„What a shame to be 42 years of age and not completely covered in scars. They’re the evidence of a life fully lived.“
Wer dieses Zitat in den vergangenen Wochen im Internet hat rumschwirren sehen, weiß vielleicht schon, worum es heute geht: um die Serie „Shrinking“ (seit 2023), die ich euch heute unbedingt ans Herz legen möchte. Gerade ist die dritte Staffel zu Ende gegangen – der perfekte Anlass also, über diese wundervolle Serie zu sprechen!
Im Zentrum steht Jimmy, gespielt von Jason Segel, ein Therapeut, der nach dem Tod seiner Frau mit seiner Tochter Alice (Lukita Maxwell) allein gelassen wird und komplett aus der Bahn gerät – und nach einem Zusammenbruch beschließt, seine Patient*innen nicht mehr mit professioneller Distanz, sondern mit radikaler Ehrlichkeit zu behandeln. Was erstmal wie eine halbwegs waghalsige Prämisse klingt, entwickelt sich schnell zu etwas viel Größerem: eine Serie über Trauer, Freundschaft, Familie, Selbstsabotage – und die Frage, wie man überhaupt weitermacht, wenn das Leben einem plötzlich den Boden unter den Füßen wegzieht.
Was ich an „Shrinking“ so liebe, ist dieser ganz besondere Ton, den nur wenige Serien wirklich treffen: Sie ist lustig und leicht, und im nächsten Moment doch so zärtlich und traurig, dass man kurz schlucken muss. Diese Mischung aus Humor, Sentimentalität und echter Hoffnung hat mich sofort stark an „Ted Lasso“ (seit 2020) erinnert – was kein Zufall ist, denn die Serie stammt unter anderem von Bill Lawrence und Brett Goldstein, den kreativen Köpfen hinter „Ted Lasso“.
Der Cast ist ein Geschenk. Jason Segel spielt Jimmy mit genau der richtigen Mischung aus Überforderung, Charme und Verletzlichkeit – man sieht ihm beim Scheitern zu, aber auch beim Heilen, beim Dazulernen, und man kann ihn dafür nur lieben. Dazu kommt Jessica Williams als seine Kollegin Gaby, die mit ihrer Wärme und ihrem Timing für einige meiner liebsten Momente sorgt. Und dann ist da natürlich Harrison Ford als Paul, Jimmys älterer Kollege und Mentor: mürrisch, trocken, brillant und mit einer Zärtlichkeit, die man von ihm so selten gesehen hat. Dass Paul mit Parkinson lebt, gibt der Figur zwar eine gewisse Verletzlichkeit, die aber nie effekthascherisch ist – seine Storyline, wie alle anderen auch, wird mit Würde, Wärme und Menschlichkeit erzählt. Das Schöne ist: niemand ist hier allein. Nachbar*innen, Freund*innen, Patient*innen, alle greifen ineinander, geraten in Schwierigkeiten, kommen wieder zusammen. Es entsteht so etwas wie eine gewählte Familie, die sich gegenseitig auffängt.
„Shrinking“ schafft eine perfekte Balance: die Serie ist lustig, ohne sich lustig zu machen, und sentimental, ohne kitschig zu sein. Mir ist dabei aufgefallen, wie selten es geworden ist, dass sich Fernsehen so menschlich anfühlt, so hoffnungsvoll und freundlich. Sie zeigt, dass es so etwas wie Heilung geben kann, ohne so zu tun, als gäbe es einfache Lösungen. Und sie erinnert daran, dass selbst in den dunkelsten, traurigsten Lebensphasen noch Platz ist für Lachen, Nähe und Neuanfänge.
Ihr könnt „Shrinking“ aktuell bei Apple TV streamen. Überprüft die dauerhafte Verfügbarkeit auf werstreamt.es.
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