Es gibt Serien, da braucht es den menschlichen Austausch vor und nach jeder Folge. Aber was passiert, wenn der Binge-Watching-Partner in den Rückstand gerät und nachgucken muss?

Aber bevor ich mich der Antwort widme: Hi, ich bin Klaas, neu in der Autor*innenrunde von Shelfd, und schreibe gerne über Filme, Musik und Kultur für große und ganz kleine Medienhäuser. Nebenbei fotografiere ich beruflich Immobilien, Reise so oft es geht und spiele nach Feierabend in einer recht renitenten Punkband.

„Ich glaube, ich muss ins Bett“

Aber jetzt zur Sache: Wir lieben es wirklich, eine Serie in unseren Feierabend zu integrieren. Eine neue Staffel auf der Watchlist und dann geht es los. Blöd nur, wenn der eigene Arbeitstag ein ziemlich anstrengender war, und die Serie vielleicht nicht das Feuer versprüht, mit dem so Knaller wie „The Bear: King of the Kitchen“, „Man On Fire“, „The Walking Dead“ oder „Snowfall“ einen förmlich am Schirm festkleben.

Zuletzt ist es wohl bei „The Night Manager“ passiert: „Ich glaube, ich muss ins Bett“, sagte die Partnerin nach zirka zwanzig Minuten in der zweiten Staffel. Kollegial wäre es natürlich nun, abzuschalten und vielleicht irgendwas Plätscherndes aus der eigenen Special-Interest-Blase zu gucken, aber dann ist die Neugier natürlich doch meist zu groß. Und die Partnerin lässt es geschehen, denn es war ja auch oft genug andersrum.

Spoiler-Alarm!

Am nächsten Morgen gibt es dann zwischen Badezimmer und Homeoffice keinen kurzen Austausch, weil: Spoiler-Alarm! Und im schlimmsten Fall hat man selbst am Vorabend nicht nur die gemeinsam angefangene Folge zu Ende geguckt, sondern konnte es sich nicht verkneifen, noch eine Folge dranzuhängen. Folglich schaut die Partnerin am Abend die ein oder zwei Folgen nach, während man selbst im Arbeitszimmer noch ein bisschen länger macht, oder vielleicht ein Buch liest, unablässig auf die Uhr starrend, wann man denn wieder back in the game ist.

Meistens klappt es ganz gut, und wir kommen wieder gemeinsam in die Binge-Watching-Spur. Vielleicht liegt es auch daran, dass unsere Tage relativ ähnlich getaktet sind, wir haben weder Nacht- noch Wochenendschichten, keine längeren Auslandsaufenthalte oder müssen um 3 Uhr morgens zur Frühschicht antreten. 

Und auch wenn es stimmt, dass manche Serien schlicht eine bessere Stream-Partner-Sogwirkung entfalten als andere, glaube ich nicht, dass dass ein grundsätzliches Qualitätsmerkmal für gute oder schlechte Serien ist. Es hat viel mit der eigenen Verfassung zu tun, wie man den Tag verarbeitet hat und wie gut man am Abend vom Alltag abschalten kann.

Spin-Offs spalten die Beziehung

Es gibt jedoch auch Serien, bei denen das gemeinsame Binge-Watching irgendwann eskaliert. Das Stichwort lautet dabei meistens „Spin-off“. Denn wenn man irgendwann zu stark auseinanderdriftet und der Partner schon angefangen hat, das erste Spin-off der Ursprungsserie zu gucken, während man selbst noch in der finalen Staffel des Originals festhängt, ist der sprichwörtliche Zug abgefahren.

Da bringt es dann auch nichts zu schummeln, die kurze, erzählte Zusammenfassung des Binge-Co-Piloten ersetzt halt nicht das eigene Seherlebnis. Und so kommen wir bei manchen Serien zu unterschiedlichen Endergebnissen, manchmal gibt einer auf, manchmal kommen wir erst nach einem halben Jahr zu einem klärenden Gespräch zu einer Serie, da hat der Partner, der zuerst am Ziel war, dann meist schon wieder einige Handlungsstränge vergessen.

Getrennte Wege gehen

Glücklicherweise verfügen wir (wie viele Haushalte heutzutage, schätze ich) natürlich über mehrere „Endgeräte“, die Streaming möglich machen. Ich kann also parallel zum Fernseher im Wohnzimmer auch das Tablet am Küchentisch, das Macbook im Arbeitszimmer, oder den Firmenlaptop im Homeoffice-Raum meiner Partnerin (der gleichzeitig auch unser Schlafzimmer ist) anschmeißen, um etwas verpasste Streaming-Strecke gutzumachen.

Aber, na klar, das ist irgendwie nicht das gleiche Streamingerlebnis. Vor allem, weil die typischen Begleitdialoge fehlen. Auch Begeisterungsrufe, Angstschreie oder lautes Gekicher machen alleine nur halb so viel Spaß. Darüber hinaus fehlen mir die Momente, in denen meine Partnerin mich schief anguckt, weil ich Figuren durcheinanderbringe oder schlichtweg nicht mehr weiß, aus welchem Film oder aus welcher Serie ich den Hauptdarsteller einer neuen Serie denn eigentlich nochmal kenne.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich Serien – und auch Filme – weniger nach Schauspielern und dem großen Flow in Erinnerung behalte, sondern vielmehr durch einzigartige Sequenzen oder unerwartete Wendungen in der Story. Aber das behalte ich beim Partner-Streaming meist für mich, damit wir nicht schon wieder von der Spur abkommen.

Happy Streaming,
Klaas

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