Billy Joel begleitet mich eigentlich schon, seit ich denken kann. Seine Musik lief in meiner Kindheit und ist für mich deshalb weniger mit einem bestimmten Lebensabschnitt als mit ganz vielen kleinen Erinnerungen verbunden. Umso gespannter war ich auf „Billy Joel: And So It Goes“ – eine knapp fünfstündige, zweiteilige Dokumentation von Susan Lacy und Jessica Levin, die sich nicht nur durch seine größten Hits arbeitet, sondern durch sein ganzes Leben: seine Kindheit auf Long Island, die ersten Jahre als Musiker, seine komplizierten Familienverhältnisse, Beziehungen, Alkoholprobleme und die Höhen und Tiefen seiner Karriere.
Besonders schön fand ich, dass die Doku immer wieder bei den Geschichten hinter den Songs landet. „Vienna“ zum Beispiel bekommt plötzlich eine viel tiefere Bedeutung, als Billy Joel von seinem Vater erzählt: Ein klassisch ausgebildeter Pianist, der seine Familie verließ, nach Wien zog und erst Jahre später, in den frühen 1970er-Jahren, wieder Kontakt zu seinem Sohn fand. Jahrzehnte später spielten sie sogar gemeinsam auf der Bühne Klavier. Dass ausgerechnet dieser Besuch in Wien später zu einem seiner bekanntesten Songs führte, hat mich wirklich berührt. Überhaupt sind es diese Verbindungen zwischen Biografie und Musik, die den Film für mich so interessant machen: Hinter Liedern, die man seit Jahren kennt, tauchen plötzlich Menschen und Situationen auf, die ihnen eine neue Farbe geben.
Dabei versucht „And So It Goes“ gar nicht, Billy Joel zum makellosen Genie zu verklären. Seine Suizidversuche, seine Alkoholabhängigkeit, gescheiterte Beziehungen und die schwierigen Phasen seiner Karriere werden durchaus angesprochen. Gleichzeitig bleibt Joel selbst erstaunlich zurückhaltend – gerade deshalb wirken manche seiner persönlichen Geschichten umso stärker. Dazu kommen jede Menge Archivmaterial, alte Familienaufnahmen und Interviews mit Menschen, die ihn über Jahrzehnte begleitet haben. Am Ende hatte ich wirklich das Gefühl, den Menschen hinter der Ikone zu kennen, was bei Star-Dokus inzwischen selten ist.
Fast fünf Stunden sind natürlich eine Ansage. Aber für jemanden wie mich, dessen Zugang zu Billy Joel nicht erst mit dieser Doku entstanden ist, sondern über Jahre und Generationen gewachsen ist, hat sich die lange Reise gelohnt. Und auch wer mit Billy Joel nicht ganz so viel anfangen kann, wird daran erinnert, dass seine Lieder, die wir mittlerweile wie selbstverständlich mit uns rumtragen, oft eine viel kompliziertere Geschichte haben, als man ihnen anhört.
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🔍 Wollt ihr tiefer eintauchen? Wir haben euch die spannendsten Analysen, Interviews und Hintergründe zusammengestellt. Das ist der Unterschied zwischen Wissen, dass sich die Doku lohnt und verstehen, warum sie zählt:
Deep Dive: Links zur weiteren Auseinandersetzung
- 💬 Billy Joels deutsch-jüdische Familiengeschichte und seine Beziehung zu Deutschland (Bayerischer Rundfunk)
- 🎙️ Joels erste Ehefrau und frühe Managerin Elizabeth Weber über ihre Beziehung und Rolle in seiner Karriere (Awards Radar | 19 Min.)
- 🎦 Billy Joel im Interview mit Rick Beato über sein Songwriting, klassische Musik und seine Karriere (Rick Beato | 61 Min.)
- 💬 Ranking der besten 50 Billy-Joel-Songs mit Hintergrundinfos (Rolling Stone)
Interviews und Einblicke von Cast und Crew
- 🎦 Filmemacherinnen Jessica Levin und Susan Lacy über die Entstehung des Films und den Rechercheprozess (Glass Houses: A Billy Joel Podcast | 38 Min.)
- 🎦 Billy Joels Creative Director und Produzent Steve Cohen über ihre langjährige Zusammenarbeit (Documentary First | 44 Min.)
