Nachdem mich in den vergangenen Jahrzehnten schon Indie-Folk-Film-Highlights wie „Inside Llewyn Davis“ (2013) oder „Once“ (2007) begeistert haben, bin ich an James Griffiths‘ melancholischer Komödie „The Ballad of Wallis Island“ (2025) natürlich nicht vorbeigekommen. Zum Glück, denn der Film hat sich nicht nur dank Carey Mulligans Beteiligung und des wohlig, melancholischen Soundtracks direkt in mein Herz gespielt.

Was würdet ihr mit einem Lottogewinn anstellen? Charles Heath (Tim Key) hat gleich zweimal den Jackpot geknackt und lebt zurückgezogen auf der abgeschiedenen Insel Wallis Island. Der exzentrische Einzelgänger macht sich nicht viel aus den Millionen, träumt aber davon, das ehemalige Folk-Duo (und Ex-Liebespaar) Mortimer/McGwyer für ein Privatkonzert auf die Insel zu holen. Während Nell Mortimer (Carey Mulligan) die Musikkarriere längst hinter sich gelassen und gegen ein beschauliches Familienleben getauscht hat, jagt Herb McGwyer (Tom Basden) verbissen seinem nächsten großen Hit hinterher, der an vergangene Erfolge anknüpfen soll. Für den missmutigen Musiker ist der Gig vor ungewöhnlicher Kulisse und überraschend kleinem Publikum vor allem eine unbequeme Notwendigkeit, um Geld für die Aufnahme einer neuen Platte zusammenzukriegen.

Key brilliert in der Rolle des ebenso charmanten wie aufdringlichen Charles, der zwar kaum einen Gedanken für sich behält, dem man das – zumindest als Zuschauer*in – aber kaum übelnehmen kann. Schnell spürt man, dass hinter seiner unschuldigen Obsession mehr steckt, als die Liebe zur Folkmusik und sein unbekümmerter Redefluss nicht ausschließlich Ausdruck unbedarfter Lebensfreude zu sein scheint.

Dass es dem Film gelingt, mich in einem Moment laut loslachen zu lassen, während ich im nächsten leise ein paar Tränchen verdrücke, lässt sich nicht nur durch die nuancierten Dialoge und liebevoll gezeichneten Figuren, sondern auch mit dem wunderbaren Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller erklären. Basden und Key sind in Großbritannien bekannte Comedy-Stars und arbeiten seit Jahren zusammen. „The Ballad of Wallis Island“ ist ihr erster gemeinsamer Spielfilm, das Drehbuch eine Weiterentwicklung ihres 2007 entstandenen Kurzfilms „The One and Only Herb McGwyer Plays Wallis Island“.

Auch der Soundtrack stammt aus Basdens Feder. Die 25 Songs werden von ihm und Mulligan selbst performt, was der Geschichte eine besondere Tiefe und Glaubwürdigkeit schenkt. Die raue aber malerisch schöne Landschaft der fiktiven Insel vor der walisischen Küste verleiht der Komödie den typisch britischen Charme. Angenehm leicht schwebt die Melancholie über der Handlung und ihren Figuren, ohne jemals schwer oder erdrückend zu sein. 

„The Ballad of Wallis Island“ ist ein absolut sehenswerter Film über ungewöhnliche Freundschaften, Sehnsucht und verlorene Liebe. Mit herzerwärmendem Humor und viel Feingefühl erzählt er aber auch von Trauer und dem Mut, Neuanfänge zu wagen, statt in verklärten Vorstellungen der Vergangenheit zu verharren.

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