Nach manchen Filmen komme ich aus dem Kino und bin ganz überschwänglich. Ich schaue mir direkt alle Interviews dazu an, erkläre ihn bei Letterboxd zu einem meiner vier liebsten Filme aller Zeiten und empfehle ihn jedem Menschen, mit dem ich auch nur einen kleinen Smalltalk anfange. Und auch wenn sich diese Post-Kino-Euphorie meist schnell wieder legt, bleibt „Anora“ einer meiner Lieblinge.
Ani (Mikey Madison) arbeitet als Stripperin in Brighton Beach, einem Strandviertel von Brooklyn. Weil sie ein bisschen Russisch spricht, wird ihr eines Abends der verwöhnte Sohn Vanya (Mark Eydelshteyn) eines russischen Oligarchen zugeteilt. Aus einer bezahlten Woche wird ein spontaner Heiratsantrag in Las Vegas. Für Ani sieht es kurz nach dem großen Los aus. Bis Vanyas Eltern von der Hochzeit erfahren.
Sean Baker führte Regie, schrieb das Drehbuch, produzierte den Film und schnitt ihn gleich auch noch. Mit „Anora“ hat er eine emotionale Cinderella-Story geschaffen, die durchgehend spannend bleibt, mal lustig ist, aber auch traurig werden kann. Es ist ein Film, bei dem ich „all the feels“ gefühlt habe und der einfach viel Unterhaltungsfaktor hat. Wie viele von Bakers Filmen erzählt er von Menschen, die große Träume, aber im heutigen Amerika kaum Möglichkeiten haben, sozial aufzusteigen.
Getragen werden die guten zwei Stunden von Mikey Madison, die vollkommen zu Recht den Oscar für ihre Leistung bekommen hat. Ihre Ani ist selbstbewusst, mal aufmüpfig, aber auch verletzlich. Man merkt der Rolle bis in die kleinsten Gesten an, dass viel Vorbereitung dahintersteckt. Dazu Mark Eydelshteyn als Iwan, dem man die Naivität und seine Ignoranz sofort abkauft, und Yura Borisov als Igor, der dem ganzen Chaos eine überraschende Ruhe entgegensetzt.
Kameramann Drew Daniels fängt die aufgewühlten Emotionen in nächtlichen Verfolgungsjagden durch das winterliche Brooklyn und LED-beleuchtete Manhattan ein, wunderschön auf Film gedreht.
Ihr könnt „Anora“ aktuell bei Prime Video streamen. Überprüft die dauerhafte Verfügbarkeit via werstreamt.es.
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