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Hej, folgende fünf Beiträge haben wir für euren Streaming-Start ins Wochenende mitgebracht:
- Staffellauf-Kolumne gegen eine Zukunft, in der Inhalte nur noch Werbung sind
- Unser stacheliger Lieblingsstream: „Dark Winds“ (Staffel 1-3)
- Fünf handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
- Mehr als Streaming im Zeitgenossen-Podcast
- Darüber diskutieren wir drüben in der Community
Los geht's mit dem kompletten Magazin!

Was, wann alles nur noch Werbung ist?
André Pitz
2017 war ein großes Jahr für bekennende „Star Trek“-Fans wie mich. Denn nach drei Reboot-Kinofilmen sollte das Universum endlich auch wieder in Serienform beackert werden – und zwar mit „Star Trek: Discovery“. Mal ganz abgesehen davon, dass die Serie meiner Meinung nach letztlich keine sonderlich gute Richtung eingeschlagen hat, war mein ganz persönlicher Hype damals enorm – und zwar so sehr, dass ich damit begonnen habe, einen wöchentlichen Recap-Podcast zu hören. (Grüße an „Discovery Panel“ gehen raus!)
Mittlerweile haben auch die serienproduzierenden Konzerne selbst dieses Genre für sich und ihre Inhalte entdeckt. Doch das kann sich zu einem ganz prinzipiellen Problem auswachsen und weitreichende Folgen dahingehend nach sich ziehen, wie wir als Konsument*innen und Fans über Kultur sprechen. Das ist bedenklich.
🎁 Jetzt den kompletten Staffellauf von André lesen. Frei für alle.
Entdeckt das Staffellauf-Archiv mit +45 reflektierenden Streaming-Kolumnen.

Lieblingsstream: Dark Winds – Der Wind des Bösen (Staffel 1, 2017)
Ilka Bröskamp
Ich habe eine große Schwäche für atmosphärische Thriller. Dient als Kulisse dann noch der Südwesten der USA, ist es ziemlich sicher um mich geschehen. Dass die AMC-Serie „Dark Winds“ in Deutschland bisher weitestgehend unter dem Radar läuft, kann ich mir nur dadurch erklären, dass sie lange Zeit zwischen Bachelor-Dates und tropischen Beziehungsexperimenten im Reality-Algorithmus von RTL+ kaum glänzen konnte. In den USA lief im März bereits die 4. Staffel, während ich hier den noch unbekannten Deutschlandstart der neuen Folgen herbeisehne. Höchste Zeit, dem Crime-Drama Aufmerksamkeit zu schenken.
Wir befinden uns in New Mexico, Anfang der 1970er-Jahre. Im Navajo-Reservat klärt Lieutenant Joe Leaphorn (Zahn McClarnon) komplexe Kriminalfälle auf. Morde fallen dabei eigentlich nicht in den Zuständigkeitsbereich der Tribal Police. Damit die Verbrechen an Indigenen aber überhaupt eine Chance auf Aufklärung finden, hat Leaphorn sich auf eine ebenso notwendige wie konfliktreiche Kooperation mit dem FBI eingelassen. An seiner Seite ermitteln der frisch von der FBI-Akademie ins Reservat zurückgekehrte Jim Chee (Kiowa Gordon) und die Polizistin Bernadette Manuelito (Jessica Matten).
Tony Hillermans Romanreihe „Leaphorn & Chee“ dient als Vorlage für die Serie, deren Verfilmung von Robert Redford und George R. R. Martin vorangetrieben wurde. Vom Writers Room, über Regisseur Chris Eyre bis zum Cast sind an der Show ansonsten überwiegend Menschen mit indigenen Wurzeln beteiligt.
Wer geballte Action in gewohnter Wild-West-Manier erwartet, dürfte allerdings enttäuscht werden. Die Serie nimmt sich Zeit, ihre Handlung aufzubauen, einzelne Erzählstränge zu verweben und die Entwicklung ihrer Figuren zu zeichnen. Dennoch ist die Spannung immer präsent und ergibt sich nicht nur aus den laufenden Ermittlungen, sondern auch aus dem kulturpolitischen Kontext, in den diese eingebettet sind. Aktuelle Verbrechen stehen dabei immer auch in Bezug zur Vergangenheit, der schmerzhaften Geschichte der Diné (Selbstbezeichnung der Navajo) und den bis heute bestehenden Konflikten zwischen indigener Gemeinschaft und US-Staat.
Neben spektakulärem Setting und dichtem Plot, der gekonnt gewohnte Ermittlungsarbeit mit übernatürlichen Elementen und spirituellen Motiven der Navajo-Kultur mischt, sind es vor allem der Cast und die vielschichtigen Figuren, die mich an dieser Serie begeistern. Innere Konflikte und Beziehungen entfalten sich langsam und gewinnen so eine besondere Tiefe. Leaphorn wirkt stark, zeigt sich im Zusammenspiel mit seiner Frau Emma (Deanna Allison), aber auch verletzlich und hätte mit McClarnons ruhiger, kraftvoller Präsenz kaum besser besetzt sein können. Gordon macht die innere Zerrissenheit des ehrgeizigen, nach Zugehörigkeit suchenden Ermittlers Chee mit viel Feingefühl greifbar, während Matten die oft furchtlose Bernadette, die sich weder von gesellschaftlichen Erwartungen noch von Autoritäten einschüchtern lässt, zugleich entschlossen, klug und nahbar verkörpert.
Ihr könnt die ersten drei Staffeln von „Dark Winds“ aktuell bei RTL+ und Netflix streamen. Überprüft die dauerhafte Verfügbarkeit via werstreamt.es.
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Handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
André Pitz & Leya Lourenco
Wir haben diese Woche hunderte neue Filme, Serien und Dokus gesichtet. Hier sind die fünf Highlights, die wir euch ans Herz legen:
This Is Us – Das ist Leben (Staffel 1, 2016)
Läuft bis 10.09.26 beim ZDF, FSK 12, Dauer: 42 Min., zum Trailer
➜ Multigenerationales Familiendrama als Vexierspiel
➜ Mehrfach preisgekrönte Serie von Dave Fogelman mit unter anderem Sterling K. Brown, Milo Ventimiglia, Mandy Moore und Chrissy Metz
➜ Ein aufrichtig schonungsloser wie anerkennder Blick auf die vermeintlich kleinen Bewegungen in Familiengeflechten
Joan (Miniserie, 2024)
Läuft bis 05.07.26 in der ARD-Mediathek, FSK 12, Dauer: 46 Min., zum Trailer
➽ (Überlebens-)Kampf einer Mutter im Gewand eines True-Crime-Heists
➽ BAFTA-nominierte Miniserie mit Sophie Turner, basiert auf eine wahren Begebenheit
➽ Packende wie berührende Geschichte über patriachale Gewalt und Selbstermöchtigung, die heute genauso relevant ist wie in den 1980ern
Doppelhaushälfte (Staffel 1-4, 2022-24)
Läuft bis 28.04.27 beim ZDF, FSK 12, Dauer: 30 Min., zum Trailer

➩ Schwarzhumorige Comedy-Serie über zwei grundverschiedene Familien, die sich eine Doppelhaushälfte teilen
➩ Mehrfach für den Deutschen Fernsehpreis nominiert, mit Milan Peschel, Minh-Khai Phan-Thi, Maryam Zaree und Benito Bause
➩ Gesellschaftskomödie über Vorurteile, Woke-Sein, den Schein und ihn zu wahren
Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses (1988)
Läuft bis 22.06.26 bei Arte, FSK 16, Dauer: 120 Min., zum Trailer
➤ Südstaaten-Thriller vor der Kulisse der US-Bürgerrechtsgeschichte
➤ Siebenfach oscarnominierter Film mit dem Goldjungen für Kameramann Peter Biziou
➤ Packender Thriller über die Ausmaße rassistischer Gewalt in den US-Südstaaten der 1960er
Good Bye, Lenin! (2003)
Läuft bis 30.06.26 in der ARD-Mediathek, FSK 6, Dauer: 116 Min., zum Trailer
➺ Tragikomödie über einen Sohn, der nach dem Mauerfall die DDR für seine kranke Mutter am Leben erhält
➺ Wolfgang Beckers preisgekrönter Publikumserfolg mit Daniel Brühl in der Hauptrolle
➺ Ein warmherziger Film über den Halt, den uns Heimat gibt
💡 Nach diesen Kriterien wählen wir unsere Tipps aus.

Eine Stadt, in der plötzlich alle erblinden. Die Frage, warum 30 Minuten Lob bei Studierenden 30 Prozent bessere Testergebnisse erzeugen. Und eine süditalienische Küche, die selbst Berlin in 300 italienischen Restaurants nicht kennt. Die neue Folge von „Die Zeitgenossen“ liefert wieder genau das, was Algorithmen nicht können.
Christoph Raethke beginnt mit José Saramagos „Die Stadt der Blinden“ — dem einzigen Nobelpreis-Werk aus Portugal, das gleichzeitig literarische Tiefe und Horror-Tempo beherrscht. Eine Seuche, die niemand erklärt. Eine Frau, die als Einzige noch sehen kann und genau deshalb alles ertragen muss, was die anderen nur hören. Christoph erzählt, warum dieses Buch und sein weniger bekannter Nachfolger „Die Stadt der Sehenden“ gemeinsam gelesen werden müssen — und warum das, was die Heldin von allen unterscheidet, ihr größter Fluch ist.
Stefanie Palomino geht im Gegenzug einer Frage nach, die sich jede Person stellt, die schon mal länger in Spanien gelebt hat: Warum nennen einen wildfremde Menschen am Marktstand „mi reina“ (meine Königin) oder „guapa“ (Schöne)? Und warum würde das einer deutschen Verkäuferin nie über die Lippen kommen? Sie fächert die sprachlichen Unterschiede auf, zieht den Bogen zur römischen Marktplatzkultur, die den Süden bis heute prägt und zeigt mit einer überraschenden Studie, was tägliches Gelobtwerden tatsächlich mit Menschen macht.
Dazu Christophs vierwöchiger Roadtrip durch Namibia und ein Loblied auf die apulische Küche, die er zum kulinarischen Mysterium des Jahres erklärt hat.
Wir empfehlen euch die neue Folge vom „Die Zeitgenossen“-Podcast, weil ihre Haltung zu unserer passt: Einordnung statt Aufzählung.
„Die Zeitgenossen“ läuft bei YouTube, Spotify und wo ihr eure Podcasts hört.

Darüber diskutieren wir
Sobald man anfängt, darüber nachzudenken, fällt es einem wie Schuppen von den Augen: es gibt einfach viel mehr Filme von Männern, also schaut man auch mehr davon. Drüben in der Community wurden schon Vergleiche zu Büchern gezogen, wo das ganz und gar nicht der Fall ist und man automatisch ausgewogener liest. Shelfd Redaktionsleiter André hat seinen ganzen eigenen Take dazu ergänzt:
„Ich glaube, je länger man beruflich über Filme schreibt oder auch ganz konkret film- und kulturkritisch arbeitet, rutscht der Fokus irgendwann ganz automatisch auf die Macher:innen und weniger an das „ausführende Personal“, also die Schauspieler:innen.
Und wenn man dann Filme nicht mehr nur nach Interesse, sondern eben auch aus beruflicher Notwendigkeit auswählt bzw. auswählen muss, bekommt das Geschlechterverhältnis schnell Schlagseite – eben weil die ganze Branche so schiefliegt.
Deshalb lese/höre/schaue ich so gerne Kolleg:innen, die durch eine feministische Linse auf Branche und Filme blicken.“
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Bis nächste Woche Freitag!
Happy Streaming,
Team Shelfd


