Ich bin immer seeeehr skeptisch, wenn es um Nepo-Babies geht – also um Kinder berühmter Eltern, die mit ganz vielen Privilegien und oft etwas weniger Talent in ihre Fußstapfen treten. Als ich gesehen habe, dass die siebzehnjährige Sunny Sandler – Tochter von Adam Sandler – die Hauptrolle im neuen Netflix-Film „Don’t Say Good Luck“ spielt, hatte ich deshalb kurz Angst. Aber schon nach wenigen Minuten war klar: Ich hatte mir völlig umsonst Sorgen gemacht.

Sandler spielt Sophie, die auf ihrer Highschool für das Musical „Waitress“ vorsingt und völlig überraschend die Hauptrolle bekommt. Gerade scheint ihr größter Traum in Erfüllung zu gehen, da erfährt sie, dass der Krebs ihrer Mutter zurückgekehrt ist. Diesmal ist die Diagnose schlecht.

Was jetzt nach einem Film klingt, der einen zwei Stunden lang mit Taschentüchern bewaffnet in die Sofaecke zwingt, ist zum Glück viel mehr als das (ein paar Taschentücher griffbereit zu haben, ist trotzdem mehr als empfehlenswert). „Don’t Say Good Luck“ ist traurig, aber gleichzeitig wahnsinnig warmherzig und immer wieder unglaublich lustig. Denn Sophie bleibt auch mit der Diagnose ihrer Mutter ein Teenager: Sie hat Stress mit ihrer besten Freundin, verknallt sich in ihren Bühnenpartner, streitet sich mit ihren Eltern. Nur dass über all dem plötzlich die Gewissheit liegt, dass ihre Mutter wahrscheinlich nicht mehr bei all den großen Momenten ihres Lebens dabei sein wird, wie bei der Premiere des Musicals.

Sunny Sandler ist fantastisch – sie trägt nicht nur die emotionalen Szenen, sondern auch die Musicalnummern selbst. Und sie hat ein Ensemble um sich, das ihr in nichts nachsteht: Melanie Lynskey macht Sophies Mutter Elizabeth so warm und verletzlich, dass ihre Nähe zu Sophie ganz automatisch zum emotionalen Zentrum des Films wird. Max Greenfield als Sophies Vater bringt wiederum eine ganz andere, chaotisch-komische Energie in die Familie und bekommt einige der besten gemeinsamen Szenen mit Sunny. Und dann tauchen plötzlich auch noch Bebe Neuwirth und Steve Buscemi als Sophies Großeltern auf… 

Was mir außerdem gefallen hat: Wie eng die Songs aus „Waitress“ mit Sophies Geschichte verwoben sind. Die Musicalnummern spiegeln immer wieder, wofür Sophie gerade keine Worte findet. Man muss das Stück selbst gar nicht kennen, um zu merken, dass da gerade zwei Ebenen ineinanderrutschen.

Am Ende saß ich sehr verheult vor dem Fernseher, habe mich aber trotzdem gut gefühlt. Und was Sunny Sandler betrifft: Meine anfängliche Nepo-Baby-Skepsis nehme ich sehr gerne zurück. Ich bin gespannt, was von ihr noch kommt!

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