, bis man nicht mehr weiß, ob man tanzen oder weglaufen soll.
„Blood & Sinners” hat mich sprachlos gemacht und mich daran erinnert, was für eine Power ein mit Sorgfalt, Liebe und Dringlichkeit gemachter Film haben kann. Ob im Kino oder zuhause auf dem Sofa – Ryan Cooglers Film unterhält, überfordert und verstört. Und hinterlässt das Gefühl, etwas Bedeutendes gesehen zu haben.
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