Ein kurzer Blick auf die Letterboxd-App hat mich staunen lassen: Mehr als einen Monat lang habe ich keinen einzigen Film gesehen. Keine Serie, keine Folge, nichts. Das ist seit Jahren der längste Zeitraum, in dem ich keinen Film geguckt habe. Für jemanden, der über Streaming schreibt und es liebt, eine etwas ungewöhnliche Statistik, die mir schon fast unangenehm ist. Dabei gab es für meine Abstinenz überhaupt keinen vorsätzlichen Grund, es war kein Digital Detox oder eine bewusste Entscheidung. Ich urlaubte in Rom, ich habe ein neues Hobby angefangen, ich hatte schlicht keinen freien Abend. Es ist Sommer, und den will ich auch auskosten. Trotzdem hat mich dieser Umstand beschäftigt und mir sind dabei drei Dinge klar geworden.

1. FOMO gibt es auch auf der Couch

In meinem Freundeskreis war die Serie „Off Campus“ DAS Thema, und ich wurde ermutigt, auch endlich damit anzufangen, denn wir müssten unbedingt darüber reden. (Was der Hype, auch zu dieser Serie, mit uns macht, hat meine Kollegin Julia übrigens hier aufgeschrieben.) Dazu kommen meine Trash-TV-Serien, die ich eigentlich verheimliche und die ohne mich auch weitergelaufen sind. Und auch Filme, die im Kino gestartet sind, schienen vor mir „wegzulaufen“.

Da ist er also, der Begriff, den wir sonst eher für Partys benutzen: die Angst, etwas zu verpassen, die „FOMO“ (fear of missing out). Nur dass es hier ums Zuhausebleiben geht. Ich wollte up to date sein, mitreden können, dabei sein, wenn alle über dieselbe Folge sprechen.Nur das kann man ohnehin nie. Es laufen jede Woche mehr Serien an, als ein Mensch in einem Jahr schauen kann. Und das Schöne am Streaming ist ja gerade, dass nichts wegläuft. „Off Campus“ (2026) wartet. Und meine Freundinnen freuen sich ehrlich gesagt sogar, dass sie mir jetzt alles nochmal erzählen dürfen und freuen sich auf meinen ersten Eindruck.

2. Streaming hat Saison

Ich will den Sommer genießen, eine neue Sprache lernen, ein Hobby anfangen, verreisen, Freunde treffen, Geld verdienen und dann am liebsten auch noch jeden Abend einen Film schauen. Das geht aber leider nicht.

Denn mein Streamingverhalten ist saisonaler als gedacht. Im Sommer bin ich häufiger unterwegs, im Herbst – meiner Lieblingsjahreszeit – zieht es mich ganz automatisch wieder auf die Couch. Und im Winter kann ich ohne jedes schlechte Gewissen einen ganzen Sonntag verstreamen.

Vielleicht ist das der eigentliche Punkt: Meine Prioritäten dürfen sich mit dem Wetter und meiner Stimmung verändern. Ein Monat ohne Film ist kein Rückstand, den ich aufholen muss. Es ist einfach ein Sommer, den ich für andere schöne Aktivitäten nutzen kann.

3. Der Druck kommt von mir

Ehrlich gesagt kommt der größte Druck gar nicht aus meinem Umfeld oder vom UV-Index, sondern von mir selbst. Ich arbeite mit Film, ich liebe Film, ich will mich immer besser auskennen, mehr gesehen haben, mitreden können. Also führe ich Listen, zähle Filme durch Letterboxd oder setze mir Jahresziele.Nur macht genau das etwas mit dem Schauen. Denn so ist Streaming zur To-do-Liste geworden. Und ich habe in meinem Staffellauf über Bewertungen ja schon geschrieben, wie sehr die Tagesform darüber entscheidet, ob ein Film mich erreicht. Ein Film, den ich zwischen zwei Terminen abhake, hat da kaum eine Chance.

Ich will mich beim Schauen einlassen können. Und dafür brauche ich das Gefühl, dass ich gerade nichts anderes tun müsste.

Und nu?

Ich habe heute mit „Off Campus“ angefangen und gehe morgen ins Kino zu „Obsession“ (2026). Und ehrlich: Nach einem Monat Pause fühlt sich der erste Film an wie das erste Spaßgetränk an einem schönen Sommertag.

Vielleicht ist das die beste Nachricht: Streaming läuft nicht weg. Ihr müsst nichts nachholen. Und eine Serie, die drei Monate auf euch wartet, ist danach immer noch genauso gut.

Wie ist das bei euch? Habt ihr Phasen, in denen ihr gar nicht schaut – und kennt ihr dieses schlechte Gewissen? Lasst uns dazu in unserer Community austauschen!

Happy Streaming,
Leya

Der Link wurde kopiert!