Die Tage werden langsam wieder kürzer, und plötzlich merke ich, dass all die Pläne, die ich für die vergangenen Monate hatte, vielleicht doch nicht mehr passieren werden. Genau der richtige Zeitpunkt also, um noch einmal einen Film zu schauen, in dem der Sommer noch mit all seinen Freiheiten und Möglichkeiten bevorsteht: „Dazed and Confused“ (1993).

Oder, wie er im Deutschen leider heißt: „Confusion – Sommer der Ausgeflippten“. Sorry, aber ich werde diesen Titel niemals akzeptieren...

Der Film von Richard Linklater spielt an einem einzigen Tag im Jahr 1976 – dem letzten Schultag vor den Sommerferien. Die Schüler*innen der Lee High School in Texas haben drei Monate Freiheit vor sich und genau einen Abend, um das gebührend zu feiern. Es wird von Party zu Party gefahren, geraucht, getrunken, geflirtet. In klassischer Linklater-Manier passiert sonst nicht viel mehr.

Der Film folgt keiner einzelnen Hauptfigur und steuert auf kein großes Ereignis zu. Stattdessen zieht man mit einer ganzen Gruppe von Jugendlichen durch diesen einen Abend und lernt sie nach und nach kennen. Da ist der frisch gebackene Highschool-Schüler Mitch (Wiley Wiggins), der seinen ersten Tag als „großer“ Schüler überstehen muss, der Footballspieler Randall „Pink“ Floyd (Jason London), der sich nicht sicher ist, ob er für den Sport wirklich so viel opfern will, und eine ganze Reihe von Figuren, von Slacker bis Cheerleader, die einfach nur versuchen, möglichst viel Spaß zu haben.

Rückblickend ist es fast absurd, wie viele bekannte Gesichter hier auftauchen: Matthew McConaughey, Ben Affleck, Parker Posey, Milla Jovovich und Adam Goldberg – viele von ihnen noch ganz am Anfang ihrer Karrieren. Besonders McConaughey stiehlt als David Wooderson jede Szene, in der er auftaucht („Alright, alright, alright…“) Mit seinen endlosen Weisheiten und seiner sehr fragwürdigen Vorliebe für Highschool-Mädchen vielleicht nicht sonderlich gut gealtert, aber allemal ikonisch. 

Was ich an „Dazed and Confused“ liebe, ist, wie wenig der Film seine eigene Jugendlichkeit romantisiert. Die Figuren sind manchmal nervig, unsicher, arrogant und planlos. Sie wissen nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen, streiten sich über unwichtige Dinge und halten diesen einen Abend für das möglicherweise Wichtigste, was ihnen jemals passieren wird. Linklater macht aus den alltäglichen Momenten etwas Besonderes, vor allem fängt er das Gefühl ein, dass in diesem bevorstehenden Sommer alles möglich scheint. 

Deshalb ist „Dazed and Confused“ auch der perfekte Film für das Ende des Sommers. Man schaut zurück auf all die Dinge, die passiert sind – und auf die, die nicht passiert sind – und merkt, dass das Leben trotzdem weitergeht. Der nächste Sommer wird kommen, und mit ihm hoffentlich wieder das naive Gefühl der Unendlichkeit. 

Ihr könnt „Dazed and Confused“ aktuell bei Mubi streamen. Überprüft die dauerhafte Verfügbarkeit auf werstreamt.es.

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