Ich freue mich sehr, nach einer kurzen berufsbedingten Pause wieder für Shelfd am Start zu sein! Ich habe natürlich fleißig jede Woche die Newsletter meiner tollen Shelfd-Kolleg*innen gelesen, muss aber zugeben, dass ich im Alltagsstress kaum die Zeit gefunden habe, die vielen Empfehlungen selber auszuchecken. Neben Zeitmangel gab es aber noch einen anderen Grund, warum mein Streaming-Verhalten in den vergangenen Wochen und Monaten zurückgegangen ist: Ich habe mein Netflix-Abo gegen ein „echtes“ Kino-Abo ausgetauscht.
Für einen monatlichen Beitrag kann ich unbegrenzt Filme in zahlreichen Programmkinos sehen. Seit meinem Umzug nach Wien im Frühjahr sitze ich deshalb deutlich häufiger im Kinosaal als auf meinem Sofa. Dabei ist mir immer wieder dieselbe Frage durch den Kopf gegangen, die ich mir zu Hause beim Streaming nie gestellt habe: Wann endet ein Film eigentlich? Mit der letzten Szene – oder erst mit dem letzten Namen im Abspann?
Bis zum letzten Namen
Für mich ist es selbstverständlich, im Kino bis zur allerletzten Sekunde sitzen zu bleiben. Nicht wegen möglicher Post-Credit-Szenen oder der Hoffnung auf irgendwelche Easter Eggs. Sondern weil sich ein Film für mich erst dann wirklich beendet anfühlt, wenn die letzten Namen über die Leinwand gelaufen sind, das Saallicht angeht und die Kinomitarbeiter*innen zum Aufräumen reinkommen. Einmal kurz durchatmen.
Heutzutage bin ich aber immer häufiger am Ende des Abspanns ganz alleine im Saal. Kaum endet die letzte Szene, gehen überall Handys an, Jacken werden angezogen, Taschen gepackt. Der Abspann beginnt, und der halbe Saal ist schon leer! Im Kino irritiert mich das jedes Mal aufs Neue. Natürlich muss niemand zehn Minuten jeden einzelnen Namen lesen, der über die Leinwand läuft. Aber ich frage mich schon, warum wir einer Geschichte oft nicht einmal mehr diese letzten paar Minuten geben. Vielleicht liegt es an unserer immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspanne, vielleicht am beschleunigten Alltag – oder daran, dass wir uns daran gewöhnt haben, sofort zum Nächsten überzugehen. Immerhin warten direkt nach dem Film schon neue Instagram-Storys und Whatsapp-Nachrichten auf uns.
Zuhause bin ich nicht besser
Aber ehrlich gesagt: Beim Streaming mache ich es genauso. Kaum ist die letzte Szene vorbei, läuft schon der Countdown. „Nächste Folge in fünf Sekunden.“ „Das könnte dir auch gefallen.“ Der Abspann selbst wird dabei wortwörtlich verdrängt – kleiner gerendert, an den Rand geschoben, hinter Empfehlungen versteckt.
Ist der Abspann also tot? Ganz verschwunden ist er wohl nicht – er wird zum Beispiel im Fall von Marvel-Filmen ja auch bewusst fürs Storytelling eingesetzt – aber er hat sichtbar an Bedeutung verloren. Und das ist, glaube ich, kein Zufall. Autoplay gibt es schließlich nicht nur, weil es besonders praktisch ist – es gibt es, weil Plattformen davon leben, dass wir möglichst nahtlos von einer Geschichte in die nächste rutschen. Der Abspann ist dabei eher störend: ein Moment, in dem wir kurz innehalten, die vergangenen zwei Stunden sacken lassen, sogar auf die Idee kommen könnten, den Fernseher auszumachen.
Ausklingen lassen
Im Kino gibt es diesen Automatismus zum Glück nicht. Niemand schiebt mir nach dem Abspann schon den nächsten Film unter. Ich entscheide selbst, wann ich aufstehe – und ich glaube, genau das ist es, was ich bei meinen vielen Kinobesuchen am meisten schätzen gelernt habe. Dort kann man der Geschichte noch erlauben, langsam zu Ende zu gehen. Das möchte ich all meinen ungeduldigen Kinomitbesucher*innen nahelegen, und gleichzeitig wird das meine Mission für den nächsten Streamingabend: den Abspann einfach mal laufen zu lassen und der Geschichte ihre letzten paar Minuten zu schenken. So eilig haben wir es nicht.
Mich würde interessieren, wie ihr das seht: Bleibt ihr bis zum Ende des Abspanns sitzen – im Kino oder auch zu Hause? Oder endet ein Film für euch mit der letzten Szene? Ich freue mich auf eure Gedanken!
Happy Streaming,
Althea
