Wir erleben es immer wieder: Da kommt eine neue Serie auf den Markt, und auf einmal spricht das halbe Internet von nichts anderem mehr. Memes und Szenenausschnitte auf Social Media, Kolumnen und Besprechungen in den Medien, Analysen, Vergleiche… Alles ist voll damit. Entkommen? Keine Chance. Ignorieren? Unmöglich. 

Wer sich in den vergangenen Wochen auch nur ansatzweise auf Instagram, TikTok oder einfach generell im Internet bewegt hat, weiß vermutlich schon, worauf ich hinaus möchte. Ich spreche natürlich von „Off Campus“, der Prime-Video-Serie, die auf den Romance-Büchern der amerikanischen Schriftstellerin Elle Kennedy basiert und die quasi über Nacht durch die Decke gegangen ist.

Wer die Serie nicht gesehen hat: Im Mittelpunkt stehen Hannah (Ella Bright) und Garrett (Belmont Cameli), er ist Eishockey-Star und Frauenheld, sie zählt zu den smarten Kids und will Komponistin werden. Um das zu bekommen, was sie wollen – bessere Noten an der Uni und ein Date mit dem heißen Leadsänger – schließen die beiden den Pakt, sich gegenseitig zu helfen. Wer auch nur eine New-Adult-Romance in seinem Leben gelesen hat, ahnt natürlich, wohin die Reise geht. 

Doch es ist nicht die Storyline, die bei „Off Campus“ für diese außerordentliche Begeisterung sorgt. Es sind die starken Figuren, die alles andere als toxisch handeln und die einem ans Herz wachsen. Es ist die Handlung, die ganz ohne unnötiges Drama auskommt. Und es sind die liebevollen Freund*innenschaften und gesunden Beziehungen, von denen man sich nur eins wünscht: mehr. 

Ich gebe also gerne zu: Auch wenn ich sonst modernen New-Adult-Verfilmungen nur wenig abgewinnen kann, hat „Off Campus“ mich kalt erwischt. Oder eher heiß erwischt. Und nicht nur ich, sondern auch mein halber Freundeskreis brennt für diese Serie, die zeigt, was gesunde Filmliebe alles kann. 

Doch gerade, weil sich in meiner Bubble alles um diese Serie dreht, hat sich bei mir noch ein ganz anderer Gedanke aufgetan und ich frage mich: 

„Was macht das eigentlich mit mir, wenn eine Serie auf einmal so gehypt wird?“

Erinnern wir uns mal zurück an andere Serien, die einem ähnlichen Phänomen unterlagen: „Breaking Bad“, „Haus des Geldes“, „Squid Game“, „Game of Thrones“,… Euch fällt sicher noch mehr ein. Mir auch, aber belassen wir es mal dabei, denn ihr wisst, worauf ich hinaus möchte. Denn vermutlich geht es euch als Leser*innen genauso wie mir, die meisten dieser Serien hat man gesehen. Und sie waren auch größtenteils gut – keine Frage. 

Aber da ist dieser kleine, eitle Teil in mir, der sich denkt: Wer NUR diese Serien gesehen hat, dem fehlt doch was? Und – noch etwas kontroverser –: Hat man überhaupt Geschmack, wenn man ausschließlich das streamt, was gerade gehypt wird? Wenn man sich von Top-10-Hit zu Top-10-Hit hangelt. Ist man dann wie jemand, der immer nur Charts hört? Oder jemand, der immer nur Spiegel-Bestseller kauft?

Und die wichtigste Frage daran: Warum würde mich das so stören? 

Vielleicht kennt jemand von euch den TikTok-Trend: „Er ist eine 10/10, aber“ … aber er schaut nur Hype-Serien. Für mich wäre es ein Downgrade, zumindest ein kleines, und der hypothetische Mann rutscht automatisch auf 8/10. 

Ich habe viel darüber nachgedacht, warum ich da so hart mit mir und anderen bin. Immerhin ist da eigentlich nichts Schlimmes dran. Kann ja jeder schauen, was er oder sie will, das tut keinem weh. Und finde ich es toll, auch mal Serien zu schauen, die es nicht in die Top 10 irgendwelcher Streaming-Plattformen geschafft haben. Weil die sich nämlich anfühlen wie eine kleine griechische Insel, auf der nur wenige Tourist*innen sind. Oder wie das Lieblingslokal, in dem immer nur drei andere Leute sitzen. Oder die kleine Bar um die Ecke mit der schrulligen Thekenkraft, die einen schon beim Namen kennt. Wisst ihr, was ich meine? 

Anti-Hype-Serien, so nenne ich sie jetzt einfach mal, sind wie kleine Schätze, die man gerne hütet. Man kann vielleicht nicht mit jedem darüber diskutieren oder sich nicht nonstop neue Memes dazu anschauen – aber sie fühlen sich nach etwas Besonderem an. Und wenn man dann doch mal auf jemanden trifft, der sie gesehen hat, ist die Begeisterung über den Austausch umso größer. 

Ich weiß, wir bei Shelfd judgen niemals für den Streaming-Geschmack. Und das ist auch wichtig. Deswegen soll das hier auch kein Hate-Kommentar auf Hype-Serien werden – ehrlich nicht. Sonst müsste ich mir für mein Streaming von „Off Campus“ und Co. ja auch an die eigene Nase fassen. Aber vielleicht ist es ein kleiner Reminder an alle, auch mal abseits der großen Portale auf Schatzsuche zu gehen, Mubi und Co. auszuchecken und dort vielleicht auf die neue Lieblings-Anti-Hype-Serie zu stoßen.

Happy Streaming,
Julia

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