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Achtung, hier folgen Spoiler zur Serie und der Figurenentwicklung.

Darum geht es in „Killing Eve“

Villanelle ist die von Jodie Comer gespielte Auftragskillerin in der Serie „Killing Eve“ (2018-2022), nach der gleichnamigen Romanreihe von Luke Jennings. Titelheldin Eve Polastri (Sandra Oh), Agentin des britischen Geheimdienstes MI5, ist ihr stets dicht auf den Fersen, aber kriegt sie im Verlauf der vier Staffeln niemals richtig zu fassen – zumal sie eigene verdrängte Persönlichkeitsmerkmale immer mehr in Villanelle erkennt und sich in sie verliebt.

Geboren wurde Villanelle als Oksana Astankova in Russland, wo sie von ihrer Mutter in jungen Jahren aufgrund angeblicher Verhaltensauffälligkeiten ins Waisenhaus abgeschoben wurde. Nachdem sie erschreckende Gewalttaten in ihrer Kindheit und Jugend verübt, landete Villanelle im Gefängnis, aus dem sie die mysteriöse Untergrundorganisation „The Twelve“ für Auftragsmorde rekrutierte.

Seitdem reist die Mittzwanzigerin munter durch Europa und erledigt ihre Aufträge mit Präzision, Gewissenlosigkeit und einer unnachahmlichen Verspieltheit, die die ehrgeizige Eve bald auf ihre Spur bringt.


Villanelle im Figuren-Porträt

(c) BBC America

Wie sich aus ihrem eigens gewählten Decknamen ableiten lässt, ist Villanelle eine „villainess“, ein weiblicher Bösewicht. Die Kaltblütigkeit, mit der sie mordet, ihre generelle Empathielosigkeit und ihre Faszination für offene Wunden und Verstümmelungen lassen auf Psychopathie schließen – eine Diagnose, die ihr bewusst ist, aber die sie nicht gern hört. „Sag niemals zu einer Psychopathin, sie sei eine Psychopathin. Es wird sie verärgern“, rät sie Eve im angespannten Zwiegespräch.

(c) BBC America

Zugleich ist Villanelle aber auch eine Sehnsuchtsfigur für ihre zugeknöpfte Gegenspielerin und schließlich auch Love Interest Eve. Hochintelligent und sprachbegabt gleitet Villanelle durch ihre mörderische Welt, in der sie sich ein aufregendes Leben aufgebaut hat, das dem Kampf gegen die unendliche Langweile und innere Leere gewidmet ist, die sie in Wahrheit empfindet: „Die meiste Zeit, fast jeden Tag, da fühle ich… einfach nichts. Ich fühle rein gar nichts. Es ist so langweilig. Ich wache morgens auf und denke: Nicht schon wieder.“

(c) BBC America

Ihre scheinbare Gefühllosigkeit ist in vielerlei Hinsicht tragisch, aber bedeutet zugleich, dass sie auch vor Empfindungen wie Scham, Angst und Reue gefeit ist. Wie andere Menschen über sie urteilen, ist ihr (wie so vieles) gleichgültig.

Ihre Nonchalance ist zugleich bestürzend und witzig, die Selbstverständlichkeit, mit der sie ihre Sexualität auslebt, erfrischend und ihre Vorliebe für extravagante und flamboyante Outfits bestaunenswert. „Ich bin ein Regenbogen – in einer Welt voller beiger Menschen“, fasst Villanelle selbst die Faszination zusammen, die sie auf andere Menschen ausübt.

Nichtsdestotrotz verkommt sie niemals zu einer reinen Projektionsfläche im Verlauf von Killing Eve, sondern lässt in flüchtigen Momenten eine seelische Tiefe erahnen, die für Eve wie das Publikum bis zuletzt unergründlich bleiben soll.

Was uns Villanelle lehrt

(c) BBC America

1. Vielsprachigkeit

„Sprache ist Information und Information ist alles“, hat ihr ihr Betreuer Konstantin eingebläut und Villanelle hat es beherzigt. Neben Russisch und Englisch spricht sie auch noch Französisch, Spanisch, Deutsch und Italienisch fließend – und ansatzweise Mandarin. Das hilft ihr nicht nur dabei, einfacher an Informationen zu gelangen, sondern verleiht ihr eine ungeheure Selbstsicherheit bei ihren vielen Auslandsaufenthalten.

2. Stilsicherheit

Farbenfrohe Kleider, gewagte Muster, dandyhafte Anzüge: Die Designer-Outfits, die Villanelle in „Killing Eve“ trägt, sind häufig atemberaubend schön und extravagant. Zugleich dienen sie aber weder dem ‚male gaze‘, noch möchte sich Villanelle als Fashionista beweisen.

Eine Influencerin, die sie in Amsterdam für ihren Insta-Channel ablichten will, weist sie angewidert ab und entgegnet ihr ein „Get a real life.“ Die einzige Bestätigung, die Villanelle für ihr Äußeres sucht, ist ihre eigene.

3. Die Stehauf-Frau

So furchtlos Villanelle auch ist, hat sie im Verlauf von „Killing Eve“ dennoch diverse Rückschläge zu verkraften. Doch die Neuanfänge, die daraufhin folgen, weiß sie zu zelebrieren.

Nach einer herben Zurückweisung seitens Eve, sucht sie etwa einen Parfümeur auf und weist ihn sehr genau zu einer Duftkomposition an: „Ich will den Geruch eines römischen Centurios, der einem alten Widersacher begegnet, der ihn einst besiegte und schwer verletzte. Doch der Centurio war alles andere als untätig. Er stieg auf und wurde Imperator – und ist nun im Besitz unendlicher Macht.“ Das ist bemerkenswert spezifisch, aber auch: visionär.

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