David (Jesse Eisenberg) und Benji Kaplan (Kieran Culkin) sind Cousins, die nach dem Tod ihrer geliebten Großmutter nach Polen reisen, um ihr zu gedenken und ihre jüdischen Wurzeln zu erkunden.
Auf einer geführten Tour zu Gedenkstätten wie demas KZ Majdanek und dem ehemaligen Wohnhaus ihrer Großmutter prallen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander – ebenso wie zwei gegensätzliche Lebensentwürfe: David, kontrolliert und strukturiert, trifft auf den impulsiven, unberechenbaren Benji.
So müssen sich die beiden Cousins auf der Reise nicht nur mit ihrer Trauer und ihrem Schmerz auseinandersetzen, sondern zunehmend auch mit sich selbst im Miteinander.
Nach seinem Regiedebüt „When You Finish Saving the World“ (2022) gelingt Jesse Eisenberg mit „A Real Pain“ (2024) ein bemerkenswert feinsinniges, tragikomisches Roadmovie über Erinnerung, Trauer, und das Ringen um Verbindung.
Was als Reise zweier ungleicher Cousins auf den Spuren ihrer jüdischen Großmutter beginnt, wird zur Konfrontation mit familiärem Erbe, kulturellem Schmerz und der Frage: Wie trauern wir „richtig“ – und wie erinnern wir ohne zu vereinnahmen? Zwischen erinnerungsträchtigen Gedenkstätten, auf gepflasterten Wegen voller Geschichte, öffnet sich ein emotionaler Raum: für Schmerz, für Verlust, für Vergangenes.
Benji (herausragend: Kieran Culkin) – ehrlich, direkt, ruhelos und herzenswarm – eckt an, weil er will, dass es wehtut, dass es echt ist. David (Jesse Eisenberg) – überfordert, neurotisch, sensibel – kämpft um Struktur inmitten emotionaler Überforderung. Sie lieben einander, aber verstehen einander nicht immer. In ihren Reibungen liegt die Schönheit des Films: Verletzlichkeit, Zärtlichkeit und bittere Komik.
Der Film changiert geschickt zwischen Buddymovie, existenzieller Selbstsuche und Slice-of-Life-Momenten – oft komisch, immer ehrlich, balanciert er schwere Themen mit Leichtigkeit, Feingefühl und echtem Herz.
Eisenberg inszeniert zurückhaltend, tiefgründig, ohne große Sentimentalität mit poetischen Bildkompositionen, pointierten Dialogen, einer Empathie für menschliche Widersprüche und Chopins „Nocturne“ als wiederkehrender Begleiter, der zur melancholischen Untermalung beiträgt.
„A Real Pain“ tut weh, aber auf die beste Weise. Denn: Wir sind alle „Touristen“ im Schmerz der anderen, wenn auch nicht immer sichtbar, ob bewusst oder unbewusst. Die Frage ist nur, ob wir bereit sind, wirklich hinzusehen und füreinander da zu sein.
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Verschiedene filmanalytische Perspektiven als Erklärwerk & Anregungen zur weiteren Auseinandersetzung
- 💬 Kritik über die erzählerische Leichtfüßigkeit und psychologische Tiefgründigkeit des tragikomischen Roadmovies, der zugleich Charakterstudie ist, von Christian Klosz (Film plus Kritik)
- 🔊 Filmbesprechung mit Martin Dietrich und Lucas Görlach über die Buddy-Dynamik der Hauptfiguren, das Drehen an echten Schauplätzen vor Ort in Polen, schwarzen Galgenhumor, Reflexion über transgenerationale Traumata (Das Filmmagazin | 17 Min.)
- 💬 Kritik über die vielschichtige Reflexion von Tourismus und Schmerz, Eisenbergs zurückhaltende Inszenierung, dramaturgische Bewegung vom Offiziellen zum Intimen von Gerhard Midding (epd Film)
- 💬 Kritik über kontrastreiche Gefühle und Figuren, authentische, berührende Leichtigkeit, das psychologische Verarbeiten von seelischem Schmerz und Traumata und den unbewussten Bewältigungsstrategien, auch am Beispiel der Hauptfiguren von Christian Neffe (Kino-Zeit)
Das sagen die Macher*innen des Films
- 💬 Filmemacher und Schauspieler Jesse Eisenberg im Interview mit Darren Richman über seine polnischen Wurzeln, über den Balanceakt als Regisseur und Hauptdarsteller und das Filmen einer Tragikomödie im KZ Majdanek (Little White Lies)
- 🎦 Jesse Eisenberg, Kieran Culkin, Jennifer Grey und Will Sharpe im Interview mit Chase Sapphire über Eisenbergs Meinung zu Holocaust-Filmen, ihre Erfahrungen am Set in Polen insbesondere im KZ Majdanek und die Chemie zwischen Eisenberg und Culkin (Los Angeles Times | Youtube | 6 Min.)
- 🎦 Jesse Eisenberg und Kieran Culkin im Q&A mit Ian Haydn Smith über die Entwicklung der Filmidee, die eigentliche Rollenverteilung, die ersten Reaktionen zum Drehbuch, die Zusammenarbeit mit dem Cast, Ton und Erzählgeschwindigkeit und über die verschiedenen Facetten von Schmerz (British Film Institute | Youtube | 24 Min.)
