Es gibt Filme, die mich mein Leben lang begleiten, über die ich mal mehrere Jahre nicht nachdenke, die aber trotzdem nie ganz mein Herz verlassen. Als vor einigen Wochen der irische Musiker Glen Hansard unerwartet und plötzlich verstorben ist, ist einer dieser besonderen Filme in mein Leben zurückgekehrt. Die Rede ist von „Once“ (2007). 

Wenn Künstler*innen sterben, habe ich die Angewohnheit, ihre Filme zu sehen, ihre Musik zu hören, um ihnen noch einmal in Ruhe zu begegnen. In Gedanken an Glen Hansard habe ich deshalb „Once“ wieder hervorgeholt. Hansard spielt darin einen namenlosen Straßenmusiker, der tagsüber im Geschäft seines Vaters Staubsauger repariert und nachts auf den Straßen Dublins seine eigenen Lieder spielt. Eines Tages lernt er eine junge tschechische Frau kennen – auch namenlos, auch Musikerin, gespielt von Markéta Irglová. Zwischen den beiden entsteht eine Freundschaft, aus der langsam etwas Größeres wird. Doch was die beiden vor allem verbindet, ist die Musik. Sie wissen wenig voneinander, erzählen sich nicht viel. Aber wenn sie zusammen musizieren, scheint plötzlich alles gesagt. Sie schreiben Songs, spielen füreinander und miteinander. Mehr müssen sie nicht tun, um sich zu verstehen und sich näherzukommen.

Dass „Once“ so unmittelbar und echt wirkt, liegt auch an seiner Entstehung. Regisseur John Carney, selbst ehemaliger Bassist von Hansards Band „The Frames“, drehte den Film mit einem winzigen Budget in gerade mal 17 Tagen in Dublin. Gedreht wurde an Originalschauplätzen, teilweise ohne Drehgenehmigungen, mit natürlichem Licht und Handkamera. Dadurch fühlt sich der Film weniger wie ein Spielfilm an als wie ein zufällig eingefangener Ausschnitt aus dem Leben zweier Menschen. Der Film ist nicht groß. Er braucht keine spektakulären Kulissen, komplizierte Plot Twists, nicht mal Namen für seine Hauptfiguren. 

Und dann ist da natürlich der Soundtrack, allen voran „Falling Slowly“, komponiert von Hansard und Irglová. Eines der schönsten Lieder, die ich kenne – und eines der ersten Lieder, das mich mit ungefähr acht oder neun Jahren zum Weinen gebracht hat. Ich glaube, ich habe damals noch gar nicht verstanden, warum mich dieses Lied so berührt. Das Gefühl, das dieses Lied in mir auslöst, ist heute nach wie vor dasselbe. Als ich vor ungefähr zehn Jahren „Once“ als Musical in Toronto gesehen habe, saß ich in einem Theater voller Menschen, die ihre eigenen Gitarren mitgebracht hatten, um gemeinsam mit dem gesamten Saal „Falling Slowly“ zu singen. Es war gleichzeitig komplett kitschig und wunderschön – eine ganz besondere Erinnerung an ein Lied und einen Film, der mich schon so lange begleitet hat. 

Ein kleiner Teil von mir schaut „Once“ also heute noch immer durch die Augen meines achtjährigen Ichs. Er ist für mich längst mehr als ein Film über zwei Straßenmusiker*innen in Dublin. Er ist ein Stück Erinnerung geworden. Und jetzt, nach Glen Hansards Tod, fühlt es sich besonders schön an, ihn wieder hervorzuholen: als Erinnerung daran, dass Kunst einen Menschen ein Leben lang begleiten kann. 

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