Neulich habe ich mich im Staffellauf ein bisschen über Hype-Follower*innen ausgelassen. Wer sie gelesen hat, erinnert sich vielleicht noch daran, dass ich darin nicht nur hinterfragt habe, warum mich das stört, wenn alle dasselbe schauen. Sondern auch, dass es für mich ein kleines Downgrade wäre, wenn mein Gegenüber sich lediglich eine Hype-Serie nach der anderen reinziehen würde.
Weil mich das scheinbar nicht ganz losgelassen hat, habe ich mir mal erlaubt, das Ganze etwas weiterzuspinnen. Also bin ich im Kopf ein, zwei Schritte vorwärts gegangen. Oder zurück, wie man es nimmt. Denn erst mal habe ich mich gefragt, ob ich in der Vergangenheit schon mal jemanden zurück in die weiten Dating-Jagdgründe geschickt habe, weil mir der Streaminggeschmack nicht gepasst hat. Glücklicherweise ist die Antwort nein, denn so weit kam es – bisher – noch nicht. Aber – Achtung, steile These – ich würde es tun.
Streit oder Harmonie?
Denn was nicht ist, kann noch werden, und wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin, würde es mir schon wahnsinnig schwerfallen, mit jemandem zusammen zu sein, dessen Streaminggeschmack so gar nicht mit meinem übereinstimmt. Oder noch schlimmer: Der sich überhaupt nicht für Filme und Serien interessiert. Sich jeden Abend darüber streiten zu müssen, was man als nächstes schaut, nur damit am Ende immer einer von beiden lustlos daneben sitzt, einschläft oder nonstop am Handy hängt – danke, aber nein danke. Darauf kann ich gerne verzichten. Denn was ist schöner, als sich am Ende eines Films (oder auch gerne mal dazwischen) leidenschaftlich auszutauschen, zu diskutieren und über Sinn und Hintergrund des Films zu sinnieren? Zuletzt hatte ich das bei der neuen Netflix-Serie „Beef“, die einfach zu zweit viel mehr Spaß macht als alleine.
Natürlich muss nicht alles zueinanderpassen – Geschmäcker sind vielfältig und nur weil jemand mein Faible für Bodyhorror, Geister und Gänsehaut à la „The Substance“, „Obsession“ und Co. nicht teilt, fällt er nicht automatisch von der Liste. Dafür kann ich mir im Zweifel kurzzeitig Ersatz bei Freund*innen suchen, schließlich brauche auch ich nicht jeden Abend einen Horrorfilm zum Einschlafen. (Das wäre auch äußerst bedenklich.)
Bumble-Bio im Bilderrausch
Aber man stelle sich mal vor, da lebt man mit dieser einen Person zusammen und so etwas Essenzielles wie gemeinsam eine Serie oder einen Film zu schauen, ins Kino zu gehen und darüber zu reden, fällt einfach weg. Da muss man, meine ich, die Person schon sehr lieben, um darüber hinwegzusehen. Und dazu würde es eben meiner Meinung nach gar nicht erst kommen. Denn spätestens, wenn ich im Dating merke, dass sich der Gegenpart keinerlei Gedanken zur weiten Welt des Streamings macht, wäre ich raus.
Ein Grund, warum ich mittlerweile in meiner Bumble-Biografie auch Kino als Hauptinteresse angegeben habe und mein Profil mit diversen Filmanspielungen gespickt habe. Nur wer die Referenz checkt, kommt weiter.
Wir halten also fest: Ich möchte mich austauschen, will inspiriert werden, Neues kennenlernen und mich überraschen lassen. Ich möchte an den Lippen des anderen hängen, wenn er leidenschaftlich von seiner neuesten Filmentdeckung erzählt und die Begeisterung spüren, wenn ich ihm das erste Mal meine neue Lieblingsserie zeige. Don’t settle for less, ganz ehrlich.
Happy Streaming,
Julia
