2017 war ein großes Jahr für bekennende „Star Trek“-Fans wie mich. Denn nach drei Reboot-Kinofilmen sollte das Universum endlich auch wieder in Serienform beackert werden – und zwar mit „Star Trek: Discovery“. Mal ganz abgesehen davon, dass die Serie meiner Meinung nach letztlich keine sonderlich gute Richtung eingeschlagen hat, war mein ganz persönlicher Hype damals enorm – und zwar so sehr, dass ich damit begonnen habe, einen wöchentlichen Recap-Podcast zu hören. (Grüße an „Discovery Panel“ gehen raus!)

Das ist jetzt fast zehn Jahre her und derartige Formate gibt es mittlerweile zu so ziemlich jeder Serie, die von mehr als zwei Menschen geschaut wird. Ich mag diese Welt, in der jede:r voll im eigenen Nerdtum aufgehen kann und dabei auch Gemeinschaft durch eine eigene Community um sich und die eigene Lieblingsserie herum erfahren kann. Selbst Serienbeteiligte haben das für sich entdeckt: Zum Beispiel schauen sich Zach Braff und Donald Faison mit „Fake Doctors, Real Friends“ noch einmal durch den ersten Run von „Scrubs“. Auch die Crew von „It's Always Sunny in Philadelphia“ hat mal zusammen einen Blick auf vergangene Staffeln geworfen.

Die Nische im Visier

Doch damit, in Einklang mit dem generellen Wachstum auf dem Podcastmarkt, geriet diese ehemalige Nische der Recap- und Companion-Podcasts auch ins Auge derjenigen, die für die Serien selbst verantwortlich sind. Früh mit dabei war etwa Apple, die immer zur jeweils aktuellen Episode einer Serie – von „Little America“ über „Foundation“ und „For All Mankind“ bis zu „Pluribus“ – eine begleitende Besprechung als Podcast veröffentlichen.

Warum ich das Thema gerade jetzt hier im Staffellauf aufgreife, liegt wiederum an HBO Max. Jüngst machte nämlich die Meldung die Runde, dass anlässlich des breiten Europastarts des Streamers auch ein umfassendes Podcastportfolio an den Start gehen soll – zu „Game of Thrones“, „The Last of Us“, „The Pitt“ oder dem „Harry Potter“-Universum. „Yay, mehr Zeit mit meinen liebsten Serienfiguren!“, könnte man darüber denken.

Und ich verstehe das total. Anfangs habe auch ich das für eine gute Idee gehalten. Doch im Laufe der Zeit stand ich dem nur noch gleichgültig gegenüber. Und heute? Heute lehne ich das mit jeder Faser meines Körpers ab.

Denn mittlerweile stellt sich mir nur noch diese eine Frage:

„Was, wenn alles nur noch Werbung ist?“

Podcasts wie „Discovery Panel“ wurden aus reiner Fanleidenschaft heraus geboren. Sie verfolgen in der Regel keine rein kommerziellen Interessen, leben von der Unterstützung der Community und zeichnen sich durch ein enormes Maß an Expertise aus. Genau das macht diese Podcasts so hörenswert: Hier sitzen echte Fans, aber auch Expert:innen vor den Mikrofonen, die im Zweifelsfall mit ihren Serien und deren Macher:innen auch hart ins Gericht gehen.

Doch nun drängen genau diese Macher:innen mit einem disproportional Vielfachen an Budget und Backstage-Zugang auf den hart umkämpften Markt der wertvollen Zeit in all unserer Kopfhörer. Das – auf jeden Fall mein – Problem ist: Diese offiziellen Podcasts stehen in jedem Podcatcher erst einmal gleichberechtigt neben unabhängigen Fanprojekten und klassisch journalistischen Formaten – obwohl es für diese Inhalte nur eine Bezeichnung geben kann: Werbung!

Sie dienen nicht dazu, eine Serie kulturkritisch zu besprechen, einen unabhängigen Einblick in die Produktionsbedingungen zu ermöglichen oder den kreativen Köpfen auf den Zahn zu fühlen. Sie dienen ausschließlich dazu, den Gegenstand ihrer „Berichterstattung“ in das bestmögliche Licht zu rücken, als Abomagnet zu positionieren und damit sprichwörtlich zu vergolden.

Konzerne wie Apple oder Warner Bros. Discovery, zu dem HBO Max gehört, haben längst erkannt, dass sie die (im Zweifelsfall kritischen) Mittelsmenschen nicht mehr (lange) brauchen. Wozu noch Kritiker:innen-Liebling werden, wenn man sich den Anschein einer Besprechung von außen auch einfach gegen ein paar Dollar selbst konstruieren kann?

Wider dem Konzerndiktat!

Nun will ich niemandem verbieten oder den Genuss absprechen, solche offiziellen Companion-Podcasts zu hören. Ich will nicht mal in Abrede stellen, dass durch die dort angezapften, exklusiven Zugänge nicht doch die eine oder andere interessante Information zu unseren Ohren durchdringt.

Mir geht es um das größere Bild, um eine gar nicht so weit entfernte Zukunft, in der nicht nur die Kunst und/oder Unterhaltung von Konzernen kommt, sondern uns auch noch von ihnen vorgeschrieben wird, wie wir uns mit diesen Inhalten im Anschluss mangels Alternativen auseinandersetzen sollen.

Wer sich durch meine vergangenen Staffelläufe klickt, wird merken, dass ich gerne mal zuspitze und die großen Brötchen backe. Aber es geht mir hier tatsächlich ums Prinzip: Wenn ein Inhalt ganz klar Werbung oder zumindest interner Teil einer Marketingstrategie ist, konsumiere ich ihn aus Prinzip nicht – egal, wer daran beteiligt ist und welche exklusiven Insights ich dadurch verpasse.

Ihr müsst es mir nicht nachmachen. Aber es würde mich freuen, wenn auch ihr immer kritisch klickt, wenn es ums nächste Podcastabo geht.

Happy Streaming,
André

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