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Hej, folgende vier Beiträge haben wir für euren Streaming-Start ins Wochenende mitgebracht:
- Staffellauf-Kolumne über kanonische Scheuklappen beim Streaming
- Unser stacheliger Lieblingsstream: „Romeo + Julia“
- Fünf handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
- Mehr als Streaming im Zeitgenossen-Podcast
Los geht's mit dem kompletten Magazin!

Kanonische Scheuklappen
André Pitz
Vor zwei Wochen hat Leya sich und damit auch uns an dieser Stelle eine unbequeme Frage gestellt: „Gucke ich eigentlich genug Filme von Regisseurinnen?“ Diese Frage treibt auch mich immer wieder, seit Leyas Staffellauf aber wieder besonders vordergründig um.
Also habe ich mich auf Spurensuche begeben: Woran liegt es, dass meine All-Time-Statistik auf Letterboxd, gespeist aus mittlerweile elf Jahren lückenlos geführtem Filmtagebuch, bis heute so aussieht, obwohl mein innerer Antrieb eigentlich seit Langem ist, das zu überwinden?
Erst einmal wichtig ist es mir, eine Sache aus dem Weg zu räumen: Für derartige Zahlen muss weder ich noch solltet ihr euch schlecht fühlen, wenn ihr euch darin wiederfindet.
In diesem Staffellauf möchte ich ergründen, warum ich mit dieser Statistik nicht allein bin, warum kein Algorithmus derzeit etwas daran ändern kann und wie ihr dennoch leicht für noch mehr Perspektivenvielfalt in eurem Streaming sorgen könnt.
🎁 Jetzt den kompletten Staffellauf von André lesen. Frei für alle.
Entdeckt das Staffellauf-Archiv mit +35 reflektierenden Streaming-Kolumnen.

Lieblingsstream: Romeo + Julia (1996)
Althea Pappas
Die 90er sind für mich vor allem das Jahrzehnt, das die besten Rom-Coms produziert hat – und aus irgendeinem Grund auch das Jahrzehnt der Klassikeradaptionen für Teenager. Manche Verfilmungen hielten die Anspielung aufs Original eher verborgen, wie „Clueless“ (1995) mit der Jane-Austen-Romanvorlage „Emma“ (1815), die Shakespeare-Adaption „10 Dinge, die ich an Dir hasse“ (1999), oder „Eine wie keine“ (1999) mit dem „Pygmalion“-Klassiker als Vorlage. Ihr seht: Die Liste ist lang. Doch die wohl bekannteste – und meiner Meinung nach schönste – Adaption in diesem Zusammenhang ist die, die ihren Ursprung demonstrativ im Titel trägt…
Heute also ein Liebling der Woche, der streng genommen keiner ist, weil er mich schon viel länger begleitet: „Romeo + Julia“ (1996) von Baz Luhrmann.

Der Plot ist wohl bekannt, es handelt sich schließlich um die berühmteste Liebesgeschichte der Welt: Zwei junge Menschen, Romeo und Julia, verlieben sich unsterblich ineinander – obwohl ihre Familien, die Montagues und Capulets, seit Generationen verfeindet sind. Die beiden Verliebten, die „star-crossed lovers“, versuchen ihrer verbotenen Liebe nachzugehen, doch vergeblich. Es ist, hoffe ich, kein Spoiler: Diese Geschichte endet in einer riesigen Tragödie.
Luhrmann verlegt diese Geschichte in ein fiebriges, neonleuchtendes, fast schon hysterisches, und – zumindest für die 90er – modernes Setting: Verona Beach statt Verona, Pistolen statt Degen (natürlich mit der Aufschrift „Sword“), Hawaiihemden, schnelle Schnitte, religiöse Ikonographie, Popmusik. Der Film fühlt sich an wie ein einziger Adrenalinschub, ein bisschen wie das Verliebtsein selbst: intensiv, verwirrend und komplett maßlos.
Der größte Kniff des Films und auch damals die größte Kontroverse: Der Text bleibt. William Shakespeares Originaldialoge, unverändert, in all ihrer poetischen, manchmal unverständlich sperrigen Schönheit. Man könnte meinen, das erzeugt Distanz, aber es passiert eigentlich das Gegenteil. Gerade weil die Sprache so alt ist, wirkt sie plötzlich in diesem Setting wie neu. Wenn Leonardo DiCaprio und Claire Danes – kaum 21 und gerade mal 17 – sich ansehen und Sätze zueinander sprechen, die Jahrhunderte alt sind, passiert etwas Seltsames wie Wunderschönes: Man glaubt ihnen jedes Wort. Und um sie herum ein Ensemble, das genauso maßlos, schrill und überdreht spielt, wie der Film es verlangt.
Als ich „Romeo + Julia“ nach längerer Zeit wieder geschaut habe, hat mich sehr überrascht, wie jung diese Liebe ist. Wie schnell alles geht, wie wenig Zeit bleibt. Und wie sehr der Film darauf besteht, dass genau das zählt. Gefühle werden nicht heruntergedimmt, sondern maximal aufgedreht. Liebe ist nicht vorsichtig oder vernünftig, sondern absolut und unverhandelbar. Genau darin liegt etwas, das heute immer mehr verloren geht: diese kompromisslose Ernsthaftigkeit gegenüber Emotionen. Es ist ein lauter, chaotischer, manchmal anstrengender Film, der gleichzeitig wahnsinnig zärtlich und aufrichtig ist. Ein Film, der sich nicht dafür schämt, dass Liebe hier alles bedeutet. Vielleicht fühlt er sich deshalb heute noch so lebendig an.
Ihr könnt „Romeo + Julia“ bei Disney+ streamen. Überprüft die dauerhafte Verfügbarkeit auf werstreamt.es.
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Handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
André Pitz & Leya Lourenco
Wir haben diese Woche hunderte neue Filme, Serien und Dokus gesichtet. Hier sind die fünf Highlights, die wir euch ans Herz legen:
Close (2022)
Läuft bis 11.06.26 bei Arte, FSK 12, Dauer: 97 Min., zum Trailer
➜ Coming-of-Age-Drama über Freundschaft und Männlichkeitsbilder
➜ Großer Preis der Jury in Cannes für das Werk des belgischen Filmemachers Lukas Dhont
➜ Ein nahegehender, schmerzhafter, aber auch hoffnungsstiftender Film, der Männlichkeit unter Aufwachsenden verhandelt
A E I O U - Das schnelle Alphabet der Liebe (2022)
Läuft bis 08.08.26 in der ARD-Mediathek, FSK 6, Dauer: 96 Min., zum Trailer
➽ Eine seltsame Liebesgeschichte zwischen einer ehemaligen Schauspielerin (60) und einem jungen Dieb (17)
➽ Nicolette Krebitz' vierter Spielfilm mit Sophie Rois, Milan Herms und Udo Kier
➽ Ein versponnener und temporeicher Film über Begehren jenseits gesellschaftlicher Konventionen
Tully (2018)
Läuft bis 08.06.26 in der ARD-Mediathek, FSK 12, Dauer: 92 Min., zum Trailer
➩ Magisch-realistische Mutterschafts-Dramedy
➩ Geschrieben von Diablo Cody, Charlize Theron in der Hauptrolle, inszeniert von Jason Reitman
➩ Schonungsloser wie einfühlsam humorvoller Blick auf Mutterschaft
4 Könige (2015)
Läuft bis 31.05.26 bei Arte, FSK 12, Dauer: 91 Min., zum Trailer
➤ Drama über vier Teenager, die ihr Weihnachten in einer Jugendpsychiatrie verbringen müssen
➤ Theresa von Eltz' Regiedebüt mit Jella Haase, Paula Beer, Jannis Niewöhner und Clemens Schick
➤ Mit gut gespielten Figuren, zum Mögen oder Nichtmögen, aber auf jeden Fall zum Mitfühlen
Meine Stunden mit Leo (2022)
Läuft bis 04.06.26 beim ZDF, FSK 12, Dauer: 94 Min., zum Trailer
➺ Coming-of-Middle-Age
➺ Furchtlose Darstellung von Emma Thompson und internationaler Durchbruch von Daryl McCormack
➺ Intimes wie verletztliches Porträt über weibliches Begehren, Körper und Alter
💡 Nach diesen Kriterien wählen wir unsere Tipps aus.

Sechs Themen, ein Zoff übers Telefonieren, ein indigener Coming-of-Age-Geheimtipp und ein 650-Euro-Mixer, der angeblich ein Leben verändert. Die neue Folge der „Zeitgenossen“ liefert wieder genau das, was Algorithmen nicht können.
Stefanie Palomino holt diesmal Max Frischs „Andorra“ aus dem Regal — das schmale Theaterstück, das fast jede*r im Deutschunterricht hätte lesen sollen. Sie erzählt, wie ein Buch zum Referenzpunkt fürs eigene Leben wird und warum manche Werke einen Jahrzehnte später noch in den unwahrscheinlichsten Alltagsmomenten anspringen, während andere einfach nur gelesen sind.
Christoph Raethke wagt im Gegenzug einen Schwur: „Reservation Dogs“ sei für ihn die vielleicht beste Serie der 2020er Jahre — und gleichzeitig die mit Abstand am häufigsten übersehene. Drei Staffeln auf Disney+, geschrieben, gespielt und gedreht von einem fast vollständig indigenen Team in einer Reservation in Oklahoma. Coming-of-Age, Magie, Trauer, Humor — und ein Tonfall, den man so noch nicht gehört hat. Wer ihm zuhört, will sofort einen Disney+-Monat dafür einlösen.
Wir empfehlen euch die neueste Folge vom „Zeitgenossen“ Podcast, weil ihre Haltung zu unserer passt: Einordnung statt Aufzählung.
„Die Zeitgenossen“ läuft bei YouTube, Spotify und wo ihr eure Podcasts hört.
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Bis nächste Woche Freitag!
Happy Streaming,
Team Shelfd

