Ich habe eine große Schwäche für atmosphärische Thriller. Dient als Kulisse dann noch der Südwesten der USA, ist es ziemlich sicher um mich geschehen. Dass die AMC-Serie „Dark Winds“ in Deutschland bisher weitestgehend unter dem Radar läuft, kann ich mir nur dadurch erklären, dass sie lange Zeit zwischen Bachelor-Dates und tropischen Beziehungsexperimenten im Reality-Algorithmus von RTL+ kaum glänzen konnte. In den USA lief im März bereits die 4. Staffel, während ich hier den noch unbekannten Deutschlandstart der neuen Folgen herbeisehne. Höchste Zeit, dem Crime-Drama Aufmerksamkeit zu schenken.

Wir befinden uns in New Mexico, Anfang der 1970er-Jahre. Im Navajo-Reservat klärt Lieutenant Joe Leaphorn (Zahn McClarnon) komplexe Kriminalfälle auf. Morde fallen dabei eigentlich nicht in den Zuständigkeitsbereich der Tribal Police. Damit die Verbrechen an Indigenen aber überhaupt eine Chance auf Aufklärung finden, hat Leaphorn sich auf eine ebenso notwendige wie konfliktreiche Kooperation mit dem FBI eingelassen. An seiner Seite ermitteln der frisch von der FBI-Akademie ins Reservat zurückgekehrte Jim Chee (Kiowa Gordon) und die Polizistin Bernadette Manuelito (Jessica Matten). 

Tony Hillermans Romanreihe „Leaphorn & Chee“ dient als Vorlage für die Serie, deren Verfilmung von Robert Redford und George R. R. Martin vorangetrieben wurde. Vom Writers Room, über Regisseur Chris Eyre bis zum Cast sind an der Show ansonsten überwiegend Menschen mit indigenen Wurzeln beteiligt.

Wer geballte Action in gewohnter Wild-West-Manier erwartet, dürfte allerdings enttäuscht werden. Die Serie nimmt sich Zeit, ihre Handlung aufzubauen, einzelne Erzählstränge zu verweben und die Entwicklung ihrer Figuren zu zeichnen. Dennoch ist die Spannung immer präsent und ergibt sich nicht nur aus den laufenden Ermittlungen, sondern auch aus dem kulturpolitischen Kontext, in den diese eingebettet sind. Aktuelle Verbrechen stehen dabei immer auch in Bezug zur Vergangenheit, der schmerzhaften Geschichte der Diné (Selbstbezeichnung der Navajo) und den bis heute bestehenden Konflikten zwischen indigener Gemeinschaft und US-Staat. 

Neben spektakulärem Setting und dichtem Plot, der gekonnt gewohnte Ermittlungsarbeit mit übernatürlichen Elementen und spirituellen Motiven der Navajo-Kultur mischt, sind es vor allem der Cast und die vielschichtigen Figuren, die mich an dieser Serie begeistern. Innere Konflikte und Beziehungen entfalten sich langsam und gewinnen so eine besondere Tiefe. Leaphorn wirkt stark, zeigt sich im Zusammenspiel mit seiner Frau Emma (Deanna Allison), aber auch verletzlich und hätte mit McClarnons ruhiger, kraftvoller Präsenz kaum besser besetzt sein können. Gordon macht die innere Zerrissenheit des ehrgeizigen, nach Zugehörigkeit suchenden Ermittlers Chee mit viel Feingefühl greifbar, während Matten die oft furchtlose Bernadette, die sich weder von gesellschaftlichen Erwartungen noch von Autoritäten einschüchtern lässt, zugleich entschlossen, klug und nahbar verkörpert. 

Ihr könnt die ersten drei Staffeln von „Dark Winds“ aktuell bei RTL+ und Netflix streamen. Überprüft die dauerhafte Verfügbarkeit via werstreamt.es.

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