Die Gretchenfrage, ob Film oder Serie die bessere Art des Streamens ist, muss wohl jeder für sich selbst beantworten. Und auch wenn ich mehr Filme gucke und als Medium grundsätzlich bevorzuge, haben Serien dennoch einen Vorteil: Sie können sich mehr Zeit für ihre Figuren nehmen. Wir können etwa stärkere Beziehungen aufbauen, wie ich zu Christina Yang bei „Grey's Anatomy“ (2005–heute), oder jahrelang beobachten, wie sich das Wesen einer Figur entwickelt, wie bei Sansa Stark in „Game of Thrones“ (2011–2019). Eine weitere Serie, die davon zeugt, ist die erste Staffel von „Big Little Lies“ (2017).
Monterey, Kalifornien. Die wohlhabende Küstenstadt wirkt perfekt, genauso wie das Leben der Mütter, die hier wohnen. Als die alleinerziehende Jane (Shailene Woodley) in die Stadt zieht, wird sie von Madeline (Reese Witherspoon) und Celeste (Nicole Kidman) in ihren Kreis aufgenommen. Doch schon am ersten Schultag gibt es einen Vorfall, der die Gemeinschaft spaltet und dessen Konsequenzen sich nach und nach entfalten.
„Big Little Lies“ ist nach der Buchvorlage von Liane Moriarty entstanden. Es geht um oberflächliche Vorstadtstreitereien, die eigentlich nur von den Erwachsenen ausgetragen werden, die aber ihre Kinder als Vorwand dafür nehmen, was wirklich lustig ist. Erstmal dahintergestiegen, geht es um viel ernsthaftere Themen wie häusliche Gewalt, Zusammenhalt und ganz besonders darum, den Schein zu wahren.
Jede Folge leitet Michael Kiwanuka mit seinem unvergesslichen Lied „Cold Little Heart“ ein. Dieses Intro (was eines meiner Alltime-Favoriten ist) gibt schon einen Vorgeschmack auf den gelungenen Look der Serie. An der Inszenierung der kalifornischen Küste und den dekadenten Häusern, die über ihr thronen, konnte ich mich gar nicht sattsehen. Auch die musikalische Untermalung, die hauptsächlich die Tochter von Reese Witherspoons Figur Chloe bestimmt, erzeugt zusammen mit den Bildern eine immersive Erfahrung.
Die Figuren der Serie sind zwar teilweise oberflächlich und etwas bekloppt, aber dennoch ist ihr Verhalten in gewisser Weise nachvollziehbar. Wir bekommen eine Erklärung geboten und dadurch auch die Entscheidung, sie zu mögen oder auch nicht. Unerwähnt möchte ich nicht die Performances der Schauspieler*innen lassen, die uns diese Welt glaubhaft machen und besonders Nicole Kidman, Laura Dern und Adam Scott hervorheben. So wird „Big Little Lies“ zu einer Serie, die durch ihr Setting unterhält, durch ihre Themen berührt und durch ihre technisch perfekte Inszenierung fesselt.
Ihr könnt „Big Little Lies“ (Staffel 1) aktuell bei HBO Max streamen. Überprüft die dauerhafte Verfügbarkeit via werstreamt.es.
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