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Hej, folgende sechs Beiträge haben wir für euren Streaming-Start ins Wochenende mitgebracht:
- Staffellauf-Kolumne über das, was ein guter Stream sein kann
- Unser stacheliger Lieblingsstream: „The Ballad of Wallis Island“
- Fünf handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
- Mehr als Streaming im Zeitgenossen-Podcast
- Darüber diskutieren wir drüben in der Community
- Überraschung der Woche: Die besten Streams im Mai
Los geht's mit dem kompletten Magazin!

5 von 5 Sterne – Wann ein Film funkt
Leya Lourenco
Im Staffellauf habe ich mich Ende April selbst als „Filmbro“ enttarnt. Die Erkenntnis, dass sich unter meinen Fünf-Sterne-Lieblingsfilmen bei der Bewertungsplattform Letterboxd fast nur Filme aus männlicher Regie befanden, warf noch eine weitere Frage auf: Worauf basiert mein Geschmack eigentlich? Wann klicke ich die vollen fünf Sterne an und sage: Das ist ein guter Film?
Die Faktoren sind vielfältig. Eine große Rolle spielt das Handwerk vor und hinter der Kamera. Aber dann gibt es noch die Ebene, die ein Film nur schwer vorhersehen kann: Timing, die Mitschauenden, die eigenen Lebensumstände. Auch deshalb haben wir manchmal ein Herz für schlechte Filme.
🎁 Jetzt den kompletten Staffellauf von Leya lesen. Frei für alle.
Entdeckt das Staffellauf-Archiv mit +35 reflektierenden Streaming-Kolumnen.

Lieblingsstream: The Ballad of Wallis Island (2025)
Ilka Bröskamp
Nachdem mich in den vergangenen Jahrzehnten schon Indie-Folk-Film-Highlights wie „Inside Llewyn Davis“ (2013) oder „Once“ (2007) begeistert haben, bin ich an James Griffiths‘ melancholischer Komödie „The Ballad of Wallis Island“ (2025) natürlich nicht vorbeigekommen. Zum Glück, denn der Film hat sich nicht nur dank Carey Mulligans Beteiligung und des wohlig, melancholischen Soundtracks direkt in mein Herz gespielt.
Was würdet ihr mit einem Lottogewinn anstellen? Charles Heath (Tim Key) hat gleich zweimal den Jackpot geknackt und lebt zurückgezogen auf der abgeschiedenen Insel Wallis Island. Der exzentrische Einzelgänger macht sich nicht viel aus den Millionen, träumt aber davon, das ehemalige Folk-Duo (und Ex-Liebespaar) Mortimer/McGwyer für ein Privatkonzert auf die Insel zu holen. Während Nell Mortimer (Carey Mulligan) die Musikkarriere längst hinter sich gelassen und gegen ein beschauliches Familienleben getauscht hat, jagt Herb McGwyer (Tom Basden) verbissen seinem nächsten großen Hit hinterher, der an vergangene Erfolge anknüpfen soll. Für den missmutigen Musiker ist der Gig vor ungewöhnlicher Kulisse und überraschend kleinem Publikum vor allem eine unbequeme Notwendigkeit, um Geld für die Aufnahme einer neuen Platte zusammenzukriegen.
Key brilliert in der Rolle des ebenso charmanten wie aufdringlichen Charles, der zwar kaum einen Gedanken für sich behält, dem man das – zumindest als Zuschauer*in – aber kaum übelnehmen kann. Schnell spürt man, dass hinter seiner unschuldigen Obsession mehr steckt, als die Liebe zur Folkmusik und sein unbekümmerter Redefluss nicht ausschließlich Ausdruck unbedarfter Lebensfreude zu sein scheint.
Dass es dem Film gelingt, mich in einem Moment laut loslachen zu lassen, während ich im nächsten leise ein paar Tränchen verdrücke, lässt sich nicht nur durch die nuancierten Dialoge und liebevoll gezeichneten Figuren, sondern auch mit dem wunderbaren Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller erklären. Basden und Key sind in Großbritannien bekannte Comedy-Stars und arbeiten seit Jahren zusammen. „The Ballad of Wallis Island“ ist ihr erster gemeinsamer Spielfilm, das Drehbuch eine Weiterentwicklung ihres 2007 entstandenen Kurzfilms „The One and Only Herb McGwyer Plays Wallis Island“.
Auch der Soundtrack stammt aus Basdens Feder. Die 25 Songs werden von ihm und Mulligan selbst performt, was der Geschichte eine besondere Tiefe und Glaubwürdigkeit schenkt. Die raue aber malerisch schöne Landschaft der fiktiven Insel vor der walisischen Küste verleiht der Komödie den typisch britischen Charme. Angenehm leicht schwebt die Melancholie über der Handlung und ihren Figuren, ohne jemals schwer oder erdrückend zu sein.
„The Ballad of Wallis Island“ ist ein absolut sehenswerter Film über ungewöhnliche Freundschaften, Sehnsucht und verlorene Liebe. Mit herzerwärmendem Humor und viel Feingefühl erzählt er aber auch von Trauer und dem Mut, Neuanfänge zu wagen, statt in verklärten Vorstellungen der Vergangenheit zu verharren.
Ihr könnt „The Ballad of Wallis Island“ aktuell bei Wow & Sky streamen. Überprüft die dauerhafte Verfügbarkeit via werstreamt.es.
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Handverlesene Highlights aus den kostenlosen Mediatheken
André Pitz & Leya Lourenco
Wir haben diese Woche hunderte neue Filme, Serien und Dokus gesichtet. Hier sind die fünf Highlights, die wir euch ans Herz legen:
Petite Maman (2021)
Läuft bis 21.06.26 in der ARD-Mediathek, FSK 0, Dauer: 72 Min., zum Trailer
➜ Coming-of-Age-Märchen mit feinfühliger Figurenobservation
➜ Céline Sciammas („Porträt einer jungen Frau in Flammen“) Spielfilm mit Joséphine und Gabrielle Sanz in den Hauptrollen
➜ Wie in einem Traum zeigt uns Sciamma eine Begegnung, die uns Verborgenes über Mutter-Tochter-Beziehungen, Traurigkeit und Abschiede verrät
Die Nacht, als Laurier erwachte (Miniserie, 2022)
Läuft bis 07.06.26 in der ARD-Mediathek, FSK 16, Dauer: 59 Min., zum Trailer
➽ Psychologisches Familiendrama im Gewand eines Thrillers
➽ Erste Serie von Xavier Dolan („Laurence Anyways“, „Matthias & Maxime“)
➽ Atmosphärisch dichte Beobachtung von Schuld und Verdrängung
Benedetta (2021)
Läuft bis 25.06.26 bei Arte, FSK 16, Dauer: 124 Min., zum Trailer
➩ Erotische Religionskritik
➩ Basiert auf Judith Cora Browns Biografie „Immodest Acts – The life of a lesbian nun in Renaissance Italy“, inszeniert von Paul Verhoeven
➩ Verschränkt spirituelle Ekstase mit körperlichem Begehren und stellt so Konventionen in Frage
Tunnel to Summer (2022)
Läuft bis 23.06.26 beim ZDF, FSK 12, Dauer: 83 Min., zum Trailer
➤ Fantasy-Drama über einen mysteriösen Tunnel, der jeden Wunsch erfüllt, aber seinen Preis hat
➤ Anime-Adaption des Romans von Mei Hachimoku unter der Regie von Tomohisa Taguchi
➤ Melancholische Sommergeschichte über die Frage, was wir bereit sind aufzugeben für das, was wir am meisten begehren
Riefenstahl (Doku, 2024)
Läuft bis 20.06.26 in der ARD-Mediathek, FSK 12, Dauer: 99 Min., zum Trailer
➺ Dokumentarfilm aus Archivmaterial dekonstruiert den Mythos Leni Riefenstahl
➺ Regisseur Andres Veiel mit bis dato nie dagewesenem Zugang zu Riefenstahls Nachlass
➺ Eröffnet den sinnbildlichen Blick auf die Verdrängung der Deutschen ihrer eigenen Taten und Geschichte
💡 Nach diesen Kriterien wählen wir unsere Tipps aus.

In der neuen Folge der „Zeitgenossen" passiert etwas, das wir besonders gern teilen: Stefanie und Christoph greifen Davids Staffellauf-Kolumne aus der vergangenen Woche auf – „Der Netflix-Effekt" – und kommen auch in ihrem Podcast auf den „Tudum“-Sound zu sprechen, der mal was wert war...
Dann liefern die beiden wieder, was Algorithmen nicht können:
Stefanie Palomino versenkt sich in Camus' „Die Pest" — das Buch ihrer frühen Zwanziger, gelesen morgens um fünf, bevor es in den Verlag ging. Sie erzählt, warum dieser Roman über eine abgeriegelte Stadt weit mehr ist als eine Seuchengeschichte: eine Parabel darüber, wie Menschen auf Krisen reagieren, erst mit Verdrängung, dann mit Solidarität.
Christoph Raethke dagegen feiert „NerdTube“ – jene Ecke von YouTube, in der Menschen sich mit heiliger Begeisterung in abseitige Themen versenken. So stellt er uns u.a. einen langhaarigen Typen aus einem Bremer Vorort vor, der mit öligen Fingern an italienischen Dreirad-Mopeds schraubt und dabei, so Christoph, eine fröhliche Ehrlichkeit ausstrahlt, die der Welt der Hochglanz-Influencer*innen diametral entgegensteht.
Dazu Weimar zwischen Goethe und Buchenwald, der Trend ums Römische Reich und am Ende selbstgenähte Notizbücher. Wir empfehlen die „Zeitgenossen", weil ihre Haltung zu unserer passt: Einordnung statt Aufzählung.
„Die Zeitgenossen“ läuft bei YouTube, Spotify und wo ihr eure Podcasts hört.

Darüber diskutieren wir
Nach Althea's Liebling „Romeo & Julia“ haben wir uns drüben in der Community gefragt, ob wir zu cool für große Gefühle geworden sind – und ob es Figuren geb, die wir als Teenager noch cool fanden, aber die wir heute plötzlich kritischer sehen. Leya hat ihr Bauchgefühl dazu geteilt:
„Bestimmt ganz viele, man hat heute ja ein ganz anderes Bewusstsein. Allerdings hege ich für die meisten dennoch ein wenig Sympathie oder kann mir die Show/den Film nicht ohne sie vorstellen. Ich denke, man kann Figuren kritisch sehen und sie trotzdem in gewisser Weise mögen/interessant finden. Wäre ja auch etwas langweilig, nur die Good Guys zu feiern :D“
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💬 🍿 Themenwechsel. Uns würde brennend interessieren:
Gab es bei euch einen Moment, an dem sich eure Beziehung zu Netflix verändert hat?

Die besten Streams im Mai
Ilka Bröskamp

Alles neu macht der Mai? Nicht ganz. Neben sehenswerten Serienpremieren haben uns vor allem langersehnte Fortsetzungen und spannende Spielfilmhighlights im Angebot der Streamingplattformen und kostenlos zugänglichen Mediatheken begeistert. Ich habe euch meine liebsten Streaming-Empfehlungen für Wow & Sky, die Arte-Mediathek, Netflix, Prime Video, Mubi, fürs ZDF und HBO Max zusammengestellt!
➽ Welche Titel bleiben für euch nach dem Mai hängen? Schreibt uns als Antwort auf diese Mail.
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Bis nächste Woche Freitag!
Happy Streaming,
Team Shelfd

