Ich bin 30 – und das jetzt auch ganz offiziell. Nicht mehr „fast 30“ und ich gehe auch nicht mehr „straight up auf die 30 zu“, sondern eben wirklich 30. Frisch geworden am 7. August stehe ich nun hier und kann sagen: Juckt mich eigentlich gar nicht. Wo andere sich Stress machen, geht’s mir ziemlich gut damit – und das hat mehrere Gründe. 

Weil wir hier ein Streaming-Magazin sind, wird es euch auch nicht überraschen, dass einer davon mit Filmen und Serien zu tun hat. Denn, und das sage ich euch ganz ehrlich: Man sagt ja immer, mit dem Alter wird man weiser, reflektierter, bla bla bla. Stimmt natürlich nicht alles und generell. Aber bezogen auf mein Streamingverhalten kann ich doch tatsächlich einen Unterschied feststellen.

Wo ich früher kopflos vor mich hin gestreamt habe, Abos für alle möglichen Streaming-Anbieter hatte und einfach geschaut habe, was alle schauen, versuche ich heute, viel bewusster damit umzugehen. Ich sortiere, ich kuratiere und ich informiere mich, weil ich nämlich eins vor allem nicht mehr habe: Zeit für schlechte Filme. 

Und auch keine Lust. Eine seichte Serie, deren Inhalt und nächste zehn Folgen man schon in der ersten Episode vorhersehen kann? Nein, danke. Ein Film, der zwar gerade in den Netflix-Top-10 steht und den ich mir früher nur angeschaut hätte, um mitreden zu können, der aber gar nicht mein Geschmack ist? Ebenfalls nein. Wenn ich mir die Zeit nehmen, etwas zu streamen, dann möchte ich auch davon überzeugt sein. Versteht mich nicht falsch, es gibt auch Filme und Serien, bei denen ich heute noch ins Klo greife und die ich mir im Nachhinein hätte schenken können. Aber es werden weniger – viel weniger. 

Was ich ebenfalls nicht mehr machen: Rewatching bis zum Get No, nur weil mir nichts Besseres einfällt. Wie oft habe ich in den Anfängen meiner 20er Gossip Girl, Modern Family und Co. gestreamt, einfach, weil ich keine Lust hatte, mich mit der Suche nach etwas Neuem zu beschäftigen. Doch mit den Jahren habe ich gelernt: Das kann’s ja nicht gewesen sein! Die Film- und Serienwelt hat so viel mehr zu bieten – und auch wenn ich Streaming liebe, habe ich doch nicht unendlich Zeit dafür. Also muss man manchmal auch den Schritt aus der kuscheligen Komfortzone wagen und sich dem Neuen und Unbekannten stellen – in der Hoffnung oder vielmehr der Erwartung, dass da irgendwo noch die neue, herzzerreißende, nervenzerfetzende, vorlachenbauchschmerzenmachende Lieblingsserie auf einen wartet. 

Selbstverständlich habe ich trotzdem meine Lieblinge und schaue mir an Halloween „Chilling Adventures of Sabrina“ an, wenn ich Liebeskummer habe muss „Bridget Jones“ herhalten und wenn ich eine cosy Abend brauche, dann ist „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ genau das Richtige. Aber das ist dann, genau wie die neuen Inhalte, trotzdem eine bewusste und keine bequeme Entscheidung. 

Also, liebe Leser*innen: No shame, wenn ihr noch keine 30 seid. Glückwunsch, wenn ihr schon drüber seid und High Five, wenn ihr es auch demnächst werdet. Denn ich kann von meiner Sicht aus nur sagen: Es wird nur noch besser – in allen Bereichen! Eben auch, wenn’s ums Streaming geht. 

Happy Streaming,
Julia

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