Staffellauf #101 von Julia Mähl • 08. Mai 2026
Wer unser Magazin regelmäßig liest und verfolgt, erinnert sich vielleicht noch an die Ausgabe, in der David über Sehnsuchtsorte in Filmen sinnierte. In seinem Staffellauf ging es um Bilder, die Filme kreieren, und nach denen wir uns verzehren. Das Gefühl, dass solche Filme, ihre Protagonisten und Schauplätze vermitteln, das wollen wir selbst erleben.
Eine ähnliche Richtung möchte ich heute auch einschlagen. Aber dafür muss ich einmal kurz erklären, was ich mache und vor allem, wo ich mich gerade befinde.
Ich reise seit etwa fünf Wochen durch Kolumbien, tippe diesen Staffellauf gerade auf einer fünfstündigen Busfahrt von Santa Marta nach Cartagena. Ich war in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá, im verschlafenen Strandort Palomino, in der Kaffeeregion rund um Salento und selbstverständlich auch im pulsierenden Medellín. Ich habe die Kultur, das Essen, die Menschen kennengelernt und mich – um ehrlich zu sein – auch ein bisschen in das Land verliebt.
Pablo Escobar als Reisebegleiter
Was das Ganze mit Streaming zu tun hat? Ich will es euch verraten: Gleich zu Beginn der Reise haben wir – ich reise nicht alleine, sondern mit meinem Mitbewohner zusammen – begonnen, „Narcos“ zu schauen. Ich hatte die Serie zuvor noch nie gesehen, kannte Pablo Escobar nur vom Namen her, aber wirklich mit ihm beschäftigt habe ich mich nie.
Während wir also durch Kolumbien reisten, begleitete uns die Serie Tag für Tag. Alle meine anderen Dauerbrenner und auch die Neuerscheinungen habe ich zu Beginn der Reise auf Pause gesetzt. „Narcos“ war also das Einzige, was ich in dieser Zeit gestreamt habe. Keine Filme, keine Serien und auch kein Reality-TV. Eine völlig neue Erfahrung für mich. Und nicht nur das: Können wir bitte mal darüber sprechen, wie faszinierend es ist, eine Serie (oder einen Film) zu schauen, der in dem Land spielt, in dem man sich gerade befindet? Gerade, wenn das Land, die Politik und die Geschichte so eine große Rolle spielen wie in der Serienwelt rund um Pablo Escobar.
Streaming mit unserem Alltag, unseren Erlebnissen und neuen Erfahrungen zu verbinden, hat auf mich eine komplett andere, fast schon sogartige Wirkung – sei es, weil man Orte wiedererkennt, weil man ein Essen probiert, das man zuvor nur auf dem Bildschirm gesehen hat, oder weil man während des Streamens auf ganz andere Art in die Geschichte eintaucht.
Was macht der Ort mit dem Stream?
Ich weiß, ich hätte „Narcos“ auch zu Hause in Deutschland gerne gesehen, hätte mich auch vom Sofa aus mitreißen lassen – aber anders. Ich wäre nicht so sehr darin aufgegangen, hätte mich vielleicht weniger intensiv damit beschäftigt. Wäre auch gar nicht möglich gewesen, mal eben schnell ins Pablo-Escobar-Museum in Medellín zu schauen.
Und genau deswegen plädiere ich an der Stelle für mehr kontextbezogenes oder situatives Streaming. Weil es mitreißt, weil es Fragen aufwirft, weil es einfach passt. Ich kann natürlich auch jede und jeden verstehen, der im Urlaub einmal komplett auf Detox setzt. Aber wenn man schon auf Play drückt, dann doch am besten bei einem Film oder einer Serie, die den eigenen Aufenthalt ergänzt, statt ihn zu unterbrechen.
Übrigens: Mein nächster Trip ist tatsächlich schon geplant. Ihr könnt euch also sicher sein, dass ich mir unter der Sonne Athens erst mal „Zimt und Koriander“ vom griechischen Regisseur Tassos Boulmetis anschauen werde. Und vielleicht auch „Mamma Mia“ – eins und zwei versteht sich. Dazu gibt’s dann Ouzo und frische Mezedes!
Die Frage an euch
💬 🍿 Weiter geht's in der Shelfd Streaming-Community:
- Schaut ihr anders, wenn ihr unterwegs seid, oder legt ihr bewusst eine Pause ein?
- Findet ihr auch, dass Streaming uns im Alltag begleiten kann?
Bringt euch mit ein in die Diskussion.
Happy Streaming,
Julia
